11. Bericht von Thierry Wilhelm aus Laos

 

 

Nach wiederum unproblematischen Einreiseformalitäten fahre ich die wenigen Kilometer bis nach Vientiane. Es ist schon kurz vor Sonnenuntergang und ich gebe Gas, um noch vor Dunkelheit einzutreffen. Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit meinem Freund Lat. Ich hatte ihn vor 5 Jahren, als ich zusammen mit meinem Freund Andy Häfeli Laos zum ersten Mal bereiste, kennengelernt. Lat hatte mir damals seine 250er Suzuki vermietet, als wir keine zweite Maschine finden konnten. Was für ein Vertrauen er doch in uns hatte! Und wie lieb von ihm. Dank ihm verloren wir nicht noch mehr Zeit mit Motorradsuchen und konnten zügig unsere 4-wöchige Rundreise durch den Norden von Laos in Angriff nehmen. Seitdem standen Lat und ich in Email-Verbindung. Heute konnte ich mein Versprechen einlösen, ihn wieder zu besuchen.

 

Er hatte mir bereits ein Hotelzimmer reserviert und so musste ich nicht noch auf Hotelsuche gehen. Wie vereinbart rief ich ihn an und kurz darauf feierten wir unser Wiedersehen mit viel Bier und einem Nachtessen am Mekong River!

 

Nach 3 Tagen in Vientiane und einer tollen Zeit mit Lat verabschiedete ich mich und macht mich auf den Weg in Richtung Norden. Erste Destination sollte Vang Vieng sein – ein kleines Kaff in einer wunderschöner Landschaft eingebettet. Allerdings ist es auch erstes Ziel aller Backpackers, denn Vang Vieng ist berühmt-berüchtigt für wilde Parties und versautestes Drogenparadies in ganz Laos. Ich erlebte Vang Vieng bereits vor 5 Jahren und war nun gespannt, wie es sich in der Zwischenzeit weiterentwickelt hatte...

 

Nach den wunderbaren und perfekten Strassen in Thailand, erlebe ich nun wieder die laotische Variante von Hauptstrassen. Die Strasse nach Vang Vieng ist voller Schlaglöcher und alle paar hundert Meter fehlt wieder meterweise der ganze Belag. Das Mühsame sind die Kanten zwischen Teer und Erde. Mehrere Zentimeter Höhenunterschied rütteln das Motorrad kräftig durch. Mir tun die Achsen und Federelmente der Autos und Lastwagen leid, wenn ich höre, was für Schläge die schlucken müssen... Hochkonjunktur für die Werkstätte!

 

Vang Vieng erweist sich zum Glück als weiterhin kleines Backpacker-Kaff, das zwar gewachsen war, doch immer noch sehr überschaubar geblieben ist. Was allerdings negativ auffällt, sind die vielen Restaurants, in denen sich die Backpackers der Länge nach in bequeme Kissen hinlegen und doofe Sitcoms in voller Lautstärke anschauen – viele wohl von jedwelcher Art von Drogen zugedröhnt oder ihren Hangover auskurierend. Die Gegend ist von bizarren Kalksteinformationen eingerahmt, in denen wunderbare Höhlen auszukundschaften sind – eine der Natur-Attraktionen von Vang Vieng. Eine andere beliebte Beschäftigung der Touristen ist, sich mit einem Lastwagenschlauch auf dem gemächlich dahinfliessenden Fluss treiben zu lassen. Vang Vieng ist am Ufer des Flusses gebaut und unmittelbar gegenüber dem Dorf teilt sich der  Fluss und bildet eine recht grosse Insel. Die Insel ist mit abenteuerlichen Hängebrücken verbunden und auf der Insel befinden sich mehrere Bars, die aus Bambus gebaut sind und erst abends öffnen. Dafür haben sie die ganze Nacht geöffnet. Mit riesigen Lautsprechertürmen ausgerüstet, wetteifern die Bars mit lauter Musik - von Rock bis Trance – um die Gunst der Gäste. Jede Bar hat seine grosse Feuerstelle und sein „Special Menu“. Das Spezialmenu liegt nicht einfach herum, man muss es gezielt verlangen. Danach greift der Barman unter die Theke und reicht es einem.

 

 

Ganz schön abgefahren, nicht? So laufen die wilden Parties in Vang Vieng ab... Als Konsequenz sieht man nachts und manchmal schon am Abend halbnackte Jugendliche und Frauen im Bikini, die total besoffen auf der Strasse herumgrölen und sich total daneben benehmen. Die züchtigen, schüchternen und konservativen Laoten schütteln nur noch den Kopf und denken sich, dass die „Westerners“ total unmoralisch, undiszipliniert, unzüchtig und rücksichtslos sind. Und sie haben bei Manchem Recht. Nur ist es so, dass dann halte alle Weisse in den gleichen Topf geschmissen werden, wie das die Menschen ja so an sich haben. Entsprechend sinkt der Respekt für die Weissen. Ich habe mich auf jeden Fall darüber aufgeregt, wie daneben sich die jungen Leute benehmen und damit ein total schlechtes Licht auf uns westliche Touristen werfen. Zum Glück beschränkten sich diese Beobachtungen lediglich auf Vang Vieng, das sich diesen zweifelhaften Ruf als Drogenmekka über Jahre hinweg „erarbeitet“ hat. Es ist nun mal so, dass Drogen in Laos früher zur Kultur gehört haben und entsprechend weit verbreitet waren. Und obwohl heute illegal und mit drakonischen Strafen geahndet, findet man sie immer noch leicht und das zieht natürlich die Jungendlichen an. Als irgendwann Vang Vieng von den Backpackers „entdeckt“ wurde, galt es lange als „Geheimtipp“ – ein ruhiger Ort in einer wunderschönen Landschaft wo man sich ohne Konsequenzen dem Drogenrausch hingeben konnte. Dazu noch spottbillig. Die perfekte Kombination! Leider hat sich das Wort dermassen verbreitet, dass es weiss Gott kein Geheimtipp mehr ist. Bereits sind grössere Hotels im Bau und es ist absehbar, dass es in naher Zukunft zu einem Mittelklasse-Touristenort verkommen wird. Fehlt nur noch McDonalds. Dann ist’s endgültig vorbei. Und dann werden auch die Behörden keine Augen mehr zudrücken können und der Zauber von Vang Vieng wird vorüber sein...

