6. Bericht von Thierry Wilhelm aus Indien

Heute steht mir eine kurze Etappe bevor. 12 km von Lahore an die Grenze und danach 30 km bis nach Amritsar, der ersten wichtigen Stadt in Indien. Das ist Sikh-Gebiet und ihr wichtigster Tempel, der goldene Tempel, steht in Amritsar. Eine Stadt mit wichtigem geschichtlichem Hintergrund und deshalb unbedingt einen Stopp von ein paar Tagen wert.

 

Der Grenzübergang geht überraschend locker über die Bühne. Es ist kaum jemand jemand an der Grenze und deshalb werde ich an allen Stationen sofort bedient – als hätten alle nur auf mich gewartet. Angenehm…

 

Nach ca. 45 min. habe ich bereits den ganzen Papierkram auf beiden Seiten hinter mir und ich kann losfahren. Ich rauche noch eine Zigarette und bereite mich geistig auf diesen Moment vor. Endlich in Indien! Viele Jahre habe ich davon geträumt. Ich habe viele Berichte gelesen, Fotos und Reportagen gesehen und von Freunden und Kollegen, die schon mal Indien besucht hatten, wertvolle Informationen und Tipps erhalten. Jetzt stehe also auch ich an der Schwelle zu Indien!

 

Mit klopfendem Herz starte ich den Motor und fahre los…

 

Anfangs nur eine schnurrgerade Strasse und wenig los. Wo sind den alle? Ich habe vom überfüllten Indien gehört und gelesen und hier ist es direkt einsam. Hmmm, ich fahre weiter und plötzlich, als ich mich immer mehr Amritsar nähere, verdichtet sich der Verkehr immer mehr. Als ich nun in die Vororte komme, ist die Strasse bereits voll gestopft. Kein Durchkommen mehr. Ich erhalte eine erste Lektion über das überfüllte, laut hupende und unverschämt drängelnde Chaos in indischen Städten! Es ist also wirklich so, wie ich mir das vorstellt habe. Ok, ich habe bereits Erfahrungen im Iran und vorallem in Pakistan gesammelt, nur kommt hier in Indien noch eine weitere Komponente dazu: Tiere! Die heilige Kuh ist hier tatsächlich heilig, vorallem im Verkehr. Nur, aber wirklich NUR für die Kuh wird angehalten und einen Bogen darum gefahren. Denn die Kühe laufen in Indien wirklich überall umher. Selbstverständlich auf der Strasse aber auch in den engsten Gassen oder auf Märkten. Die sind einfach überall! Sogar auf Schnellstrassen, bzw. Autobahnen laufen sie herum oder liegen bequem auf der Überholspur am Bord des Mittelstreifens angelehnt! Doch alles andere als eine Kuh wird ganz einfach aus dem Weg gehupt…

 

