12. Bericht von Thierry Wilhelm aus Kambodscha

 

 

Auch er Grenzübergang nach Kambodscha bereitet zum Glück keinerlei Probleme. Freundliche Grenzbeamte fertigen mich zügig und ohne Bestechung ab. Nach ca. 1 Stunde bin ich im drüben. Da das Land relativ klein ist, habe ich ganz viel Zeit. Ich habe mich mit dem Engländer Gordon und seiner koreanischen Freundin Lilly erst in 3 Tagen in Phnom Penh verabredet und ich könnte, wenn es sein müsste, die Strecke in einem Tag zurücklegen. Will ich aber nicht, deshalb fahre ich lediglich in die ca. 60 km von der Grenze entfernte Stadt Stung Treng. Es ist erst kurz vor Mittag und deshalb bummle ich langsam auf die Stadt zu. Es fällt mir rasch auf, dass in Kambodscha die Feuerrodung weit verbreitet ist. Schon kurz nach der Grenze sehe ich den Horizont in Rauch gehüllt. Es geht auch nicht sehr lange und schon fahre ich an Brandherden vorbei. Bis an den Strassenrand werden dürres Gras und Büsche abgebrannt. Das Feuer frisst sich gemütlich und ohne Überwachung durch die Steppe. Immer wieder muss ich durch dichten Rauch fahren und Feuer züngelt teilweise einiger Meter hoch. Kein schönes Bild...

 

Bereits 2 Std. später komme ich in der Stadt an. Ich suche mir ein gemütliches Hotel aus, das sogar WIFI anbietet. Das ist nicht selbstverständlich, denn die Internetabdeckung in Kambodscha ist gelinde gesagt, himmeltraurig. Der grösste, neueste und teuerste Hotelkasten muss es deshalb sein. Ich bezahle stolze sFr. 15.00 (!) für die Nacht und habe dafür einen super Komfort. Unglaublich, ich meinte mich zu verhören. Na, umso besser. Ich richte mich ein und mach mich danach auf einen Bummel, um die Stadt ein wenig kennen zu lernen. Ich erkenne schnell, dass  das Wort Stadt zu hoch gegriffen ist. Es ist eher ein Provinzkaff mit ziemlich heruntergekommener Infrastruktur. Aber ich finde einen Telecomladen, der USB-Sticks für eine Internetverbindung verkauft. Das ist zwar auch nicht besonders viel schneller, dafür kann ich aber über das Telefonnetz von praktisch überall her aufs Internet zugreifen. Auch eine SIM-Karte kann ich kaufen. Als nächstes checke ich mal aus, wie es kulinarisch aussieht. Ich suche das bestmögliche Restaurant, muss aber feststellen, dass das Angebot nicht sehr von Laos abweicht. Also eher bescheiden ist. In erster Linie Reis- und Nudelgerichte. Also bleibt’s dabei: Huhn, Gemüse und Reis – das Allerweltsmenu, das es in der halben Welt gibt!

 

Da Stung Treng direkt am Mekong Fluss liegt, hat es eine ganz nette Strandpromenade, wo ich den Sonnenuntergang reinziehe und mit Einheimischen zu kommunizieren versuche (bzw. sie mit mir!). Da aber Stung Treng nicht gerade eine Touristendestination ist, haben die Einheimischen daher auch keine Möglichkeit, ihr bisschen Englisch zu verbessern. Die Verständigung ist daher sehr „basic“ und von  viel Körpersprache begleitet...

 

Am nächsten Tag nehme ich mir vor, die Strecke von ca. 450 km bis nach Phnom Penh in zwei Etappen zu fahren. Ich suche mir auf der Karte eine Stadt aus, die etwa in der Mitte liegt. Dies sollte mein Tagesziel sein. Gemütlich fahre ich die Strecke ab, halte immer wieder mal an, mache Rauch- und Trinkpausen und Fotos. Der erste Teil der Strecke führt schnurrgerade durchs Land und ist ziemlich öde. Eine flache und weite Ebene breitet sich aus. Die Fahrt ist ziemlich langweilig. Zwischendurch mal ein Dorf oder ein Tempel, aber sonst gar nix. Ich schaue auf der Karte nach, ob es nicht etwa eine etwas spannendere Route gäbe. Tatsächlich, von der nächsten, grösseren Stadt an, gibt es eine Nebenstrasse, die dem Mekong entlang führt und weiter unten wieder in  die Hauptstrasse mündet. Das ist es, die nehme ich. Und tatsächlich, diese Strasse ist viel spannender, da sie dem Flusslauf folgt und viele Dörfer passiert. Da sich diese Strasse überraschenderweise als recht gut ausgebaut präsentiert, erweist sich dieser Weg als Abkürzung und ich komme dadurch viel zu früh an meinem Tagesziel an. Spontan entschliesse ich mich, doch bis nach Phnom Penh durchzufahren. Ich erreiche die Hauptstadt erst bei Sonnenuntergang, denn ca. 50 km vor der Stadt beginnt sich der Verkehr an, sich extrem zu verdichten. Dazu wird die Strasse sehr schlecht. Heisst, viele  Schlaglöcher, fehlender Belag und dazu wird auf den letzten 20 km neu gebaut. Die Autos und vorallem die immer zahlreicher werdenden Lastwagen kommen kaum vorwärts. So bilden sich immer längere Kolonnen und Staus bilden sich. Dazu ist es heiss. Ich wünschte mir, dass ich doch bei meinem ursprünglichen Plan geblieben wäre...

 

Endlich in der Stadt angekommen, hiess es nun, ein passendes Hotel zu finden. Irgendwann fand ich auch das Touristenviertel, wo es erfahrungsgemäss am meisten Auswahl an Unterkünften und auch an Restaurants gibt. Nach Begutachtung von mehrerer Optionen, entschliesse ich mich ein Hotel zu nehmen, das zwar etwas teurer ist (ca. 30 Franken), jedoch saubere Zimmer mit WIFI hat und mir erlaubt, das Motorrad in der Lobby zu parkieren. Zudem lagen in der näheren Umgebung viele sehr gute Restaurants, die ausgezeichnetes westliches Essen anboten. Eine herrliche Abwechslung zum ewigen Reis. Zudem lag es strategisch sehr günstig, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Perfekt!

 

Ich bekam die Nachricht von Gordon, dass sich seine Anreise verzögern würde (wen wundert’s in Asien!). Aus der Not eine Tugend machend, änderte ich meinen Plan, bei der thailändischen Botschaft ein neues Visum zu besorgen, vom Ende der Kambodscha-Runde an den Anfang zu verschieben. Also machte ich mich gleich am nächsten Tag daran, auf die thailändische Botschaft zu düsen und den Antrag in die Wege zu leiten. Bei Botschaften weiss man nie, wie lange es dauern wird. Meine Erfahrungen schwankten von 1 Stunde zu 7 Tagen. Diesmal hiess es, es würde 3 Tage dauern. Nach beharrlichem Nachfragen, Bitten und Drängen, stellte man es mir innert 24 Stunden in Aussicht. Und tatsächlich, es klappte! Bereits tagsdarauf konnte ich es abholen. Wunderbar, eine Sorge weniger!