 

Ich bin glücklich, dass ich es noch relativ ursprünglich erleben konnte. Ob man Drogen nimmt oder nicht, von Vang Vieng geht definitiv ein spezieller Zauber aus. Zudem gehört der Sonnenuntergang von Vang  Vieng zu einem der Schönsten, den ich je gesehen habe.

 

Nach 3 Tagen Gemütlichkeit, Höhlen besichtigen und mit anderen Reisenden plaudern, zog es mich weiter. Ich wollte die vormals verbotene Zone „Xaisomboun“ durchqueren. Der Norden von Laos wird dominiert von der Volksruppe der „Hmongs“ und in dieser Gegend leben noch versprengte Guerillatruppen, die während des Vietnamkrieges mit den Amerikanern zusammengearbeitet hatten. Da der Krieg verloren ging und in der Folge die Kommunisten an die Macht kamen, wurde diese Gruppe geächtet und unterdrückt. In dieser „Special Zone“ leben nun diese Guerillas und führten einen bewaffneten Widerstand. Für Touristen war das eine verbotene Zone. Andy und ich durchquerten damals die Zone dennoch. Wir sahen vereinzelte bewaffnete Männer, aber sie liessen uns unbehelligt passieren. Mir wurde gesagt, dass der Widerstand, aber auch die Verfolgung beendet sei und das Gebiet deshalb wieder offen sei. Also fuhr ich auf der Strasse Nr. 5, die durch dieses Gebiet führt, in Richtung Phone Savan und der berühmten „Ebene der Krüge“. Doch nach ca. 30 km hörte die Strasse plötzlich an einem See auf. Die Strasse wurde einfach vom Wasser verschluckt! Verdammt, fragte ich mich, der See war doch damals noch nicht da? Ein paar einfache Holzschiffe lagen am Ufer, aber die sahen alles andere als Fähren aus. Ich erkundigte mich bei einigen Männer, die mit dem entladen eines Schiffes beschäftigt waren. Der See sei eine Erweiterung des ganz in der Nähe liegenden grossen Stausees, der einen Hauptanteil der Stromproduktion von Laos lieferte. Er sei relativ neu und deshalb auch noch nicht mit Fähren ausgestattet. Nur Güter und kleine Mopeds konnten transportiert werden. Als sie mein Motorrad sahen, winkten sie sofort ab, ohne lange zu überlegen, ob es eventuell machbar wäre. Es blieb mir nichts anderes übrig, als umzukehren und nach Vang Vieng zurückzukehren. Ich war gezwungen, die Richtung  meiner grossen Nordlaosrunde umzudrehen. Ok, kein Problem. Nur war es nun zu spät, um bis nach Luang Prabang zu fahren. Also beschloss ich, noch eine Nacht in Vang Vieng zu verbringen um dann frühmorgens loszufahren.

 

Die Fahrt durch die Berge nach Luang Prabang war wunderschön. Das Wetter war super, der Strassenbelag besser und die Umgebung bezaubernd. Bizarre und bewaldete Kalksteinformationen liessen die Gegend total spannend aussehen. Ich genoss die Fahrt in vollen Zügen und erreichte Luang Prabang am späten Nachmittag. Die Stadt ist von Bergen umgeben und  liegt in einem weiten Tal am schönen Mekong-Fluss. Vorallem der alte Stadtteil – und Touristenzentrum – liegt wunderschön am Ufer des Flusses.

 

Der Onkel von meinem Freund Lat führt hier eine Herberge und somit wusste ich bereits, wo ich mich niederlassen werde. Selbstverständlich gab er mir einen Spezialpreis und versorgte mich mit vielen Tipps. Wie gut ist es doch, einen Einheimischen zu kennen, der einem einen Aufenthalt ungemein erleichtern und Dinge zeigen kann, die man als unwissender Tourist nicht gesehen hätte. In den folgenden zwei Tagen besuchte ich die schwer beeindruckenden buddhistischen Tempel – wofür Luang Prabang berühmt ist. Einstiges geistiges, religiöses und weltliches Zentrum in früheren Königreichen.

 

Es lohnt sich frühmorgens aufzustehen um sich das tägliche Ritual der durch die Strasse gehenden Mönche zu sehen, die die Almosen einsammeln gehen. Dabei sieht man hunderte von Mönchen in ihren leuchtend orangefarbenen Roben, die in langer Schlange stehend, an der Bevölkerung vorbeigehen und dabei eine Handvoll Reis oder Früchte in ihre Gefässe gelegt bekommen. Sehr beeindruckend!

 

Eine weitere Touristenattraktion ist der „Night Market“. Da wird allerlei lokale Handwerkskunst angeboten. Doch vorallem das Weben von wunderschönen Tüchern, Decken, Röcken und Sonstigem ist eine Stärke der Hmongs, die in dieser Gegend heimisch sind. Wenn man durchs Land fährt, sieht man praktisch in jedem Dorf Frauen, die an ihren Webstühlen sitzen und Prachtstücke produzieren.