Noch etwas ist anders. Es fällt mir sofort auf. Noch daran gewöhnt, dass in Pakistan und Iran die Leute mich die ganze Zeit ansprechen, zuwinken oder unterwegs  anhupen- und lichthupen, geschieht hier zuerst erst mal gar nichts. Ich bin fast irritiert und beinahe enttäuscht, dass ich nicht mal wahrgenommen werde. Ich achte mich noch genauer und erst jetzt merke ich, dass die Inder zwar auch schauen, aber viel diskreter und zurückhaltender. Als ich im Stau an einem Rotlicht im Gewühl stehe, schauen die um mich stehenden anderen Motorradfahrer genau von oben bis untern an. Manchmal ein Zunicken oder ein Lächeln wenn ich ihnen in die Augen schaue. Aber definitiv kein „hello!“, „what’s your name?“ oder „what country?“. Und als ich vor dem Hotel stehe und beginne abzupacken, bleiben die Leute auch stehen. Und immer, wenn sich eine Menschentraube bildet, kommen die neugierigen Menschen und müssen herausfinden, was es denn hier zu glotzen gibt. Das beherrschen auch die Inder hervorragend: glotzen! Viele sprechen kein Englisch oder sind zu scheu, mich anzusprechen, aber glotzen, das können sie schamlos. Und nicht etwa mit Respektsanstand, sondern so nahe, dass ich manchmal kaum vom Motorrad auf- oder absteigen kann. Aber daran habe ich mich längst gewöhnt und es macht mir auch nichts aus. Es ist mir sogar recht, wenn sie mich nicht ständig anquatschen, denn es ist mit der Zeit mühsam, immer die gleichen Fragen beantworten zu müssen. Allerdings musste ich später feststellen, dass es regionale Unterschiede gibt. In Rajasthan zum Beispiel, sind sie sehr an Touristen gewöhnt und viele sprechen Englisch. Dort ist die Hemmschwelle viel niedriger. Denn auch in Touristen-verseuchten Gegenden ist ein Tourist, der auf einem ausländischen, grossen Motorrad daherkommt, immer noch eine kleine Sensation und muss entsprechend ausgecheckt werden. In diesen Gegenden werde ich entsprechend viel mehr angeredet. Aber auf dem Land, in kleineren Städten oder Dörfer, wird einfach nur geglotzt. Wenn einer Englisch kann und sich getraut, mir Fragen zu stellen, dann wird er zu einem wichtigen Informationsträger und wird entsprechend von den anderen ausgequetscht. Dabei kommt er sich natürlich sehr wichtig vor, logisch…

 

Eine Kehrseite der Medaille von Touristenhochburgen ist, dass auch viele Bettler und fliegende Händler, die irgendwelche Souvenirs verkaufen wollen, unterwegs sind und sich ihren Teil vom Kuchen ergattern wollen. Auch sind manchmal, aber nicht immer, die Leute distanzierter, kühler und unhöflicher, um nicht zu sagen arroganter. In Amritsar ist mir das sofort aufgefallen. Es wurde mir auch später überall immer wieder bestätigt: Der Inder ist hochnäsiger, arroganter und lange nicht so herzlich wie seine Brüder in Pakistan. Viele Touristen, aber auch Langzeitreisende oder Ausgewanderte bestätigen, dass die Inder ständig am abzocken, bescheissen und lügen seien. Aber Achtung: ich möchte betonen, dass lange nicht alle so sind. Ich will mir nicht die Finger verbrennen und möchte es mal so sagen: Viele Inder sind sehr geschäftstüchtig und versuchen immer einen kleinen (oder grösseren) Vorteil herauszuschinden. Man muss höllisch aufpassen und sich unbedingt vorher über die üblichen Preise informieren. Dagegen sind viele sehr herzlich, freundlich und korrekt. Es ergibt sich einfach einen Gesamteindruck und der vermittelt einem das Gefühl, dass es in Pakistan und Iran (aber auch in den arabischen Ländern davor) viel herzlicher und ehrlicher zu und her geht. Man muss sich halt darauf einstellen. Ich habe mehrfach gehört, dass man Indien entweder liebt oder hasst. Nicht wenige hätten nach wenigen Tagen oder Wochen ihren Urlaub abgebrochen und gleich wieder ausgereist. Zugegeben, Indien ist anstrengend. Es ist überbevölkert, schmutzig und vieles ist kaputt. Man findet kaum einmal ein Plätzchen, wo man ungestört sein kann. Selbst wenn ich irgendwo unterwegs bin und eine Zigarettenpause machen will, bin ich selten alleine. Obwohl ich ganz bewusst darauf achte, irgendwo anzuhalten, wo ich alleine sein kann – es gelingt nur selten! Plötzlich tauchen aus den Büschen irgendwelche Menschen oder ich werde von vorbeifahrenden entdeckt, die manchmal anhalten und umkehren um mich, bzw. das Motorrad anzuschauen. Ich denke, wenn ich einmal in den Bergen oben bin, wird es mehr Ruhe geben auf den abgelegenen Strassen und in den abgeschiedenen Täler.