 

Da Gordon noch immer eingetroffen war und es offenbar noch immer 2 weitere Tage dauern sollte, besuchte ich tagsdarauf die berühmten „Killing Fields“ – ein äusserst trauriges Erbe aus der Khmer Rouge-Zeit (Roten Khmer) mit ihrem Schlächter-Chef Pol Pot. Bei diesen „Killing Fields“ handelt es sich um ein ehemaliges Vernichtungslager. Heute sieht man nur noch grosse Massengräber Die Gebäude stehen alle nicht mehr, dafür wurde ein grosses Mahnmal errichtet.  Eine sehr bedrückende, aber ausgezeichnet gemachte Audio-Tour führt in ca. 1 Stunde um die Stätte und erklärt alles sehr genau. Viele Zeitzeugen, Opfer wie Täter, kommen zu Wort und schildern Erlebtes. Es geht wirklich sehr nahe. Man kann es schlicht nicht fassen, wie solche Gräueltaten in diesem riesigen Ausmass überhaupt geschehen konnten. Pol Pot hatte die kommunistische Idee, dass das Land von nun an ein reiner Bauernstaat sein sollte und ALLE auf den Feldern arbeiten müssten. Innert 3 (!) Tagen wurden alle Städte entvölkert und aufs Land deportiert. Alle Familien wurden bewusst auseinander gerissen und in verschiedene Lager verfrachtet. Wer irgendwie intellektuell aussah oder kritische Fragen stellte, wurde sofort exekutiert. Wer eine Fremdsprache konnte, speziell französisch, wurde exekutiert. Wer nur schon eine Brille trug, war höchstgefährdet, da er wohl belesen war. Desweiteren wurden die Religionen verboten und infolgedessen wurden unzählige Tempel, Kirchen und Moscheen zerstört. Mönche, Priester, Lehrer und höhere Angestellte wurden gleich mal exekutiert. Es ist unfassbar: Innert 4 Jahren wurden, gemäss den meisten Studien, zwischen 1,4 und 2,2 Millionen Menschen ermordet oder kamen bei der Zwangsarbeit auf den Feldern um. Und das bei einer Gesamtbevölkerung von ca. 7 Millionen...!

Die nahe bei Phnom Penh gelegenen Killing Fields sind bei weitem nicht die einzigen Massengräber in Kambodscha, aber die Bekanntesten.

 

Wer mehr über die Schreckensherrschaft der Khmer Rouge, die von 1975 bis Ende 1978 dauerte, erfahren möchte, dem sei dieser Link zu Wikipedia empfohlen:

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Khmer

 

 

Nachdem ich dieses traurige Kapitel der Geschichte Kambodschas verarbeitet hatte, besuchte ich erfreulichere Gebäude wie Tempel und der Königspalast. Ja, Kambodscha hat wieder einen König, der allerdings nicht viel zu sagen hat. Ist halt ein bisschen märchenhaft und die Menschen lieben das. Es ist nicht so extrem wie in Thailand, wo der König allgegenwärtig ist, aber die Leute sind trotzdem stolz auf ihn.

 

Endlich trafen Gordon und Lilly ein und wir konnten Pläne schmieden. Gordon war vor einigen Jahren schon mal in Kambodscha. Er reiste damals ebenfalls per Motorrad 3 Monate im Land herum und kennt sich deshalb gut aus. Der einzige Teil, den er damals nicht befuhr, war der extreme Osten. Also beschlossen wir, eine grosse Runde zu machen. Erst wieder zurück in den Norden (für mich, den ich kam ja aus Laos, das in Norden an Kambodscha grenzt) um dann nach Osten bis zur vietnamesischen Grenze zu fahren. Von dort mehr oder weniger der Grenze nach runter in den Süden und dann quer durchs Land ganz an die Westgrenze, an der Thailand liegt, zu fahren. Dort sind die Kardamon Berge, die mitten im Dschungel liegen. Gemäss Karte führt eine einfache Erdstrasse mitten hindurch. Das sah spannend aus und deshalb wollten wir es wagen, da mitten hindurch zu fahren. Gordon war damals alleine unterwegs und wollte es deshalb nicht riskieren. Aber zu zweit ist es was anderes. Das sollte der Höhepunkt im Westen sein. Dann wollten wir nach der Durchquerung dieses Gebietes noch zum krönenden Abschluss nach Siem Reap und Angkor Wat gehen – DEM touristischen Höhepunkt in Kambodscha. Danach würden wir zurück nach Phnom Penh fahren, denn er musste sein Mietmotorrad wieder abgeben und ich mein Gepäck abholen.

 

Da wir eine Rundreise durchs Land machten, konnte ich den grössten Teil meines Gepäckes im Hotel zurücklassen. Dadurch war ich „leicht“ unterwegs und so mutete ich mir auch gröbere „offroad“-Strecken zu. Zudem war ich ja nicht alleine unterwegs und sollte ich mich mal hinlegen, war Hilfe immer in der Nähe...

 

Nach dem Zurechtlegen des Plans, fuhren wir also nach Stung Treng, wo ich ja vor ein paar Tagen hergekommen bin. Da die Strecke eher langweilig ist, zogen wir in einem Rutsch durch. Am nächsten Morgen studierten wir die Karte um zu entscheiden, welche Strasse wir nach Osten nehmen sollten. Es gibt eine durchgehend asphaltierte Hauptstrasse, die vermutlich auch eher langweilig und voller Verkehr ist. Es gibt aber auch eine Nebenstrasse, die auf der Karte gelb gekennzeichnet ist, also Nebenstrasse bedeutet. Meistens sind diese Art von Strassen weniger befahren, nicht unbedingt schlechter als Hauptstrassen und dadurch spannender. Die Strecke ist zwar länger, führt aber führt durchs Hinterland, nahe der Grenze zu Laos entlang. Das verspricht spannender zu werden und so entscheiden wir uns für Diese. Nachdem wir die (nicht beschilderte) Abzweigung gefunden hatten, erwies sich die Strasse am Anfang als gut zu befahren - eine breite Erdstrasse. Sie führte durch wilde Natur und zwischendurch mal durch ein Dorf. Die Landschaft war ziemlich eben. Wir kamen gut voran und dachten uns schon, dass das eine kinderleichte Fahrt wird und wir unser Ziel in einem Tag erreichen würden.

 

Die ganze Strecke bis zu unserem Ziel, Ban Lung, der einzigen grösseren Stadt im Nordosten des Landes, liess sich in 3 Abschnitte teilen. Denn wir sahen auf der Karte, dass zwei grössere Flüsse, die Strecke 2 Mal unterbrachen. Wir gingen davon aus, dass es Brücken gab oder aber wenigstens Fähren. Wie gesagt, der erste Teil bis zum ersten Fluss war einfach und schön. Wir waren früh dran und entschieden uns deshalb, einen gemütlichen Schwumm im Fluss zu nehmen. Es war einfach zu herrlich, sich bei der grossen Hitze der Kleider zu entledigen und ins kühle Nass zu hüpfen! In der Annahme, dass wir weiterhin gut vorankamen, liessen wir uns Zeit mit dem Weiterfahren. Einheimische fanden es lustig, uns zuzuschauen, sassen am Ufer, plauderten, rauchten und lachten. Die Furt war relativ niedrig, denn der Weg führte ja unweigerlich durch diesen Fluss. Einmal kam ein einachsiger Traktor (eher eine Art Zugmotor) mit schwer beladenem Anhänger und wollte den Fluss überqueren. Es war an dieser Stelle ziemlich sandig und prompt blieb er stecken. Wir halfen tatkräftig mit und nur mit Müh und Not schaffte es der Traktor ans andere Ufer. Die Familie, die mit dem Traktor unterwegs war, bedankte sich sehr herzlich bei uns. Es machte uns Freude, dem Bauer zu helfen und eine gute Visitenkarte eines weissen Touristen abzuliefern.