 

Die spirituelle Atmosphäre der Altstadt, an der die meisten der Tempel liegen, zieht einem richtig in den Bann. Das Spezielle ist, dass die Tempel immer noch „leben“, also von Mönchen betrieben werden und so keine Ruinenstadt ist. Seit Jahrhunderten, seit die Tempel errichtet wurden, wird hier gelehrt, Rituale abgehalten und die Tempel liebevoll gepflegt und gehegt. Man kann hier lebendigen Buddhismus hautnah erleben. Wer hier nicht berührt wird, ist ein Ignorant und soll doch besser nach Mallorca in die Ferien gehen! Zum Glück ist Laos noch nicht vom Massentourismus erfasst worden und hat sich deshalb seine Authentizität erhalten können. Obwohl es in Luang Prabang schon recht viele Touristen hat, ist es noch lange nicht mit anderen Touristendestinationen zu vergleichen. Leider ist zu befürchten, dass sich das in Zukunft ändern wird, denn Luang Prabang ist kein Geheimtipp mehr sondern steht zusammen mit Vientiane und Vang Vieng an erster Stelle der Attraktionen in Laos. Nachdem Thailand mittlerweile total versaut und von Touristen überschwemmt ist, rollt die Lawine unaufhaltsam Richtung Laos und Kambodscha. Zum Glück hat Laos keinen Meeranstoss, denn so bleiben wenigstens die Strandanbeter fern...

 

Nach ausführlicher Besichtigung der meisten und allesamt beeindruckenden Tempel sowie ein Besuch des Nationaltheaters, das  sehr schöne Vorführungen von traditionellen Tänzen zeigt, besuche ich noch zwei weitere Attraktionen in der näheren Umgebung: Die Than-Phum-Höhle mit ihren tausenden von Buddha-Figuren und der That Kuang Si-Wasserfall. Um zur Höhle zu gelangen muss man eine etwa 1-stündige Bootsfahrt auf dem Mekong machen, welche total entspannend ist und einem durch eine sehr schöne Gegend führt. Wenn man anfangs Nachmittag losfährt und die zwei Höhlen ohne Hast besucht, kommt man, wenn das Wetter stimmt, auf der Rückfahrt zu einem traumhaft schönen Sonnenuntergang auf dem Mekong. Ich habe es zum Glück getroffen und somit einen superschönen Nachmittag verlebt...

 

Zu den Wasserfällen konnte ich am nächsten Tag mit dem Motorrad hinfahren. Eine schöne Fahrt durch eine liebliche Landschaft führte mich in ca. 30 Min. zum Naturpark That Kuang Si, einem grossem, hügeligen Wald mit Bärengehege und dem traumhaft schönen Fluss oder besser gesagt, Bach, der über mehrere Kalkterrassen in die Tiefe fliesst. Ein wirklich schöner Ort, wo man gemütlich picknicken, baden und die Seele baumeln lassen kann:

 

Der eigentliche und völlig unerwartete Höhepunkt meines Besuches war aber ein ganz anderer. Mein Gastgeber verriet mir, dass nicht weit von Luang Prabang ein Festival der Hmongs stattfinden würde. Ich war sofort hellhörig und begeistert. Er zerstreute meine Zweifel, ob ich als westlicher Tourist da überhaupt hingehen könne. Die Hmongs seien sehr freundlich und tolerant. Kein Problem. So packte ich am nächsten Tag mein Motorrad und fuhr nach  seiner Beschreibung hin. Ich fand es – und war begeistert! Es war ein Festival das unter anderem dazu diente, eine mögliche Braut oder Gatten zu finden. Entsprechend waren vorallem die Mädchen, aber auch ein paar Jungen in ihren schönsten traditionellen Trachten gekleidet. Ich war überwältigt! Was für ein Glück, dieses zu erleben! Zudem entdeckte ich keinen einzigen Weisshäutigen und somit hatte ich das Gefühl, dass ich hier was wirklich authentisches miterlebte und kein Touristennepp...

 

Zum Anbahnen einer Begegnung und möglicherweise weiterführenden Beziehung dient ein Ballspiel. Dabei stehen sich die Mädchen und Jungen gegenüber und werfen sich einen Ball zu. Heute ist das meist einen Tennisball. Früher war das wohl eher ein geflochtener Ball aus Bambus oder Kautschuk oder so. Wenn nun einer der beiden, ob absichtlich oder nicht, den Ball fallen lässt, so muss derjenige ein persönliches Pfand übergeben. Später, wenn man mehr Privatsphäre hat, muss man dann das Pfand durch ein Lied oder Gedicht wieder auslösen. Was danach geschieht, entzieht sich meiner Kenntnis... Jedoch ist der Kontakt hergestellt und die Beziehung kann sich entwickeln... SO geht das bei den Hmongs!