 

Doch bis dahin dauert es noch eine ganze Weile. Erst fahr ich mal in den Süden, denn der Plan ist, den Winter/Frühling im Süden zu verbringen. Das ergibt sich schon aus dem Studium der Klimatabelle. Im Winter herrschen angenehme Temperaturen und das Wetter ist schön. Später wird der Monsun aufkommen und das bedeutet viel Regen. Das Wetter wird unerträglich heiss und schwül – bis um die 50 Grad im Schatten!

 

Doch zurück zur Reise. Nun bin ich also in Amritsar angekommen. Die Haupststadt der Sikhs. Die Sikhs sind die mit dem Turban. Sie schneiden sich aus religöser Überzeugung keine Haare ab und entsprechend müsse sie sie um den Kopf wickeln. Der lange Bart wird kunstvoll nach innen eingerollt oder gleich hängen gelassen. Sie sind sehr stolze Menschen, aber zuverlässig, ehrlich und arbeitsam. Eine ganze andere Klasse als Hindus, Moslems oder Christen. Ich habe sie als sehr angenehm empfunden. Sie beten keinen Gott an sondern… ein Buch! Dieses heilige Buch liegt im goldenen Tempel in Amritsar und darf besichtigt werden. In diesem Buch sind die Erkenntnisse ihrer 10 Propheten (oder Gurus) niedergeschrieben und da der letzte Guru keinen Nachfolger mehr bestimmen konnte oder wollte, haben sie heute keinen Guru mehr. Ihr Guru ist nun das heilige Buch.

 

Auszug aus Wikipedia:

 

 „Die Sikh-Religion ist eine im 15. Jahrhundert entstandene monotheistische Religion, die auf den Wanderprediger Guru Nanak zurückgeht. Die im Punjab (Nord-Indien) begründete Reformbewegung – im deutschen Sprachraum auch als Sikhismus bezeichnet – hat heute rund 23 Millionen Anhänger, wovon die Mehrzahl in Indien lebt.

 

Wesentliche Merkmale der Sikh-Religion sind die Betonung der Einheit der Schöpfung, die Abkehr von „Aberglauben“, traditionellen religiösen Riten und sozialer Hierarchisierung entlang Religion, Herkunft und Geschlecht. Es existieren jedoch verschiedene formale Vorgaben z. B. bezüglich Kleidung, Namensgebung und Auftreten. Die Sikh-Religion orientiert sich nicht an der Einhaltung religiöser Dogmen, sondern hat das Ziel, religiöse Weisheit für den Alltag nutzbar zu machen. Guru Nanak sowie seine neun nachfolgenden Gurus (religiöse Vorbilder) unterstreichen in ihren Einsichten, die schriftlich in dem Werk Guru Granth Sahib überliefert sind, ihr Verständnis, über vorhandene Religionen hinauszugehen, und distanzieren sich inhaltlich von den dominierenden religiösen Traditionen ihres Zeitalters, darunter Buddhismus, Hinduismus und Islam.

 

Praktizierende Sikhs, vor allem männliche Religionsanhänger, erkennt man an einem kunstvoll gebundenen Turban. Die Kopfbedeckung samt ungeschnittenem Haar – eine Tradition, die zu Zeiten der Gurus fortschreitend an Bedeutung gewann – drückt entsprechend dem Selbstverständnis der Sikhs Weltzugewandtheit, Nobilität und Respekt vor der Schöpfung aus. Der Turban darf zu jeder Zeit und an jedem Ort getragen werden. Viele Sikhs veranstalten ein Fest, wenn der Turban zum ersten Mal getragen wird. Einige wenige Sikh-Frauen tragen ebenfalls einen Turban, jedoch bevorzugen sie ein dünnes Stofftuch. Fast alle Sikhs tragen als Zeichen der Gemeinschaft einen Armreif.

Sikhs, die sich für die Bruderschaft Khalsa haben initiieren lassen, tragen die fünf Kakars. Diese umfassen:

 

- Kes (ungeschnittenes und gepflegtes Haar): Abgrenzung von asketischen Traditionen, Respektsbekundung für die Schöpfung, d. h. ein Sikh lehnt sich nicht gegen die Naturgesetze auf, die Gott erschuf.