 

Nun wurde es aber Zeit, um weiterzufahren. Als wir das Bord hochfuhren und die Fortsetzung der Strasse suchten, verschlug es uns den Atem! Da war schlicht keine Strasse mehr! Nur noch vereinzelte, schmale, sandige Pfade, die sich um Büsche und Bäume schlängelten. Das darf doch nicht wahr sein! Sand! Ich hasse Sand! Vorallem mit einem schweren Motorrad. Gordon machte es nicht so viel aus, er war ja viel leichter unterwegs als ich. Im Gegenteil, er hatte seinen Spass daran und machte eifrig Sprüche. Ich hoffte, dass hinter der nächsten Kurve die Strasse wieder auftauchen möge. Aber da war nix. Im Gegenteil, es wurde immer schlimmer. Auf einem solch schlimmen Pfad war ich nun wirklich noch nie unterwegs! Zumindest nicht für so lange. Ich kam immer wieder nur noch im 1. Gang vorwärts und musste höllisch aufpassen, nicht auf die Schnauze zu fallen. Unser grandioser Stundenschnitt fiel dramatisch auf ca. 15 km/h zusammen. Zu allem übel, waren wir wirklich schlecht darauf vorbereitet, denn wir hatten kaum genügend zum Trinken dabei. Ich war in voller Töff-Bekleidung und schwitze wie blöd. Ströme von Schweiss rannen an meinem Körper herab. Nach ca. 2 Stunden mit aller Gewalt kämpfen, erschien endlich mal ein Dorf. Beim kleinen Dorfladen und unter Beobachtung des halben Dorfes, schütteten wir erst mal 2 Liter Wasser in uns herein und erholten uns ein wenig von den Strapazen. Auf der Karte sah die Distanz bis zum nächsten Fluss eigentlich gar nicht so weit aus und ich hatte immer noch die Hoffnung, dass aus dem Pfad doch bitteschön endlich wieder einen Strasse, die den Namen verdient, werden würde. Es war schon Mitte Nachmittag und langsam aber sicher schwante mir, dass wir es nicht bis zu Stadt schaffen würden. Nicht unter diesen Umständen. Schnell noch ein paar Kekse gegessen und noch mehr Wasser eingekauft, und weiter ging’s. Meine Hoffnung auf eine bessere Strasse zerschlug sich rasch. Ich kam mir vor wie in einer Wüste. Woher kam nur der ganze Sand? Die ganze Ebene schien eine einzige Sandfläche zu sein. Obwohl wir immer wieder durch Wälder fuhren und eigentlich alles recht grün war. Doch die ersten 20 bis 50 cm des Bodens waren einfach sandig. Es war die Hölle! Langsam spürte ich auch, dass mir die Kraft so langsam aber sicher ausging. Ich fluchte und schaute immer wieder auf das GPS um zu schauen, ob wir wohl wieder ein bisschen näher ans Ziel gekommen waren. Es ging elendlich langsam voran. Die Gegend war sehr trocken und immer wieder kamen wir durch Brandherde. Wir fragten uns, ob das wirklich alles von Menschen angezündet wird, oder ob es auf natürliche Art entzündet wird. Eine Selbstreinigung der Natur sozusagen. Es war wirklich unglaublich, was für grosse Abschnitte abgebrannt oder immer noch am brennen waren. Der Pfad führte zuweilen mitten durch Brandherde. Links und rechts des Weges brannte das Gras einfach so ab. Niemand war da, um das Feuer unter Kontrolle zu halten. Wir staunten. Es gab zum Glück zu wenig Buschwerk, ansonsten hätten die Bäume bestimmt auch Feuer gefangen.

 

Mir schmerzten die Hände vom harten Griff um den Lenker, ebenso die Arme und Schultern. Sogar die Beine begannen zu schmerzen  - es war wirklich nicht mehr lustig. Die Kupplung tat mir leid und ich hoffte, dass ich sie nicht verbrennen würde, denn immer wieder musste ich sie einsetzten. Ich bin nun mal kein geübter Sandfahrer und man hätte mit mehr Mut sicher schneller durch den Sand pflügen können. Ich bekam zwar mit der Zeit, als ich mich so langsam an den Sand gewöhnte, mehr Mut und versuchte auch meine Technik zu verbessern, doch sobald es schneller wurde verliess mich dieser nach einigen Metern sogleich wieder. Ich hatte zuviel Angst vor einem Sturz, zumal ich diese Erfahrung schon mal in Mexiko gemacht hatte (auf Sand, bzw. Asche). Mein oberstes Gebot hiess immer: ja nicht stürzen!  Somit hatte ich mir diese Blockade über die Jahre selber eingeimpft, was sicher grundsätzlich  gut ist, mir aber in dieser Situation aber eher im Weg stand. Nun ja, es ging jetzt halt langsamer voran, dafür sicherer. Die peinlichste Situation war, als mich ein ca. 60 jähriger Mann auf seinem kleinen 110 ccm Honda Wave, mit zwei Passagieren, zwei grossen, vollbeladenen Seitentaschen und einer Gasflasche zwischen den Beinen locker flockig von hinten überholte! Ich traute meinen Augen nicht, wie leicht der durch den Sand fuhr. Zwar bedrohlich schlingernd, aber trotzdem zielstrebig vorwärts kommend. Ich hatte keine Chance, mich an ihn anzuhängen. Wie peinlich ist das denn! Es kam zwar immer mal wieder vor, dass Jungendliche uns mit ihren kleinen Mopeds überholten, sie waren ja geübt im Sand zu fahren, doch der schlug sie alle!

 

Mittlerweile ging es zügig dem Sonnenuntergang entgegen. Es war schon ein Weilchen klar, dass wir es niemals bis in die Stadt schaffen würden. Zudem war es zeitweise überhaupt nicht mehr sicher, welcher Pfad nun der Richtige war, denn immer wieder spaltete sich der Pfad in mehrere Spuren, die sich in verschiedenen Richtungen verloren. Mein GPS half da nur bedingt, denn einerseits waren diese kleinen Pfade natürlich nicht auf der Karte, doch anderseits konnten wir doch sehen, ob wir uns der Stadt näherten oder entfernten. Immerhin wussten wir, wo wir uns ungefähr befanden.

 

Ein paar Kilometer vor dem zweiten Fluss, der den zweiten Streckenabschnitt abschloss, berieten wir uns einmal mehr, welchen Weg wir nehmen sollten. Da entdeckten wir zwei Jugendliche auf ihren Mopeds, die eine Zigarette rauchten und plauderten. Wir fuhren zu ihnen und versuchten ihnen verständlich zu machen, dass wir nicht wüssten, wodurch wir fahren sollten, um das nächste Dorf zu erreichen. Nach einiger Zeit kapierte es einer der beiden und bot uns an, ihm zu folgen. Es war mittlerweile fast dunkel, was die Sache noch schwieriger machte. Der Junge kannte die Strecke ja auswendig und fuhr ziemlich schnell davon. Wir hatten beide grosse Mühe, ihm zu folgen. Es wurde dadurch noch viel ungemütlicher, denn ich sah die Schlaglöcher und Sandverwehungen kaum mehr und musste schneller fahren, als mir lieb war. Endlich tauchten erste Häuser auf und bald fuhren wir im Dorf ein. Mann, war ich froh. Ich war fix und fertig! Und genau so meine ich das. Kaputt, am Ende, Kraft- und Saftlos, todmüde. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich am Ende eines Reisetages dermassen erledigt war.

Wir fragten nach einem Dorfladen, wo wir etwas trinken könnten. Er führte uns dorthin. Es lag am Ende der Hauptstrasse des Dorfes. Wir berieten uns, ob wir das letzte Stück doch noch unter die Räder nehmen sollten, denn in diesem Dorf gab es keine Unterkunft. Ich war nicht begeistert, aber stimmte dann doch zu, es zu versuchen. Es war zwar dunkel, aber man versicherte uns, dass die Strasse nun wieder besser werden sollte.

 

Nun, die Strasse erwies sich weiterhin als die reinste Katastrophe. Total ausgewaschen und mit tiefen Löchern und Gräben übersät, gaben wir nach wenigen 100 Metern gleich wieder auf. Es war stockdunkel und da ich in der Nacht eh nicht so toll sehe, hielt ich fluchend an. Ich wollte wenden und prompt passierte es. Eh schon kraftlos schaffte ich nicht mehr, dass Motorrad beim Wenden aus einem Loch zu manövrieren. Ich verlor das Gleichgewicht und legte mich hin.