 

Nun war es an der Zeit, weiterzuziehen. Ich verbrachte 4 tolle und spannende Tage in Luang Prabang, freute mich jetzt aber auf eine aufregende Fahrt durch die Berge in Laos’ Norden. Vorbei an vielen Dörfer der Hmongs und anderen Bergvölker, deren Name ich leider nicht weiss, immer wieder kleine Pässe überquerend und sehr schöne Aussichten auf eine weite, bergige und sehr grüne Gegenden geniessend, kam ich gegen Abend in ein Kaff namens Viang Kham. Es war kurz vor dem Eindunkeln und Zeit, sich eine Bleibe für die Nacht zu suchen. Viang Kham hat nicht viel zu offerieren, eigentlich gar nichts. Es hat aber immerhin zwei, allerdings  äusserst bescheidene, Herbergen. Ich wähle eine und richte mich als einziger Gast in einem kargen Zimmer ein. Die „Dusche“ funktioniert so, dass mir die Besitzerin einen Kessel voller heissem Wasser, das sie auf einem Holzfeuer aufgeheizt hatte, gab. Das mischt man dann mit kaltem Wasser und mit einem kleinen Plastikgefäss, das einen Stiel hat, wird das Wasser über einem ausgeleert. Diese Art zu duschen ist die in Asien weit verbreitete Art, sich zu waschen - wenn kein Fluss in der Nähe ist oder man keine Lust hat, in das kalte Flusswasser zu steigen...

 

Als ich eingerichtet und gewaschen bin, höre ich vor dem Haus plötzlich einen Motor knattern, dessen Sound sich nicht nach einem typischen kleinen Moped anhörte. Ich gehe aus dem Zimmer auf den Vorplatz und treffe auf ein Weissen und einer Asiatin, die aber sicher keine Laotin ist. Sie fragen nach dem Verantwortlichen. Sie möchten hier übernachten und ich zeige ihnen die vier Zimmer, die alle nebeneinander liegen und nicht abgeschlossen sind. Sie sollen sich doch schon einmal einrichten, die Besitzerin käme bestimmt bald zurück. Das tun sie dann auch und so lerne ich den Engländer Gordon und seine Freundin Lilly, die aus Südkorea stammt, kennen. Sie hatten sich vor ein paar Tagen eine 250er Suzuki in Vientiane gemietet und wollen die nächsten 3 Wochen Laos bereisen. Wir essen gemeinsam in einem nahe gelegenen, sehr einfachen Restaurant zu Nacht. Wir lernen uns besser kennen und beschliessen anschliessend, morgen gemeinsam zu reisen, da wir den gleichen Weg hatten. Wir verstanden uns alle drei so gut, dass aus der Fahrt am nächsten Tag, ganze sieben Wochen werden sollten. Denn nach Laos wollten sie weiter nach Kambodscha und dort ebenfalls vier Wochen herumreisen. Da ich die gleichen Pläne hatte und die Chemie zwischen uns stimmte, machten wir die Reise von jetzt an gemeinsam. Wir sollten eine tolle Zeit zusammen verbringen und ich hatte neue Freunde gewonnen...

 

Unser Ziel im Norden waren die Höhlen in Vieng Sai. Das ist der Ort, wo sich die kommunistische Führung, das Militärkommando sowie die Königsfamilie während des Vietnam-Krieges versteckten. Sie lebten dort 9 (!) Jahre in Höhlen, die sie auf beeindruckende Weise erweitert und ausgebaut hatten. So wurden zum Beispiel Ziegeldächer und Zimmer, Küchen und Vorratsräume,  Besprechungsräume und Luftschutzräume, ja sogar ein Spital und ein Theater eingebaut. Sehr beeindruckend das Ganze. Die Gegend wimmelt von Höhlen in den bizarr geformten  Kalksteinbergen und war der beste Schutz für die Bevölkerung vor den unaufhörlichen Angriffen und Bombenabwürfen der Amerikaner. Man muss dazu wissen, dass Laos das am meisten bombardierte Land der Erde und Geschichte ist!  Bei Flächenbombardements mit B-52-Bombern gingen mit 2,5 Tonnen pro Kopf auf die Bevölkerung von Laos mehr Sprengsätze nieder, als auf jedes andere Land der Erde!!!

 

Ist das nicht krass? Die Amis wussten durch ihre CIA-Spione und der verbündeten Hmongs, dass die Landesspitze sich in Vieng Sai versteckte. Dazu kam, dass der berühmte Ho Chi Minh-Trail ganz in der Nähe vorbeiging, bzw. in der Umgebung ihren Ursprung hatte. In der ganzen Gegend findet man noch heute nicht explodierte Bomben und Minen. Auch sieht man überall, was die praktisch denkenden Laoten mit nicht explodierten Bomben gemacht haben: Sie bauen sich daraus Gartenhäge, Schweinetränken, Grills und sogar Pressluftbehälter. Die Zeugnisse dieses äusserst brutalen Krieges  sind überall präsent! Auch sieht man immer wieder Menschen, denen ein Bein fehlt, weil sie beim Arbeiten auf dem Acker auf eine Miene getreten sind. Auch spielende Kinder waren und sind noch heute davon betroffen. Wenn man sich die Fakten, Zahlen und Folgen vor Augen führt, kann man nur noch einen grenzenlosen Hass auf die damalige US-Regierung bekommen. Die Laoten, die so freundliche und genügsame Menschen sind, wussten damals überhaupt nicht, weshalb ihnen damals so etwas Schlimmes passierte. Die Allermeisten waren lediglich einfache und arme Bauern und hatten mit der Weltpolitik überhaupt nichts am Hut. Sie hatten doch niemandem etwas zu Leide getan. Sie wussten überhaupt nicht, was sich in Vietnam ereignete und weshalb ihr Land zum Schlachtfeld von Kapitalismus und Kommunismus wurde. Es ist einfach grenzenlos traurig! Die Besichtigung der Höhlen wird von einer ausgezeichneten Audiotour, an der Zeitzeugen zu Wort kommen und einem äusserst eindrücklich die Fakten erzählt werden, begleitet. Im Verlauf der Tour wird man immer trauriger und könnte losheulen ab der grenzenlosen Ungerechtigkeit, die den Laoten widerfahren ist. Total bedrückt gibt man am Ende sein Audiogerät wieder ab und hat fast ein schlechtes Gewissen, ein Weisser zu sein. Doch zum Glück sind die Laoten überhaupt nicht nachtragend (was ein weiterer beeindruckender Wesenszug dieses liebeswerten Volkes ist) und ihr freundliches Lächeln tröstet einem bald wieder. Man verlässt Vieng Sai jedoch mit einem schalen und zwiespältigen Gefühl im Magen – einerseits hat man eine wunderschöne Gegend und spannende Höhlen gesehen, anderseits ist einem ein sehr trauriges Kapitel unserer blutrünstigen Menschenrasse näher gebracht worden. Dieser Krieg in Laos wird übrigens ganz offiziell als „der vergessene Krieg“ bezeichnet, da er von den Amis lange beharrlich verleugnet wurde. Ein weiteres Armutszeugnis für dieses kriegerische Volk...