 

- Kangha (Holzkamm): Er wird für die Haarpflege getragen.

 

- Kirpan (kleiner Dolch): Ursprünglich handelte es sich um einen Säbel zur Selbstverteidigung. Er symbolisiert Sinn für Selbstachtung, Gnade und Gerechtigkeit.

 

- Kara (eiserner Armreif): Der Reif wurde ursprünglich zum Schutz gegen Schwerthiebe getragen.

 

- Kachera (eine kurze Hose/Kniehose): Die Hose gilt als Zeichen von Hygiene, die zur Zeit der Entstehung des Sikhismus keinen Standard bildete, aber auch als Zeichen von Keuschheit.“

 

 

Kadha, Kangha und Kirpan

 

Ende Zitat aus Wikipedia.

 

So, nun wisst ihr etwas mehr über die interessanten Sikhs. Der Besuch des goldenen Tempel war für mich der erste Highlight in Indien. Der wunderschöne Tempel, in dem das heilige Buch tagsüber aufbewahrt und er Öffentlichkeit gezeigt wird, steht in einem grossen Wasserbassin (siehe Fotos). Über Lautsprecher wird ununterbrochen aus dem Buch rezitiert und mit sanfter Musik unterlegt. Eine feierliche und religiöse Stimmung liegt über der Anlage. Es gibt ein Nebengebäude wo jedermann gratis verpflegt wird, ein anderes wo jedermann gratis übernachten kann. Alle Arbeiten werden ausschliesslich von Freiwilligen verrichtet. Jeden Tag werden tausende von Menschen verpflegt. Man muss es einmal gesehen haben, schwer beeindruckend! Am Abend um 22 Uhr wird das Buch in einer Prozession singend und feierlich über die Brücke in ein Haus getragen. Dort wird es in ein Bett (!) gelegt und mit Decken zugedeckt. Das Zimmer wird mit zwei goldenen Türflügel abgeschlossen. Es war super schön und beeindruckend dabei sein zu können und alles aus nächster Nähe beobachten zu können.

 

Ein Sikh, der sich unwissenden Touristen annimmt, sprach mich an und führte mich überall herum und erklärte mir alles. Es zeigte mir sogar die Zonen, wo Touristen nie hinkommen – in die Untergeschosse und Nebengebäude, wo die Lebensmittel aufbewahrt werden, das Essen zubereitet wird und die tausenden von Geschirr abgewaschen werden. Total interessant! Am Ende fragte ich ihn, wie viel er nun von mir als Lohn erwarte. Seine Antwort war: „Nichts. Ich bin glücklich einen neuen Menschen kennengelernt zu haben und ihm die Sikh-Religion etwas näher gebracht zu haben“. Wow, ich war beeindruckt…

 

Nachdem ich den ganzen Nachmittag im Tempel verbracht hatte, ging ich erst mal wieder raus in den Altstadtrummel und lies die Eindrücke noch etwas nachwirken. Am Abend um 21 Uhr ging ich nochmals hin und verfolgte die Prozession, in der das Buch zu Bett getragen wird.

 

Am nächsten Tag besuchte ich weitere Sehenswürdigkeiten, wie der kleinere Bruder des Goldenen Tempels. Der ist zwar wesentlich kleiner, schlechter unterhalten und lange nicht so besucht wie sein berühmter Bruder, aber ebenfalls golden, in einem grossen Bassin stehend und für mich auch sehr schön zu anzuschauen. Desweiteren gibt es grosse, alte Stadtmauer inkl. Tore und Parks zu besichtigen. Ein Highlight war für mich den Bummel durch die Altstadt. Diese besteht aus unzähligen, engen Gassen in denen das Leben nur so pulsiert. Die Läden sind meistens zur Gasse offen oder gleich auf den Gehsteig hinaus ausgelegt. Man sieht in viele Häuser rein und kommt sich in der Zeit um Jahrhunderte zurückversetzt. Total spannend, farbenfroh und geschmacksintensiv. Aber auch total verstopft, da viele Menschen unterwegs sind und die unsäglichen Motorräder, Motor- und Velorikshaws und Kühe alles blockieren. Doch die Menschen sind so was von geduldig und nie sah ich irgendjemand fluchen, ausrufen oder sonst wie aggressiv werden. Irgendwie und irgendwann löst sich der Rückstau schon, also schön ruhig bleiben. Bei der Masse von Menschen muss man das auch, denn uns Europäer geht das Gedränge irgendwann auf den Geist. Also anpassen und in Geduld üben lernen…