Wir fuhren zurück zum Dorfladen. Der Mann schien nett zu sein und wir fragten ihn, ob wir die Nacht vor dem Laden auf einem gedeckten Holzboden verbringen dürften. Er sah ein, dass es für uns keinen Sinn machte, in unserem erschöpften Zustand noch weiter zu fahren. Und so stimmte er breitwillig zu. Seine Frau versorgte uns mit heissem Wasser, damit wir die gekauften Trockennudeln aufkochen konnten. Wir versuchten noch ein wenig zu kommunizieren, aber es war sehr schwierig und zudem waren wir echt todmüde. Wir wollten nur noch schlafen. Er breite uns eine geflochtene Bastmatte aus. Zum Glück war es warm genug, so dass wir ohne Schlafsack problemlos die Nacht im Freien verbringen konnten. Beim Ausziehen der Kleider wurde ich plötzlich von Krämpfen in beiden Oberschenkeln heimgesucht. Ich war dermassen dehydriert, dass auch das viele Wasser und die Coca-Colas, die ich nach unserer Ankunft getrunken hatte, sie nicht verhindern konnte. Das hatte ich nun wirklich noch nie zuvor erlebt. Einen Krampf in der Wade, ja das kannte ich vom Sport her. Aber der Quadrizeps im Oberschenkel? Das war neu und tat höllisch weh! Nach langem Dehnen und noch mehr trinken, beruhigten sie sich beide wieder und endlich konnten wir uns schlafen legen. Obwohl auf harten Bretter liegend und kein Schlafsack, schliefen wir alle wie Babies. Allerdings wurde es morgens um 4 recht frisch und vorbei war es mit der Gemütlichkeit. Ich zwang mich wieder einzudösen, aber so richtig schlafen konnte ich nicht mehr. Zumal die Hähne zu krähen begannen und das Dorf so langsam aber sicher aufwachte. Ok, macht nichts. Wir waren alle um 5 Uhr wach und beschlossen, einen Laden zu suchen, der uns Kaffee zubereitete. Das war zum Glück kein Problem. Nur zu essen gab es so früh noch nichts. Also zwei Kaffees reingeschüttet und ab auf die Strasse. Im Tageslicht sah die Strasse bereits besser aus, denn nun sah man, dass man die Gräben und Löcher locker am Rand umfahren konnte. Und... es war nicht mehr sandig! Der Belag bestand aus gestampfter Erde und war zum Glück trocken. Wir kamen wieder flotter voran. Bald kamen wir in ein nächstes Dorf und siehe da, da war ein bescheidenes Restaurant, das geöffnet war und frisches Brot hatte. Ein positives Erbe der Franzosen ist, dass die Kambodschaner (wie auch die Laoten) die Baguettes übernommen hatten und diese weiterhin auf dem Morgenspeisezettel standen. Wunderbar! Nun wären noch Rühreier was Tolles. Eier hatte die gute Frau zwar, doch wusste sie nicht, wie man Rühreier machte. Also übernahm Gordon kurzerhand die Bratpfanne und das Zepter. Unter belustigter Beobachtung der Dame des Hauses, zauberte Gordon uns drei Portionen Rührei herbei. Es war ein herrliches Morgenessen!

 

Frisch gestärkt, machten wir uns daran, auch noch das letzte Drittel bis nach Ban Lung zu schaffen. Bald kamen wir an eine einfache Fähre, die uns ans andere Ufer brachte. Und tatsächlich, die Strasse war um Welten besser! Kaum mehr Sand, nur noch harte Erde. Wir genossen es, endlich wieder mal über den 2ten Gang hinaus zu kommen! Und ein paar Kilometer vor Ban Lung ging der Weg doch tatsächlich in eine asphaltierte Strasse über. Unglaublich! Die Strasse wurde breit und der Verkehr nahm, wie immer vor einer Stadt, zu. Wir gaben kräftig Gas und bald erreichten wie die Stadt. Sie sah ziemlich heruntergekommen aus. Typisch 3. Welt. Alles etwas kaputt, alles etwas schmutzig. Aber kein Problem, schlimmer als in Indien kann es nirgendwo sein! Wir kurvten etwas in der Stadt herum und suchten eine Bleibe. Es war nicht ganz einfach, denn das Angebot war nicht sehr gross und die meisten Hotels und Gästehäuser machten nicht gerade einen einladenden Eindruck. Der Tourismus ist noch nicht ganz in Ban Lung angekommen. Wir sehnten uns nach einer funktionierender Dusche und einem anständigen Bett. Doch siehe da... plötzlich entdeckten wir ein klein wenig ausserhalb des Zentrums ein ziemlich neu aussehendes Hotel. Das ist es! Egal was es kostet, das nehmen wir. Zu unserer Freude war es mit Fr. 25.00 nicht mal so teuer (für uns). Begeistert nahmen wir je ein Zimmer in Beschlag, duschten eine lange Runde und machten ein Nachmittagsschläfchen in einem überraschend guten und sauberen Bett. Einfach nur noch traumhaft, nach dem gestrigen Tag und vorallem Nacht...

 

Wir beschlossen für ein paar Tage ein Basislager in Ban Lung aufzuschlagen und lediglich Tagestouren in die Umgebung zu machen. Da war z.B. ganz in der Nähe ein wunderbarer Vulkan-Kratersee mit herrlich sauberem und kühlem Wasser. Wir verbrachten praktisch den ganzen nächsten Tag an diesem wunderbaren See und liessen unsere Körper erholen. Herrlich war’s! Tagsdarauf machten wir eine superschöne Tour in die nordöstlichste Ecke des Landes, nahe an die vietnamesische Grenze. Allzu weit getrauten wir uns allerdings nicht zu gehen, vorallem nicht auf kleinen Pfaden, die  noch weiter in den Dschungel führten. Wir wussten nämlich, dass es in dieser Gegend Drogenanbaugebiete und Schmuggelrouten gab. Und mit diesen Leuten ist nicht zu spassen. Also kein unnötiges Risiko eingehen. Wir blieben auf offensichtlichen Hauptwegen und genossen auch so die Landschaft und die Gastfreundschaft und Neugier der Dorfbewohner. Es waren interessante und schöne Begegnungen – weit ab von jeglichem Tourismus. Wir badeten in Flüssen, tranken Kaffee bei den Dorfläden und assen lokale Gerichte in winzigen „Dorfkneipen“. Desweiteren gab es in der Umgebung noch ein paar sehr schöne Wasserfälle zu besichtigen, die alle ein zum schwimmen einladendes Becken am Fusse des Wasserfalls hatten. Genial!

 

Wir verbrachten 4 Tage mit Ausflügen. Dann bemerkte ich plötzlich, dass mein Cockpit auffällig zu schwingen begann. Da war offensichtlich was gebrochen! Muss eine Spätfolge meines Sturzes von der Bambusbrücke in Laos sein. Und tatsächlich: Nach genauer Untersuchung fand ich eine angerissene Befestigungsstrebe. Das musste geschweisst werden. Ich suchte und fand einen Mechaniker, der schweissen konnte. Ich wollte nicht das ganze Cockpit zerlegen, zu kompliziert erschien mir das ganze Kabelgewirr hinter der Verkleidung. Zudem kam man von aussen an die Rissstelle heran. Also deckten wir die Kabel mit nassen Lappen ab und er schweisste den Riss. Erledigt... dachte ich. Doch bereits am nächsten Tag, nach einem weiteren Ausflug in die Umgebung mit Fahren auf Schüttelbecher-Strassen, brach die Schweissnaht wieder. Er schweisste eine noch dickere Naht auf die Bruchstelle und diesmal hielt es vorerst.