 

Hier ein interessanter Artikel zu diesem Thema:

 

http://www.streubomben.de/blickpunkt-laos/das-vergessene-unrecht.html

 

 

Ich lerne während der Besichtigung Georg kennen, einem Lichtensteiner, der Ferien in Laos verbringt. Er hatte in Vientiane eine 250er-Suzuki gemietet und tourt durch Nordlaos. Da er dieselbe Strecke wie ich und Gordon fahren wollte, schlug ich ihm vor, sich uns anzuschiessen. Und so fuhren wir am nächsten zu viert in Richtung Phonesavan. Auf dem Weg dorthin, kurz vor der Stadt, gibt es noch einen weiteren geschichtsträchtigen Ort zu besichtigen: Die Höhle von Tham Piew. Traurige Berühmtheit erlangte die Höhle, weil sich in der recht grossen Höhle 374 Menschen vor den amerikanischen Bombardements versteckten. Es waren vorallem Kinder, Frauen und alte Menschen aus der Umgebung. Die Amis entdeckten irgendwann die Höhle und ein Kampfflieger attackierte sie am 22. November 1968. Da Phonesavan auf einer weiten Hochebene liegt und die Höhle am Fusse der sich von der Ebene erhebenden Berge, konnte das Flugzeug problemlos im Tiefflug auf die Höhle zuhalten und quasi Schiessübungen veranstalten. Er soll 4 bis 15 Marschflugkörper (je nach Quelle) abgefeuert haben. Noch heute sieht man die Einschläge rund um den Höhleneingang. Logisch, dass er irgendwann traf und somit die 374 Menschen elendlich in der Höhle verreckten. Ein kleines Museum, eine buddhistische Gedenkstätte und mehrere Massengräber zeugen von der Tragödie.

 

Phonesavang ist keine attraktive Stadt und eigentlich kein lohnenswertes Ziel für Touristen. Bekanntheit erlangte die Stadt lediglich wegen den ganz in der Nähe liegenden „Plane of Jars“ – die „Ebene der Tonkrüge“. Weit verstreut liegen da tatsächlich riesige Krüge, die allerdings nicht aus Ton sind. Man weiss es nicht mal genau, aus was sie hergestellt sind. Sie sind, wie vermutet wird, tausende von Jahren alt und keiner weiss, wer sie hergestellt und für was sie gedient hatten. Eine ziemlich bizarre Sache. Die Legende besagt, dass es Trinkgefässe von Riesen gewesen seien. Die Wissenschaft meint allerdings, dass es ev. Graburnen oder ev. auch Vorratskrüge gewesen sein konnten. Das Ganze sieht irgendwie surreal aus. Was allerdings sehr real aussieht, sind die Bombenkrater zwischen den Töpfen! In der Gegend war nämlich das Militärkommando stationiert, bevor es sich in den Höhlen von Vieng Sai verschanzte und entsprechend wurde die ganze Region rund um Phonesavang auf’s heftigste bombardiert...

 

Nach einem Tag in den Ebenen herumstreifen, übernachteten wir noch einmal in Phonesavang und reisten dann am nächsten Morgen weiter südwärts nach Paksan. Endlich kamen wir auch langsam wieder runter von den Bergen und damit in wärmere Gefilde. Die Strasse war nun allerdings nicht mehr geteert, sondern nur noch erdig oder steinig. Die Strasse ist nämlich keine Hauptverbindung. Wir sahen auf der Karte lediglich eine Strasse der 3. Kategorie. Auch wussten wir nicht, ob sie überhaupt durchgängig war. Aber durch die Wahl dieser Strasse, konnten wir uns einen ziemlich grossen Umweg ersparen und somit wollten wir es versuchen. Es hatte sich gelohnt! Es war eine – meistens -  sehr gute Erdstrasse. Ganz klar neu gebaut und im Ausbau begriffen. Schon recht bald wird sie mit Sicherheit geteert oder betoniert sein. Der Fortschritt erreicht offensichtlich langsam auch diese Gegend. Auch bei den Flussüberquerungen waren Brücken im Bau. Wir mussten allerdings noch durch die Flüsse fahren, was meistens Spass machte. Meistens... bis auf ein einmal! Da stand bei einem ziemlich breiten Fluss eine wacklige Bambus-Konstruktion, die für Fahrräder und kleine Motorräder gebaut worden war. Das Wasser kam den Autos, die den Fluss überquerten, bis zum Kühler und es hatte ziemlich Strömung. Für uns war deshalb klar, dass wir die Brücke benutzen würden. Sie sah eigentlich ganz gut aus, zumindest zweidrittel davon. Anfangs breit  genug, doch das letzte Drittel war nur noch 2 Holzplanken breit und endete mit einer Rampe in den Fluss, so dass man die letzten 20 Meter im Wasser fahren musste.