 

Am zweiten Tag fuhr ich  am Nachmittag zurück an die 30 km entfernte Grenze zu Pakistan. Dort spielt sich jeden Tag zwei Mal eine unglaubliche Zeremonie ab. Früh am Morgen und nachmittags um 17:30 Uhr wird jeweils die Fahne gehisst und wieder runtergeholt. Dies geschieht vor tausenden von Zuschauern, die von einem Animator angeheizt werden. Ganze Schulklassen kommen, aber auch elegante, reiche Frauen in ihren prächtigsten Saris. Es geht zu wie an einem Fussballspiel! Die Soldaten, in ihren prächtigsten Uniformen, zeigen zackige Stechschritte und „high kicks“ bis auf Kopfhöhe! Ein unglaubliches Imponiergehabe auf beiden Seiten. Der Höhepunkt ist dann das Einholen der jeweiligen Fahne. Dabei achten beide Seiten, ja nicht niedriger zu hängen als die gegnerische Fahne. Nach einer halben Stunde ist dann der Spuk vorbei und die Menschen ziehen in einem riesigen Strom wieder Richtung Amritsar. Kommt man in diese Gegend, dann darf man sich dieses Schauspiel nicht entgehen lassen…

 

Nach 3 Tagen Amritsar fahr ich weiter nach Delhi. Eine relativ gerade, 4-spurige und gute Strasse überrascht mich positiv. Es sind ca. 450 km bis Delhi. Ich versuche, es in einem Tag zu schaffen, doch es sollten lediglich 350 km werden. Ich hätte es schaffen können, dazu hätte ich aber zwei Stunden früher starten sollen…

Obwohl je 2 Spuren die meistens mit Grünstreifen oder mindestens einer Mauer voneinander getrennt sind, herrschen chaotische Zustände. Es ist zum Teil unbegreiflich, was sich da alles abspielt. Zumindest für einen Europäer. Gefahren wird überall, wo’s Platz hat. Überholt wird demnach rechts wie links. Entsprechend bin auch ich am Slalom fahren, was ich noch lustig finde. Weniger lustig ist, wenn dann plötzlich Fahrzeuge als Geisterfahrer auf deiner Überholspur entgegenkommen. Das passiert des öfteren und deshalb muss ich höllisch aufpassen, ob der Lastwagen da vorne in meine Richtung fährt oder auf Frontkollisionskurs ist! Die Inder missbrauchen nämlich die Gegenfahrbahn, wenn auf ihrer Seite ein Stau steht oder die Fahrbahn zu schlecht ist. Unglaublich! Oft passiert auch, dass einer auf die Seite wechselt, weil sein Ziel auf anderen Seite liegt. Anstatt bis zur nächsten Wendemöglichkeit zu fahren, wechseln sie die Seite, indem sie über den Grünsstreifen abkürzen. Sie schalten (manchmal) einfach die Scheinwerfer ein und fahren einem entgegen. Höllisch gefährlich, aber viel gesehen! Dazu kommen die vielen Rikshaws, Motorräder, Fahrräder und Kühe, die alle so ungefähr alles machen, was ihnen in den Sinn kommt. Man lernt schnell, dass getrennte Fahrbahnen noch lange nicht heisst, dass man nicht mit entgegenkommenden Verkehr rechnen muss. Dann gibt es natürlich die „Rennfahrer“, die meinen, sie können sich noch mehr herausnehmen als andere. Die blochen mit hohem Tempo und wenn jemand im Weg ist, wird gnadenlos bis auf ein paar Zentimeter hinter das Fahrzeug aufgefahren und gehupt und gedrängelt, bis sich dieser verzieht. Und wenn man seine Spur trotzdem hält, wird einfach halsbrecherisch links überholt (beim Rechtsverkehr die verbotene Seite). Ich habe mir zum Zeitvertreib erlaubt, mit einigen Autos ein kleines Privatrennen zu machen. Die PW-und LKW-Fahrer nehmen die Motorräder überhaupt nicht ernst und werden eher als lästige Platzverbraucher angesehen. Aber ich kann da locker mit den Autos mithalten und die Lastwagen habe ich sowieso im Sack. Da ich also gleichschnell fahren kann aber wendiger bin und zwischen den Fahrzeugen weniger Platz brauche, amüsiere ich mich damit, die „Drängelis“ nicht vorbeizulassen sondern zu beschleunigen und sie mit Überholmanövern zwischen den Fahrzeugen abzuhängen. Manchmal staune ich nicht schlecht, wie schnell sich diese Raser doch wieder hinter mir erscheinen und weiter drängeln. Keine Angst, ich mache das nur im Rahmen von kalkuliertem Risiko. Wenn es zu schnell wird oder zu chaotisch, lasse ich wieder Vernunft walten. Es ist zum Glück eine Minderheit. Meistens fahren sie grosse, teuren Offroader. Es sind also reiche Leute, die sowieso meinen, sie dürfen alles und es geschieht ihnen nichts. Voll arrogant, diese Sorte Menschen und die mag ich eh nicht…