 

Langsam aber sicher wollten wir wieder weiterziehen. Allzu viel Zeit hatten wir ja alles in allem nicht. Nun galt es in den Süden nach Sen Monorom, der einzigen Stadt im Südwesten, zu fahren. Dazu mussten wir die am dünnsten besiedelte Region durchfahren: Mondolkiri. Eine unerschlossene Gegend, die ebenfalls nur bessere Trampelpfade zu bieten hatte. Lonely Planet schreibt, dass nur die Abenteuerlustigsten - und nur mit Kompass und viel Wasser ausgerüstet – sich durch diese Gegend wagten. Der Weg würde sich verlieren und in viele Einzelspuren auflösen. Na gute Nacht, dachte ich. Schon wieder so Sandwege und Schwerstarbeit. Dazu eventuell in der Gegend herumirren. Ich stellte mir das ziemlich schlimm vor und war mir überhaupt nicht sicher, ob ich das wagen sollte. Für Gordon war klar, dass er es machen wollte, da er das letzte Mal, als er in Kambodscha war, es alleine nicht wagen wollte. Doch nun waren wir zu zweit und er bearbeitete mich entsprechend. Wir fragten sogar Einheimische, vorallem Taxi-Jeep-Fahrer, die die Strecke kannten. Alle meinten, dass es mit einem kleinen Motorrad zu machen sei, aber mit meinem schweren Bike sahen sie schwarz und rieten mir entsprechend ab. Zu viel und zu tiefer Sand, meinten sie. Nicht gerade ermutigend!

 

Nun, nach Gordons intensiver Überzeugungsarbeit, stimmte ich schlussendlich doch zu. Das Verlockende daran war sicherlich, dass es nach einem richtigen Abenteuer roch. Zudem wäre die einzige Alternative gewesen, auf der Hauptstrasse von Ban Lung zurück nach Stung Treng und dieselbe langweilige Hauptstrasse runter in Richtung Phnom Penh. Auch nicht sehr verlockend. Es gibt einfach nicht sehr viele Strassen in Kambodscha und folglich auch keine Alterniativen!

Zudem hatte er ja Recht, wir waren schliesslich zu zweit. Mir steckte einfach immer noch die Schwerstarbeit und darauf folgende Erschöpfung der „gelben Strasse“-Etappe in den Knochen und ich hatte eigentlich keine Lust, so was nochmals zu erleben. Wir bereiteten uns vor, indem wir viel Wasser, Früchte und Keckse einkauften. Das Benzin sollte mit meinem grossen Tank kein Problem sein. Allerdings sah es auf der Karte nach einer grossen Distanz aus und... schon wieder eine gelbe Strasse!!! Das ignorierten wir selbstverständlich - aufgrund unserer Erfahrungen und auch den Beschreibungen der Einheimischen wegen. Die Distanz wurde auf ca. 350 km geschätzt. Nie und nimmer würden wir das an einem Tag schaffen, sollte die Verhältnisse ähnlich schlecht sein wie auf der letzten „gelben Strasse“. Doch die Leute bekräftigten uns, dass ca. in der Hälfte ein Dorf mit einfachen Unterkünften war. Sehr gut, in zwei Tagen konnten wir es gut schaffen. Zudem soll die Strasse von diesem Dorf aus besser werden, da die Behörden dabei seien, die Verbindung zwischen diesen beiden einzigen grösseren Städten im Osten des Landes, auszubauen.

 

Und diesmal zog ich aus meinen erlittenen Hitzestaus, Flüssigkeitsverlusten und Muskelkrämpfen auf der letzten wilden Etappe meine Konsequenzen: Ich würde wie Gordon nicht mehr in den Motorradklamotten fahren, sondern nur noch in T-Shirt und Shorts. Einzig Helm, Handschuhe und Crossstiefel würde ich tragen. Wir fuhren ja letztes Mal so langsam, dass es kein grosses Risiko darstellten würde und Verkehr gibt’s da ja nicht. Zudem würde ich im Sand weich fallen, sollte es dazu kommen. Leichte Entscheidung...

 

Am nächsten Morgen, sehr früh, fuhren wir los. Was würde der Tag wohl bringen? Wir waren ziemlich aufgeregt. Die ersten 40 km bis nach Lumphat war die Strasse sehr gut. Eine breite, flach gewalzte und trockene Erdstrasse. In Lumphat galt es einen Fluss zu überqueren. Es gab eine typische, einfache Fähre für Mopeds. Kein Problem.

 

Der Weg sah ziemlich gleich aus, wie wir das schon auf der ersten „gelben Strasse“ erlebt hatten. Sandige Abschnitte wechselten sich mit erdigen ab. Auch hier fuhren wir durch niedergebrannte Gebiete, Buschland, Wälder und nur sehr selten auch Dörfer. Die Gegend war tatsächlich ziemlich Menschenleer. Mal ein Bauernhaus, mal ein kleines Dorf, eher ein Weiler. Wenn wir wirklich mal in ein Dorf kamen, gab es wenigsten was zu trinken und auch Benzin aus Cola-Flaschen. Da es so abseits von Zivilisation keinen Strom gab, gab es natürlich auch nichts Kaltes zu trinken. Egal, Hauptsache Flüssigkeit nachschütten!

 

Dadurch, dass ich diesmal in T-Shirt und Shorts fuhr, ging es mir viel besser. Es machte unglaublich viel aus. Ich schwitze zwar, ist ja klar, doch nie und nimmer im selben Ausmass wie letztes Mal. Ich begann sogar langsam das Sandfahren zu geniessen. Mit immer mehr Erfahrung, besserem Wasserhaushalt und entsprechend mehr Kraft und Ausdauer, stellte sich auch langsam so was wie Spass ein. Ich traute mir immer mehr zu und lotete die Grenze immer mehr aus. Na also, es geht doch! Entsprechend kamen wir auch schneller voran. Zu unserer grossen Überraschung war der Weg sogar in meinem GPS verzeichnet und so hatten wir keine Mühe, den richtigen Weg einzuschlagen, auch wenn sich die Spuren zwischendurch tatsächlich trennten. Mitte Nachmittag erreichten wir bereits das von den Einheimischen angegeben Dorf, das Unterkünfte habe. Gemäss den Angaben der Jeepfahrer, sollte ab diesem Dorf die Strasse ja auch besser werden. Und so war es auch. Plötzlich fanden wir uns auf einer richtig guten und breiten Erdstrasse wieder. Kein tiefer Sand mehr, yeah! Da es noch relativ früh war und es nur noch ca. 150 km bis nach Sen Monorom waren, beschlossen wir durchzuziehen. Es war tatsächlich kein Problem, Sen Monorom noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang zu erreichen. Das vermeintliche Abenteuer war also doch nicht so extrem gewesen, wie wir dachten. Und die Leute, die wir nach dem Zustand der Strasse befragten, unterschätzen eindeutig unsere Fahrkünste. Es war also möglich, die ganze Strecke in einem Tag zu bewältigen. Wir waren natürlich auch an diesem Tag todmüde, als wir ankamen, aber nie und nimmer so erschöpft und am Ende wie das letzte Mal. Wir waren diesmal ja auch besser vorbereitet! Es war ein richtig geiler Reisetag...

 

Sen Monorom ist keine attraktive Stadt. Hat nichts zu bieten. Es gibt keinen Grund, hier länger zu verweilen. Darum brachen wir tagsdarauf auch gleich darauf wieder auf. Es stand eine ziemlich langweilige Etappe bevor. Wir wollten das ganze Land durchqueren – von Ost nach West. Das Zentrum und der mittlere Süden (nicht die Südküste) bieten nicht viel ausser grosser Kautschukplantagen und Reisanbauflächen. Es ist topfeben und eben, stinklangweilig. Die Hauptstrasse ist gut ausgebaut und asphaltiert. Also nichts wie durch. Da wir den südlichsten Teil der Küste entlang auslassen wollten, fuhren wir schnurstracks quer durchs Land in Richtung Koh Kong, unser Ziel, das direkt an der thailändischen Grenze liegt.