 

Bis zu den Holzplanken ging alles gut, doch als ich vor dem letzten Stück stand, schwante mir böses. Ich war viel schwerer als die anderen und ein schwanken wäre fatal...

 

Zum Glück war ich nicht alleine. Sofort eilten meine Begleiter herbei und halfen mir, das Bike wieder umzudrehen und ans Ufer zu schieben. Der Schaden wies sich als beträchtlich. Beide Rückspiegel waren abgebrochen, das Cockpit war verbogen und musste später geschweisst werden, die Antenne des GPS wurde abgerissen und meine Fotokamera, die ich um den Hals hängen hatte, wurde geflutet und mochte das überhaupt nicht.

 

Der Motor startete rasch wieder und ich konnte die Reise zum Glück fortsetzen. Ohne weitere Komplikationen erreichten wir noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang Pakse. Die Strasse war tatsächlich durchgängig und in viel besserem Zustand als befürchtet. Trotz Zwischenfall auf der Brücke, war es ein wunderschöner Tag in einer herrlichen Gegend, die das laotische Leben in voller Authentizität widerspiegelte...

 

Am nächsten Tag verabschiedete ich mich von Gordon. Wie vereinbarten, uns in drei Tagen wieder zu treffen. Ich wollte in das 200 km entfernte Vientiane zurückfahren um mein GPS und meinen Fotoapparat zu ersetzen. Ich konnte und wollte unmöglich weiterreisen, ohne fotografieren zu können! Es war die einzige Chance beides ersetzt zu bekommen. Ich hatte ja meinen Freund Lat in Vientiane. Er sollte mir helfen, beides zu finden. Beides gelang. Ich fand dieselbe Kamera, meine geliebte Canon G12 und ich fand sogar das Nachfolgemodel meines GPS, das Garmin 60CSx.

 

Zwei Tage später heizte ich die Hauptstrasse wieder Richtung Süden runter, um Gordon und Lilly in der nächsten, grösseren Stadt wiederzutreffen...

 

Wir wollten nicht einfach die einzige, grosse Hauptstrasse, die von Vientiane bis runter an die kambodschanische Grenze führt, runterfahren. Das wäre zu langweilig gewesen und wir hätten die Schönheiten des Landesinneren verpasst. Also wählten wir kleinere Nebenstrassen, die meistens Naturstrassen waren. Doch waren sie gut zu befahren, da Trockenzeit herrschte. Doch war es einfach sich vorzustellen, wie diese Strassen in der Regenzeit aussahen – nämlich total schlammig und rutschig. Es passierte uns zwei, dreimal, dass wir Regen hatten und sofort bildete sich eine schmierige Oberfläche, was die Fahrerei zu einer heiklen Mission werden liess. Zum Glück ging alles gut, wohl war mir aber nicht dabei. Gordon hatte eine leichte 250er und kaum Gepäck, dafür eine Sozia. Für ihn war es einiges leichter, durch schwieriges Gelände zu kommen. Für mich aber arteten gewissen Strecken, vorallem wenn wir in Sand- oder Schlammpassagen kamen, zu Schwerstarbeit aus. Einmal beschlossen wir, einfach aus Neugier heraus, eine noch kleinere Nebenstrasse zu nehmen, die gemäss Karte durch viel versprechendes Gebiet führte. Das Gebiet war tatsächlich sehr schön – Hügel, Flüsse, Reisfelder, kleine Dörfer – doch wurde die „Strasse“ immer schmaler und sandiger. Vermutlich verpassten wir irgendeine Abzweigung, denn die Strasse war nicht in meiner GPS-Karte verzeichnet. Wir „verirrten“ uns in kleinste Pfade, die uns durch Reisfelder und Wälder führte. Teilweise war der Pfad nur noch ein Traktor breit und wies tiefe Furchen aus – so tief, dass wir nur noch schmale Streifen befahren konnten. Das war für mich dann irgendwann nicht mehr lustig. Wir kamen kaum mehr vorwärts, denn wir konnten nur noch im ersten Gang fahren und mussten höllisch kämpfen. Irgendwann kamen wir dann doch wieder zu einem Dorf und an eine Abzweigung, die uns wieder auf eine breitere Strasse führte. Die Dorfbewohner staunten nicht schlecht, als wir plötzlich aus dem dichten Wald kamen und nach dem Weg fragten. Die Tagessensation war perfekt! Da wir viel Zeit verloren hatten und es deshalb schon relativ spät war, überlegten wir uns, im Dorf zu übernachten. Ein Guesthouse hatte es natürlich nicht und wir hätten fragen müssen, ob wir wohl in irgendeinem Schuppen hätten schlafen dürfen. Es wäre sicher kein Problem gewesen und vermutlich hätte uns sicher jemand ein Zimmer, bzw. ein Bett überlassen. Wir erfuhren, wie weit es bis zum nächsten Städtchen, unser eigentliches Tagesziel, war und beschlossen, dass wir es dank der nun besseren Strasse schaffen könnten. Auch wenn wir das letzte Stück wohl bereits im Dunkeln hätten fahren müssen. So fuhren wir trotzdem los – und bereuten es bald einmal, denn zur einsetzenden Dämmerung fing es auch noch zu regnen an. So ein Mist! Ich sehe in der Nacht eh schon nicht besonders gut und dann noch Regen! Es kam wie es kommen musste, denn auf einer diesen heiklen Holzbrücken rutschte ich von der aufgesetzten Längsplanke ab, kam ins schlingern und knallte voll hin. Die Brücke hatte keine Geländer oder sonst welche Seitenabsicherungen und ich sah mich schon die Brücke runterstürzen. Mein Kopf und die Schultern waren bereits über der Kante, das Motorrad fiel mir jedoch auf das Bein und klemmte mich ein. Zum Glück rutschte es nicht noch weiter, denn sonst wären wir beide etwa 5 Meter runtergestürzt! Der Aluminiumkoffer lag auf meinem Fussgelenk und es schmerzte ziemlich fest. Hätte ich nicht richtig gute Motocrossstiefel angehabt, so bin ich überzeugt, dass mein Gelenk gebrochen wäre. Ich konnte mich nicht alleine befreien und musste warten bis Gordon etwa 1 Minute später eintraf und mich aus meiner misslichen Lage befreien konnte. Es war zum Glück nichts passiert, weder an der Maschine noch mir...