 

Da auf dieser Strecke gerade in jedem Dorf oder Städtchen sogenannte „Flyovers“ (Überführungen) gebaut werden, gibt es immer wieder Engpässe an den Baustellen und sofort staut sich der Verkehr. Das macht ein zügiges Vorankommen unmöglich. Immer wieder ein paar Kilometer Vollgas und sofort wieder runter bis auf Null. Sehr anstrengend und mühsam. Als es Abend wird, suche ich mir ein Motel an der Strasse. Morgen ist auch noch ein Tag, aber nachts fahre ich ganz sicher nicht. Das dürfte eine Selbstmord-Mission sein und ich will es schon gar nicht versuchen.

 

Am nächsten Tag erreiche ich schnell Delhi. Es waren ja nur noch 100 km zu fahren. Ich habe einen Waypoint eines Hotels in Delhi im GPS programmiert und fahre auf möglichst direkter Linie zum GPS-Punkt. Dadurch gerate ich nach Old-Delhi und verkeile mich hoffnungslos in den engen Gassen der Altstadt. Ein überaus buntes Treiben und viele Blicke starren neugierig auf die BMW. Aber anreden tun mich die Leute praktisch nicht. Das ist ein grosser Unterschied zu Pakistan, Iran und alle anderen arabischen Ländern. Hier in Indien wird einfach geglotzt. Und so glotze ich halt zurück und mache im Stau stehend erste Fotos von Delhi. Nach 2 Stunden Verkehrsgewühl, erreiche ich endlich mein schon vorher auserkorenes Hotel. Es liegt am Rande von Old-Delhi beim Grand Bazar. Auch hier wuselt es emsig in den engen Gassen. Wieder das Mittelalter-Gefühl. Es gefällt mir und ich streife durch die Gegend, mache Fotos und Videos, versuche kleine Köstlichkeiten und rede mit den Leuten. Es ist wunderbar…

 