 

Gordon erzählte mir, dass es zwar sehr schöne Küstenabschnitte gab, aber halt auch mit Touristen bereits am überlaufen sei. Allem voran Kampong Som (Sihanoukville). Er hatte das bereits vor zwei Jahren gesehen und entsprechend reizte ihn das nicht mehr. Da wir beide schon zu genüge schöne Strände gesehen hatten und vorallem bald wieder sehen würden, verzichteten wir auf diesen Teil Kambodschas. Es war kein Problem für mich, da ich wirklich keine Lust auf Massen von Touristen, erhöhte Preise und versaute Einheimische hatte. Und ausserdem wussten wir, dass wir in Siem Reap (Angkor Wat) wohl oder übel dem Massentourismus wieder begegnen würden. Noch unter dem Eindruck von dünn besiedelten  Gegenden und seit vielen Tagen kaum Touristen zu Gesicht zu bekommen, fiel mir dieser Entscheid ganz leicht.

 

Wir schafften die Strecke in zwei Tagen. Koh Kong ist eine kleine Stadt mit einem überschaubaren Angebot an Unterkünften. Am nächsten Tag war der Geburtstag von Lilly und Gordon wollte ihr eine möglichst angenehme Unterkunft bieten. Deshalb steigen wir in ein neu gebautes und etwas teureres Hotel ab, direkt am breiten Fluss, der sich ein paar Kilometer weiter südlich in den Golf von Thailand ergiesst. Auch einen Swimming-pool bot das Hotel an. Die Übernachtung kostete ungefähr 35.00 Franken. Wir genossen einen reisefreien Tag, liessen unsere geschundenen Hinterteile sich etwas erholen und schlemmerten uns durch den Tag. Herrlich! Muss zwischendurch sein...

 

Doch nun sollte unser zweites, bzw. nach der unerwarteten Erfahrung auf der „gelben Strasse“, drittes Highlight folgen: Die Durchquerung der Cardamon-Berge. Nun ja, der Begriff „Berge“ ist etwas hochgegriffen, obwohl die höchste Erhebung rund 1700 Meter hoch ist. Aber wir fuhren lediglich über Hügel die ein paar Hundert Meter hoch waren. Nix von Bergen, wie wir uns das gewohnt sind. Macht nichts, es war trotzdem sehr schön. Gordon, der sich vor zwei Jahren mal alleine aufmachte, um das Gebiet zu durchqueren, musste damals aufgrund des katastrophalen Weges aufgeben und umdrehen. Er berichtete mit Schauerliches und ich machte mich auf eine weitere hardcore-Aktion gefasst. Doch siehe da, die Strasser erwies sich als breite, frisch angelegte Dschungel-Erdstrasse. Die Chinesen, die in diesem Gebiet ein paar Minen betreiben, haben eine neue Strasse angelegt! Zum Teil war sie sogar noch im Bau. Locker erreichten wir die Minen. Das Abbaugebiet war riesig und es herrschte ein beachtliches Durcheinander an schweren Fahrzeugen und arbeitenden Menschen. Wir staunten nicht schlecht. Nach dem Minengebiet wurde die Strasse wieder schmaler und der Zustand war zum Teil ziemlich übel. Bei Regen muss die Strasse wohl unpassierbar sein, aber das Wetter war gut und deshalb machte es richtig Spass, enduromässig unterwegs zu sein. Das Gebiet war zu gross, um es in einem Tag zu durchqueren und so übernachteten wir im Dorf Pramoy, das tatsächlich ein Guesthouse anzubieten hatte. Simpel, aber absolut genügend.

 

Am nächsten Tag sah das Wetter leider gar nicht mehr so toll aus und wir befürchteten Regen. Rasch packten wir unsere Sachen zusammen und sputeten uns, rasch von der Erdstrasse auf Asphalt zurückzukommen. Es war nicht mehr allzu weit. Die Leute sagten uns, dass in etwa 60 km der Asphalt beginnen würde. Es reichte nicht... etwa in der Hälfte der Distanz fing es an aus allen Kübeln zu regnen. Es ging nicht lange und die Strasse wurde immer schmieriger und schlammiger. Nun goss es wirklich heftig, ich konnte die Strasse kaum mehr sehen. Zum Glück kam nach wenigen Kilometer ein Dorf. Wir flüchteten uns tropfnass in eine bescheidene  Kneipe. Das muss man sich als Dach auf vielen Pfosten und einer Wand, an der die Küche angebaut war, vorstellen. Wir bekamen guten Kaffee, der in Kambodscha, wie in Laos, stark gebraut wird und mit viel Kondensmilch getrunken wird. Sehr süss, aber man gewöhnt sich dran und mag das Zeugs plötzlich. So tranken wir einen Kaffee  nach dem anderen und warteten und warteten und warteten. Es hörte einfach nicht auf. Die Strasse verschlechterte sich immer mehr und uns schwante Schlimmes. Als der Regen endlich nachliess, machten wir uns nach ca. zwei  Stunden des Wartens, wieder auf den Weg. Da die Kommunikation mit den anwesenden Leuten sehr schwer war, verstanden wir nicht, dass es nur noch wenige Kilometer bis zum Asphalt waren. Die Freude war gross, als der Schlamm plötzlich aufhörte und wir die letzten 30 km bis nach Pursat auf festem Untergrund hinter uns bringen konnten.

 

Wir hatten einen Hotel-Tipp von einem Amerikaner, der in Koh Kong lebt, bekommen und suchten dieses Hotel auf. Es war tatsächlich ein beachtlicher Kasten und ziemlich gut in Schuss. Sogar WIFI bot es an. Wir breiteten unsere Sachen zum trocknen aus, gingen essen, surften noch ein wenig im Internet und legten uns früh schlafen, denn morgen sollte es eine recht lange und langweilige Etappe bis nach Siem Reap geben...

 

Wir waren wieder zurück in der Zivilisation. Eine breite, asphaltierte Strasse mit viel Verkehr führte uns um den grössten See Kambodschas, den „Boeng Tonle Sab“-See, herum und direkt nach Siem Reap. Es war totlangweilig, immer gerade aus. Dazu hatte Gordon noch einen Plattfuss am Hinterreifen zu beklagen. Das Reparieren war kein Problem, denn alle paar Kilometer hat es eine kleine Reparaturwerkstätte - wie überall in Asien, zumindest den Hauptstrecken entlang. Es ist eine einfache Art, etwas Zusatzgeld zu verdienen. Man braucht nur wenig Werkzeuge und einen Kompressor. Schon kann’s losgehen. Sehr praktisch für Leidgeplagte unterwegs...

 

Durch die Panne, die ca. 25 km vor Siem Reap passierte, verloren wir etwas Zeit und so kamen wir erst nach Einbruch der Dunkelheit an. Wir machten offenbar zu viele Kaffee- und Rauchpausen! Egal. Wir kurvten etwas durchs Stadtzentrum und suchten uns ein genehmes, kleines Guesthouse. Siem Reap ist Touristenhochburg und darum heisst es Vorsicht, was die Preise angeht. Es lohnte sich, etwas länger zu suchen und nicht sofort zuzuschlagen, denn aufgrund eines Tipps, der uns ein Portier eines Hotels gab, fanden wir in einer Seitenstrasse eine einfache Herberge, die von einem netten Schwesternpaar betreiben wird. Es war ein Volltreffer, denn der Preis war sehr moderat, das Zimmer trotzdem sauber, die beiden Frauen mit ihren Männern und Kindern sehr gastfreundlich. Sie boten sogar Essen an. Zudem war es sehr nahe am Zentrum sowie an der Strasse, die zu den Tempelruinen rund um Angkor Wat führte. Einfach perfekt!