 

Ein paar Kilometer weiter fanden wir glücklicherweise eine einfache Herberge, wo wir die Nacht verbringen konnten. Wir waren echt froh, nicht weiter fahren zu müssen, denn es goss mittlerweile aus Kübeln und die Strasse wurde immer schlammiger und entsprechend rutschig. Und das bei Nacht. Nein, das war definitiv nicht mehr lustig!

 

Am nächsten Morgen stellten wir fest, dass drei Kurven weiter die Erdstrasse aufhörte und der Teer begann! Zum Zielort wären es nur noch etwa 20 Kilometer gewesen. Hätten wir geahnt, dass die Teerstrasse so bald anfing, hätten wir natürlich durchgezogen. Aber egal, es war auch so gut...

 

Die Tage, die wir aufgrund des Visums noch hatten, wurden immer weniger. Und Gordon musste ja noch nach Vientiane zurückfahren, um dort das Motorrad zurückzugeben. Er würde für die Rückfahrt die Hauptstrasse entlang dem Mekong-River nehmen und konnte es in 3 Tagen schaffen. Wir beschlossen für die restlichen 3 Tage, die wirnoch gemeinsam verbringen konnten, noch einmal eine Tour durchs Landesinneren zu machen und einen laut „Lonely Planet“ sehr schönen Wasserfall anzusteuern. Von dort aus würde man in ca. 60 km wieder auf der Hauptachse sein, wo wir uns dann trennen würden.

 

Wieder fuhren wir durch eine superschöne Gegend mit sattgrünen Reisfeldern, bizarren Felsformationen und ein paar Flussüberquerungen, wo wir jeweils ein kühles Bad nahmen. Das war wirklich obergeil, denn es war so richtig heiss und wir waren total durchgeschwitzt. Und dann sich den Kleider entledigen und ins kühle Nass zu hüpfen... einfach mega!

Wir erreichten kurz nach hereinbrechen der Nacht des Wasserfall „Tat Lo“. In der Nacht erkannten wir nicht viel, aber hörten ihn in der Ferne. Ohne Probleme fanden wir ein nettes Guesthouse und fielen nach dem Nachtessen todmüde ins Bett.

 

Am nächsten Morgen erst, sahen wir, an was für einen wunderschönen Ort wir gelangt waren! Das Guesthouse war etwas erhöht direkt an einen ruhigen und breiten Fluss gebaut und der Wasserfall, den wir in der Nacht hörten, war in Sichtweite. Die Terrasse, auf der gegessen wurde, war auf den Fluss ausgerichtet – eine superschöne Lage! Voller Freude machten wir uns daran den Wasserfall zu besichtigen. Dabei stellten wir fest, dass der Wasserfall, den wir vom Guesthouse aus sahen, gar nicht die eigentliche Attraktion war! Wir mussten zu Fuss noch etwa 10 Minuten flussaufwärts marschieren und dann sahen wir ihn: ein recht grosser und breiter Wasserfall, der sich in einen grossen Pool stürzte. Der Pool lud natürlich zum schwimmen ein. Schwupps, aus den Kleidern gepellt und rein ins kühle Nass! Eine weitere herrliche Abkühlung in der Hitze! Danach kletterten wir den Hang neben dem Wasserfall hoch und gingen noch ein paar Hundert Meter weiter flussaufwärts. Wir trauten unseren Augen nicht! Eine traumhaft schöne Gegend eröffnete sich uns. Der Fluss floss träge durch eine verträumte Landschaft. Er war nicht tief, aber glasklar und mit grossen, runden Steinen bestückt, die zum sonnenbaden einluden. Da waren ein kleines Dorf und Gemüsegärten, die am Flussufer angelegt waren. Kinder planschten am Flussufer, Frauen wuschen Kleider oder nahmen selbst ein Bad. Auch ein paar Männer wuschen sich. Eine totale Idylle! Und kein einziger Tourist weit und breit – herrlich! Wir genossen den Moment, badeten zusammen mit den Einheimischen und blieben den ganzen Nachmittag bis zum Sonnenuntergang. Es tat gut, wieder mal einen Ruhetag einzulegen und wenn man schon so einen schönen Platz findet, dann muss man zupacken. Wir beschlossen, den Tag sausen zu lassen und dafür morgen eine kleine Tour in der näheren Umgebung zu machen.

