1. Bericht von Thierry Wilhelm aus Istanbul

 

Der erste Monat der zweiten Etappe meiner Weltumrundung ist bereits vorüber. In diesem Monat bin ich durch Österreich, Ungarn, Rumänien und Bulgarien gefahren. Zur Zeit bin ich in Istanbul, wo ich 5 Tage verbringe um diese spannende, vor Geschichte strotzende Stadt genauer anzuschauen.

Der Grund, warum ich relativ schnell durch diese Länder gefahren bin, liegt darin, dass sie gelinde gesagt, langweilig sind. Langweilig in dem Sinne, dass sie landschaftlich keine „wow“-Gefühle aufkommen lassen. Ok, Österreich ist sicher schön, aber der Schweiz zu ähnlich und es war kein Schwerpunkt meiner Reise-Planung. Deshalb habe ich mir nur Salzburg und Wien genauer angeschaut, da ich in diesen Städten noch nie war.

In Ungarn interessierte mich eigentlich nur Budapest, welches eine wirklich schöne und geschichtsträchtige Stadt ist. Danach an den Plattensee, der sich als eher enttäuschend herausstellte. Sehr touristisch. Danach ab nach Rumänien.

Rumänien und auch Bulgarien erwiesen sich als meistens flach und langweilig. Einzig wenn es mal in so was wie Berge ging, wurde etwas spannender (wie Berge das so an sich haben!). Endlich mal ein paar Kurven! Beide Länder können ihren Armut nicht verbergen. Die Hauptstrassen sind teilweise neu und in hervorragendem Zustand, aber sobald es auf Nebenstrassen geht, gilt es Schlaglöchern auszuweichen und damit zu rechnen, dass nach der nächsten Kurve ein Stück Belag einfach fehlt. In Rumänien konnte ich erstmals Schotterpiste fahren, das freut das Motorradfahrerherz natürlich (natürlich nur wem das Spass macht). Die Stimmung in beiden Ländern war irgendwie komisch. Man merkt den Leuten an, dass sie nicht zufrieden sind. Die Freundlichkeit lässt oft zu wünschen übrig. Man ist sachlich und eher zurückhaltend. Ich will natürlich nicht verallgemeinern, aber so habe ich es empfunden. Viele Häuser sind heruntergekommen, viel Abfall liegt den Strassen entlang. Die Leute haben andere Sorgen als der Umweltschutz... Ach ja, den ersten Plattfuss durfte ich auch schon reparieren. Das war in Rumänien.

Ich habe die typischen Anzeichen der 3.Welt gesehen wie herumstreunende Hunde, kaputte Strassen und Häuser, 1-lagiges Klopapier, überlaufende Duschtassen, viel herumliegender Abfall, auffallend viele Pferdekutschen und Ochsenkarren usw. Aber auch erstaunlich viele schöne und teure Autos und manchmal auch grosse Motorräder.
Man erklärte mir, dass diese den korrupten Regierungsbeamten, Politiker oder Kriminellen gehöre. Wenn man sich die Löhne erklären lässt, leuchtet das ein. Ein Rezeptionist in einem guten Hotel verdient ungefähr 200 bis 250 Euro pro Monat (in Rumänien wie in Bulgarien). Das sei ein ganz normaler Lohn in einem Dienstleistungsbetrieb… Wie soll man sich da die neuesten Mercedes, BMW oder Audis leisten können???

Für mich geht’s auf dieser Reise erst ab der Türkei so richtig los. Die bisherigen Länder waren eher Transitländer. Und tatsächlich, kaum in der Türkei eingereist, ändert sich viel. Die Landschaft ändert sich schlagartig. Ist zwar noch nicht spektakulär, eher karg und trocken, aber eben anders. Die Leute sind sprunghaft freundlicher, interessierter und gastfreundlicher. Ich bin zwar noch nicht lange in der Türkei, habe aber schon viel mehr Kontakte zur Bevölkerung gehabt als bisher. Die Leute schauen mir auf dem Motorrad nach und begrüssen mich bei jedem Stopp und …sie lächeln mich an! Ein gewichtiger Unterschied um sich wohl zu fühlen.
Allerdings… ich war noch keine Stunde in der Türkei, als ich bereits von der Polizei angehalten wurde! Da die beiden Polizisten kein English konnten und ich logischerweise kein Türkisch wurde es ein lustiges Gespräch. Ich wurde 2 km vorher von einem Radar mit 87 km/h gemessen. Ich verstand nichts, aber er schrieb es mir auf. Ich sagte, dass das doch ok sei, denn ich fotografierte an der Grenze die Geschwindigkeitsvorschriften, die besagten, dass man ausserorts 90km/ fahren darf und zeigte ihm das Bild auf dem Display meines Fotoapparates. Er meinte darauf, nein, nein… das gilt nur für Autos! Motorräder dürften nur 70 km/h auf Hauptstrassen fahren! Desweiteren erklärte er mir mit seinem Zettelchen, dass auf Autobahnen die Autos 130 km/h und die Motorräder nur 90 km/h fahren dürfen. Das gibt’s doch nicht… voll die Diskriminierung!
Wenigsten liessen sich mich laufen, da ich Ihnen offensichtlich glaubhaft machen konnte, dass ich es nicht wusste. Es gab auch nirgends ein Strassenverkehrsschild, das darauf hingewiesen hätte. Die Busse hätte übrigens 65 Euro gemacht…

Nun bin ich, wie gesagt, in Istanbul. Eine sehr spannende Stadt mit viel Geschichte, die bereits bei den Griechen und Römern beginnt. Die historischen Paläste der Ottomanen, die jahrhundert alten Moscheen und sonstigen Sehenswürdigkeiten sind absolut spektakulär. Leider ist es extrem heiss (bis 38 Grad!) und es hat Millionen von Touristen. Das ist eben der unumgängliche Wermutstropfen an sehenswerten Städten. Aber morgen bin ich wieder on the road. Ich freue mich endlich wieder viel Natur zu sehen nach dieser 15 Millionen Metropole…

Bis bald wieder

Euer Thierry

 

 

 
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