 

Wir budgetierten 3 Tage für die Besichtigung der Tempelruinen, so wie es in Reiseführer empfohlen wird. Das Gebiet ist riesig, die Anzahl der Tempel gewaltig. Die Gesamtfläche beträgt über 200 km2! Darauf wurden bis heute über 1000 Tempel und Heiligtümer entdeckt. Angkor Wat ist nur einer der vielen Tempel, jedoch bei weitem der grösste. Ja mehr noch, es sei überhaupt die grösste religiöse Anlage – weltweit! Die Ausdehnung beträgt von West nach Ost 1,5 km und von Nord nach Süd 1,3 km. Das Ganze ist mit einem riesigen Wassergraben von 170 bis 190 m Breite umgeben! Gewaltig!

 

 

 

Hier ein Link, um mehr über speziell Angkor Wat zu erfahren:

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Angkor_Wat

 

 

 

Da der Eintritt US$ 20 für einen Tag und US$ 40 für 2 oder 3 Tage kostet, wollten wir mal schauen, ob wir nicht irgendwie von hinten über eine „grüne Grenze“ hineinschleichen könnten. Das Gebiet ist ja wie gesagt riesig, unmöglich alle Schleichwege unter Kontrolle zu halten. Wir fuhren mit den Motorrädern ein wenig ins Hinterland. Das Tempelgebiet war auf meiner GPS-Karte deutlich markiert und so war es kein Problem, einen Weg zu finden. Tatsächlich gelangten wir problemlos ins Areal und konnten an den Tempeln vorbeifahren. Doch als wir einen Tempel von innen besuchen wollten, oh je, da gab es Ticketkontrollen. Die Kambodschaner waren also schlauer als wir. Es war zwar möglich auf den kilometerlangen Wegen zu fahren, aber Besichtigungen innerhalb der grösseren Tempel waren unmöglich. Kleinere Tempel und bessere Steinhaufen konnten wir zwar schon anschauen, aber das waren natürlich die am wenigsten interessanten. Also gut, wir sahen ein, dass wir doch ein Ticket kaufen mussten. War ja auch ok, wir rechneten eh damit. Das Geld kommt ja (hoffentlich!) der Sanierung und Erhaltung dieses gewaltigen Kulturerbes zu Gute. Wir genossen noch den Nachmittag in den herrlichen Wäldern, in denen die Ruinen liegen, mit Herumkurven, Fotografieren, essen und trinken. Einiges konnten wir dadurch schon von der morgigen Besichtigungsliste streichen und zudem lernten wir das Gebiet kennen. Es war superpraktisch, dass wir mit dem eigenen Motorrad unterwegs waren, denn der gemeine Tourist muss sich für viel Geld ein Trycycle, Taxi oder Motorradtaxi mieten. Man kann aber auch ein Fahrrad mieten und die kilometerlangen Strecken selber abspulen. Das bei DER Hitze? Nein danke, nicht für mich! Wir hingegen waren total flexibel und schnell.  Wir würden morgen zielstrebiger besichtigen und dadurch einiges an Zeit gewinnen. So beschlossen wir, nur ein 1-Tages-Ticket zu kaufen. Das musste reichen, denn die enormen Massen an Touristen gingen uns bereits jetzt auf die Nerven. Aber da mussten wir durch. Es war ja von vornherein klar, dass es so sein würde. Zu attraktiv und spektakulär waren die Tempel und mittlerweile hat ja jedes kleine Kind von Angkor Wat gehört. Also rennen all die Millionen von Thailand-Besucher mal kurz über die Grenze (ist ja nur ein paar Kilometer von der Grenze entfernt) und ziehen sich das Ganze so nebenbei rein. Die schlauen Tourenanbieter in Thailand bieten die Tour ja an jeder Touristendestination an...

 

Mit Tausenden von anderen fanden wir uns am nächsten Morgen um halb sieben für den Sonnenaufgang in Angkor Wat ein. Total verständlich, dass wir nicht alleine waren, denn der Aufgang der Sonne hinter dem Tempel ist wirklich wunderschön. Die Silhouette von den 5 lotusblütenartigen Türmen im Vordergrund mit der aufgehenden Sonne im Hintergrund sieht super aus. Verzückt und gebannt verfolgen tausende von Augenpaaren das Schauspiel. Es hat sich tatsächlich gelohnt, so früh aufzustehen.

 

Nach diesem tollen Spektakel zogen wir los um die Ruinen zu inspizieren. Vorallem Angkor Wat ist wirklich einmalig schön. Obwohl vieles leider zerstört ist, sei es durch die Natur oder durch Menschenhand wie die Plünderung durch die Siamesen im 15 Jahrhundert, ist dank aufwendigen Restaurationen trotzdem vieles gut erhalten, bzw. in Stand gestellt. Man kann sich recht gut vorstellen, wie die Anlage mal gebaut war und wie beeindruckend schön sie gewesen sein muss. Am liebsten würde man sich in eine Zeitmaschine setzen um die Tempel in voller Blüte zu sehen. Es ist immer wieder erstaunlich, zu was für künstlerischen, architektonischen und bautechnischen Leistungen die alten Kulturen im Stande waren. Das dachte ich mir bereits an vielen Orten dieser Welt zuvor. Auch dieser Ort hat was Magisches und in seinen Bann ziehendes. Mir persönlich fahren diese Orte gut ein und ich bin jedes Mal total fasziniert. Ich liebe es, in der Geschichte zu schwelgen und mir vorzustellen, was damals so abging.

 

Wir verbrachten den ganzen Tag in den Ruinen, staunten, machten zig Fotos, verpflegten uns in den kleinen Restaurants und wurden dabei immer müder. Auch ich muss zugeben, dass man irgendwann ein Mass an Sättigung erreicht hat. Irgendwann sieht man nur noch alte Steine, Haufen von alten Steinen. Die Aufnahmefähigkeit nimmt ab und plötzlich ist man gesättigt. Doch wir sahen alles, was wir sehen wollten. Jetzt nur noch das gegensätzliche Highlight zum Sonnenaufgang – der Sonnenuntergang. Wir machten uns bereits am Nachmittag während den diversen Besichtigungen Gedanken, von wo aus wir wohl den schönsten Sonnenuntergang sehen könnten. Als wir zur entsprechenden Zeit zum auserkorenen Tempel gingen, waren wir selbstverständlich nicht die einzigen mit dieser Erkenntnis! Der Tempel war vollbesetzt mit Menschen! Die besten Plätze natürlich besetzt. Wir waren eindeutig zu spät gekommen. Egal, wir sahen trotzdem einen sehr schönen Sonnenuntergang. Zwar nicht so lauschig und romantisch, wie wir uns das vorgestellt hatten, sondern mit lautem Geschnatter und Gelächter. So geht das, an Massentourismus-Orten...

 

Wir waren froh, dass wir Angkor Wat nun gesehen hatten und diesen überfüllten Ort wieder verlassen konnten. Auch waren wir froh, das Wichtigste in anderthalb Tagen gesehen zu haben und nicht 3 Tage dafür zu brauchen. Wir haben viel gesehen, wir haben uns auch für lohnenswerte Sachen Zeit genommen und so hatte ich eigentlich nicht das Gefühlt, wir seien durch das Ganze einfach hindurch gerast. Nein, 3 Tage braucht man dafür nicht. Meine Meinung...

 

Für Interessierte gibt’s über diesen Link noch interessante Infos zu dieser erstaunlichen Khmer-Dynastie:

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Angkor

 

 

Der Besuch von Angkor Wat war unser letztes Highlight unserer gemeinsamen Reise durch Kambodscha. Die Zeit bis zum Ende unserer Visa neigte sich langsam dem Ende zu und wir mussten zurück nach Phnom Penh. Ich musste meine deponierten Sachen abzuholen, Gordon musste sein Motorrad zurückbringen. Es handelte sich um eine Strecke von ca. 260 km. Diese machten wir locker in einem Tag. Gordon und Lilly planten noch 2 Tage zum Schoppen ein, ich musste noch mein Cockpit neu schweissen lassen, denn es war bereits wieder gebrochen. Diesmal sollte es richtig gemacht werden und dazu suchte ich mir einen Mechaniker, der mit grossen Motorrädern Erfahrung hat. Nur wenige Seitenstrassen weiter, fand ich einen geeigneten Laden. Der vermietet ausschliesslich grosse Motorräder, die ihm ein Schweizer importiert. Sehr gut! Sachgemäss machte er sich sogleich daran, das Cockpit vollständig auseinander zu nehmen und schon bald lag die gebrochene Strebe bar vor uns. Nun war es ein Leichtes, die gebrochene Stelle richtig und kräftig zu schweissen. Endlich war das Übel aus der Welt geschafft!