 

Wie besprochen brachen wir am nächsten Tag nach dem Frühstück und ohne Gepäck auf, um die Umgebung zu erforschen. Wir stachen in irgendwelche kleine Nebensträsschen ab und stiessen dabei immer wieder auf kleine Dörfer, wo wir manchmal anhielten um Kaffee zu trinken. Jedes Mal waren wir und unsere Motorräder natürlich die Tagessensation und entsprechend waren wir immer von Dorfbewohner umringt. Wir, aber auch die Einheimischen genossen offensichtlich die unerwarteten Begegnungen. Auch wenn die Kommunikation schwer war, so wurde doch viel gelacht. Mit Körpersprache und am Boden zeichnend versuchte man sich zu verständigen.

Manchmal gerieten wir auf kleinste Pfade und wir verloren uns in Reisfeldern oder wurden durch unüberwindliche Flüsse oder Schlamm gestoppt. Es war ein herrlicher Tag, um das tägliche Leben der Laoten näher zu betrachten – auf den Feldern und in den Dörfern. Einmal wurden wir auch zum übernachten in ein Privathaus eingeladen, was wir aber höflich ablehnen mussten, da wir zurück ins Guesthouse mussten. Am nächsten Morgen stand die Abfahrt bevor und die Tage gingen uns aus. Eigentlich schade, aber wir hatten leider tatsächlich keine Zeit mehr...

 

Den Tag darauf fuhren wir noch gemeinsam an die grosse Hauptstrasse runter. Dort fuhren Gorden und Lilly nordwärts, zurück nach Vientiane. Ich fuhr südwärts, weiter Richtung Kambodscha. Gordon und Lilly würden, nachdem sie das Motorrad wieder zurückgegeben hatten, den Bus nach Bangkok und von dort einen Weiteren bis nach Phnom Penh nehmen. Wir wollten uns in ca. 5 Tagen wieder treffen – wenn alles glatt verlaufen würde...

 

Ich fuhr noch am selben Tag bis zu den 4000 Inseln. Es ist die Stelle, wo der Mekong Fluss nicht mehr schiffbar war, denn dort ist der „Khong Pha Pheng“-Wasserfall – der von der Wassermenge her grösste Wasserfall ganz Asiens! Er ist lediglich ungefähr 15 Meter hoch, aber die Felsformationen sind 1 Kilometer  breit. Der ansonsten ruhig und gemächlich dahinfliessende Mekong wird an dieser Stelle durch enge Schluchten gezwängt und wird dadurch so richtig wild. Ein natürliches Hindernis für die Schifffahrt. Die Franzosen, die ja bekanntlich Laos, als eines der Länder von Indochina, im 19. und bis Mitte 20. Jahrhundert besetzt hatten, bauten dort eine Vorrichtung, um Schiffe auf eine Eisenbahn zu verladen und diese dann über Brücken und Inseln auf die andere Seite der Wasserfälle zu manövrieren. Allerdings war es zu dieser Zeit ein gigantisches Projekt und, obwohl umgesetzt, wurde es bald wieder aufgegeben. Es war schlicht zu teuer und zu aufwendig. Heute kann man noch Teile von Brücken, eine Dampflokomotive und einen kleinen Teil des Schienenstrangs besichtigen. Ein kleines Museum gibt Auskunft darüber. 

 

Ich wollte auf einer Insel übernachten. Dafür kam nur Eine in Frage: Don Khong, die grösste aller Inseln. Sie ist gross genug, dass darauf ein paar Dörfer stehen und auch ein paar Gasthäuser. Ich hatte noch 5 Tage Zeit, bis ich Gordon wieder treffen wollte und so beschloss ich, einen Tag in dieser Inselwelt zu verbringen. Ich buchte für den nächsten Tag eine Bootsfahrt durch die Inseln, die verbunden mit der Besichtigung der verbliebenen Zeitzeugen des französischen Projektes ist. Zudem gibt es noch was ganz Spezielles in diesem Teil des Mekongs. Zwischen den Inseln leben nämlich noch die seltenen und vom Aussterben bedrohte Iriwaddy-Süsswasserdelphine. Es gibt eine Stelle, wo sie sich gerne aufhalten und mit ziemlicher Garantie gesichtet werden können. Ok, ich sah welche, aber leider nur aus der Ferne.  Da die 4000 Inseln direkt an der kambodschanischen Grenze liegen,  patrouillierten Boote der Grenzpolizei und verscheuchten die laotischen Boote aus ihrem Territorium. Da die Delphine in diesem Moment sich lieber auf der anderen Seite des breiten Flusses aufhielten, sah ich lediglich dann und wann einen Rücken aus dem Wasser ragen. Es war leider nichts Besonderes. Dafür war die Bootsfahrt wirklich schön. Die Einheimischen wohnen in einfachen Holzhäusern an den Ufern der Inseln und leben vorallem vom Fischfang. So kann man vom Boot aus gut das alltägliche  Leben der Einwohner beobachten. Schliesslich findet das Leben am Fluss statt. Da spielen Kinder im Wasser, waschen Frauen die Kleider, flicken die Männer ihre Fischernetze usw. Die Tour dauerte den ganzen Tag und war wirklich schön. Es war ein toller Abschluss der Laos-Reise, denn am nächsten Tag ging es an die nahe gelegene Grenze. Ich freute mich auf Kambodscha, da ich noch nie dort war und eigentlich nur von Angkor Watt gehört hatte. DIE Touristenattraktion in Kambodscha schlechthin. Doch nebst dem... keine Ahnung.

 

Ich sollte am nächsten Tag meine ersten Eindrücke sammeln...

 

Diese könnte ihr in meinem nächsten Bericht über Kambodscha lesen. Bis dahin wünsche ich euch alles Gute und viel Spass bei allem, was ihr so treibt!

 

Liebe Grüsse aus Borneo

 

Euer Thierry

 

 

 

 

20. April 2012

 
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