 

Nun war der Abend gekommen, an dem sich Gordon, Lilly und ich verabschieden mussten. Morgen sollte es für mich zurück nach Koh Kong gehen, denn dort war der  nächstgelegene Grenzübergang. Das konnte ich gut in einem Tag schaffen. Dort würde ich für eine Nacht absteigen und tagsdarauf nach der Rundreise durch Laos und Kambodscha, nach 2 Monaten wieder in Thailand einreisen.

Wir gönnten uns zum Abschied ein richtig fettes Nachtessen in einem schicken Restaurant und tranken ein paar Abschiedsbierchen. Wir waren fast 7 Wochen zusammen unterwegs gewesen und hatten uns aneinander gewöhnt. Entsprechend war der Abschied emotional und viel schwerer als erwartet. Aber wir versprachen uns, dass wir uns wieder sehen würden, wenn ich dann im Rahmen der 3. Etappe Südkorea besuchen werde.

 

Am nächsten Morgen war ich bereit, Richtung Koh Kong aufzubrechen. Ich drückte den Anlasserknopf und...... nicht’s geschah! Was um Himmels Willen war den jetzt wieder los? Alle versuche, das Motorrad zum Laufen zu bekommen, scheiterten. Sogar anschieben nützte nichts. Ok, alles wieder absatteln und das Motorrad zum Mechaniker schieben, bei dem ich schon das Cockpit schweissen liess. Er mass die Batterie und stellte fest, dass sie quasi tot war! Danach checkte er den Regler und erkannte, dass der Regler defekt war. Noch nicht ganz hinüber, denn ein schwacher Stromfluss war noch messbar, aber doch soweit, dass nicht mehr genügend Ladestrom für die Batterie durchfloss. So ein Mist... und das in Kambodscha! Hier finde ich doch nie und nimmer eine passende Batterie und einen neuen Regler, dachte ich. Doch weit gefehlt. Der Mechaniker zog eine nigelnagel neue Batterie aus dem Gestell – ein Varta, made in Germany! Das gibt’s ja nicht, so ein Glück! Die Batterie sei erst vor ein paar Tagen eingetroffen und war eigentlich für ein anderes Motorrad gedacht, aber das könne noch warten. Zu allem Glück passte sie auch genau in mein Batteriefach und hatte die richtige Stärke. Wow, ich hätte dem Mechaniker um den Hals fallen können! Betreffend den Regler meinte er, dass ich bei BMW Bangkok einen Neuen einbauen lassen solle. Ich musste ja ohnehin um den ganzen Golf von Thailand herumfahren, um nach Malaysia zu gelangen. Und der Weg führte zwangsläufig über Bangkok.  In zwei Tagen konnte ich es locker bis nach Bangkok schaffen. Solange würde die neue Batterie problemlos durchhalten, auch wenn sie nicht richtig geladen wird...

 

Ich verliess Phnom Penh ein paar Stunden später trotzdem noch und kam am Abend in Koh Kong an. Ich schrieb sofort ein Email an BMW Bangkok und hoffte, dass sie einen Regler im Warenlager hatten...

 

Nach einer problemlosen Grenzüberquerung fuhr ich an diesem Tag bis nach Pattaya um dort nochmals meinen Freund Peter zu besuchen und zwei Tage bei ihm zu verbringen. BMW schreib mir zurück, dass sie den Regler bei BMW Malaysia bestellen mussten und es 7 Tage dauern würde, bis er bei ihnen sei. Ok, in diesem Fall hatte ich keine Eile mehr und blieb ein paar Tage in Pattaya. Zur Sicherheit liess ich die Batterie in einer Werkstatt nachladen...

 

Nachdem ich wieder in Bangkok war und den Regler endlich gewechselt bekam, fuhr ich in 2 Tagen nach Koh Samui. Ich wollte auf dem Weg in den Süden noch meine mittlerweile langjährige Freundin Marita Fassbender besuchen. Bei ihr hatte ich vor 12 Jahren Tauchen gelernt und seither hatten wir stetig Kontakt. Ich hatte sie zwischenzeitlich 3 Mal besucht – das letzte Mal vor 5 Jahren. Höchste Zeit, sich wieder mal zu sehen. So verbrachte ich noch 1 Woche auf Koh Samui tauchend, schlemmernd und faulenzend. Koh Samui hat sich in den letzten Jahren markant zum Schlechteren entwickelt. Es herrscht ein unglaublicher Verkehr rund um die ganze Insel. Die Staus sind so schlimm wie in Bangkok. Für mich hat es den ganzen Charme verloren. Es ist hoffnungslos eine Massentourismus-Destination geworden. Da kann man genau so gut nach Mallorca gehen. Auch das Tauchen ist nie und nimmer so gut wie auf der Westseite, zum offenen Meer hin. Mir behagen diese stundenlangen Bootsfahrten, bis man endlich beim Tauchspot ankommt, nicht. Ausserdem sind die Tauchboote mit bis zu 40 Tauchern gefüllt. Mag ich nicht. Wenn Marita nicht wäre, würde ich ganz bestimmt nicht mehr nach Koh Samui fahren. Das hatte ich schon vor 5 Jahren gesagt – und es ist tatsächlich noch schlimmer geworden. Die Insel platzt langsam aus allen Nähten. Vorbei ist es mit dem Ursprünglichen, Authentischen. Die modernen, von Ausländern geführten Restaurants, Hotels und Ressorts dominieren das Bild. Die Russenmafia sei langsam am Fuss fassen, hört man. Die Preise sind auch gestiegen. Und wenn McDonald, Burger King und die aufdringlichen indischen Herrenanzüge-Verkäufer Einzug gehalten haben, dann ist das ein untrügliches Zeichen, dass es vorbei ist mit der Idylle. Die Ausweichorte sind die Nachbarinseln Koh Phangan und Koh Tao. Dort ist es noch viel gemütlicher. Aber leider sieht man langsam auch dort den so genannten Fortschritt. Es ist wie Koh Samui vor 10 Jahren, doch holen sie kräftig auf. Ich prophezeie, dass bis in einigen Jahren es auch auf diesen Inseln vorbei sein wird. Ausser natürlich man liebt den Massentourismus und all seine Folgen...

 

Wie dem auch sei, ich ging ja nach Samui um Marita zu sehen und wieder mal mit ihr zu tauchen. Wir hatten eine tolle und lustige Zeit, doch nun ging es für mich darum rasch nach Malaysia zu kommen. Ich hatte den Süden Thailands ja bereits im Oktober/November bereist und jetzt hatte ich das reissen. Nach 2 weiteren Stopps in Ao Nang bei Dudi, dem Berner der das „Swiss Chalet“ führt und in Koh Lanta bei Markus, der das „Swiss Restaurant“ führt, kam endlich der Tag, an dem ich die malaysische Grenze erreichte. Ich freute mich auf dieses Land, das sich deutlich von den drei buddhistischen Ländern Thailand, Laos und Kambodscha unterscheidet. Ich besuchte es schon einmal vor 8 Jahren und wusste, dass es auch sensationelle Tauchgründe zu bieten hat. Meine bisher schönsten Tauchgänge erlebte ich in Malaysia.

 

Voller Vorfreude rollte ich an den Grenzbaum...

 

 

Liebe Grüsse aus Bohol, Philippinen

 

Euer Thierry

 

 

 

 

25. Mai 2012

 

 
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