Tagsdarauf besuche ich das berühmte Rote Fort, die Handwerksviertel- und Bazare von Old-Delhi und die grösste Moschee Indiens, die Jama Masjid. Der Innenhof bietet 25'000 Menschen Platz! Ein wunderschönes Werk. Man darf gegen ein kleines Entgelt eines der Minarette besteigen und von dort aus bietet sich ein atemberaubender  Ausblick über Old-Delhi und weit darüber hinaus. Herrlich…! Allerdings sieht man auch die Drecksluft, die Delhi hat. Der Smog ist beissend. Man spürt es in den Augen und in der Nase. Seit Amritsar, das ebenfalls starken Smog hat, ärgert mich eine ständig verstopfte Nase. Kein Wunder bei diesem unglaublichen Verkehr. Ich würde mal sagen, dass alle grösseren indischen Städten nahe am Verkehrskollaps stehen. In jeder Stadt, in der ich bisher war, sah das Bild mehr oder weniger gleich aus: ein unübersichtliches Riesenchaos, das sich irgendwie wuselnd, drängelnd und vorallem hupend vorwärts schiebt. Reine Nerven- und Geduldsache, da einigermassen unbeschadet durch- und wieder rauszukommen…

 

Delhi hat ja so viele Sehenswürdigkeiten und die alle hier zu beschreiben, würde den Rahmen definitiv sprengen. Ich möchte daher auf die Fotos hier und auf meiner eigenen Webseite verweisen. Fotos sagen eh mehr als Worte.

 

Nachdem ich die meisten der vielen Sehenswürdigkeiten von Delhi besichtigt hatte, verliess ich nach 3 Tagen die Stadt und fuhr in einem Tag in das ca. 250 km entfernte Agra. Dort erwartet mich das atemberaubende Taj-Mahal. Von meinem auerkorenem Hotel aus, kann ich es bereits deutlich von der Dachterrasse aus sehen. Es sind lediglich 10 Min. zu Fuss und schon stehe ich am Eingang zu diesem Prachtsbauwerk. Mein Herz klopft als ich durch das riesige Eingangtor gehe. Endlich! Auch der Taj-Mahal war ein Traum, den ich einmal in meinem Leben erfüllen wollte – und nun stehe ich davor! Der Anblick ist wirklich atemberaubend, ein in seiner Symmetrie perfekter Bau. Von allen vier Seiten sieht er genau gleich aus. Vom Eingang her gesehen, steht auf der linken Seite eine Mosche. Um die Symmetrie zu erhalten, wurde auf der rechten Seite ein genau gleiches Gebäude in denselben Dimensionen erstellt. Dieses diente als Gästehaus.

 

Hier wiederum ein Auszug aus Wikipedia:

 

„Das Taj Mahal („Krone des Ortes“ bzw. „Kronen-Palast“) ist ein 58 m hohes und 56 m breites Mausoleum (Grabmoschee), das auf einer 100 m × 100 m großen Marmorplattform errichtet wurde. Desweiteren wurde vor ihm ein 18 Hektar großer Garten angelegt, in dessen Zentrum sich ein längliches Wasserbecken befindet. Der Großmogul Shah Jahan ließ ihn zum Gedenken an seine im Jahre 1631 verstorbene Hauptfrau Mumtaz Mahal (Arjumand Bano Begum) erbauen.

 

Der Bau des Taj Mahal wurde kurz nach dem Tode Mumtaz Mahals im Jahr 1631 begonnen und bis 1648 fertig gestellt. Beteiligt waren über 20.000 Handwerker aus ganz Süd- und Zentralasien und verschiedene Architekten, unter anderem Ahmad Lahori und der aus Badakhshan (heute Afghanistan) stammende Perser Abu Fazel. Die persische Architektur geht auf ihn zurück; gekonnt verschmolz er sie mit indischen Elementen zu einem harmonischen Meisterwerk der indo-islamischen Baukunst.“

 

Wer noch mehr über dieses fantastische Gebäude wissen möchte, hier der link:

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Taj_Mahal

 

Nachdem ich den Hauptgrund meines Besuches in Agra gesehen hatte, hielt mich nicht mehr viel in dieser ebenfalls chaotischen und lärmigen Stadt. Es gäbe noch das Rote Fort zu sehen, aber ich sah bereits seinen Bruder in Delhi und somit beschloss ich, nun das nahe gelegene Rajasthan zu besuchen.

 

In nur einem Tag fuhr ich gemütlich auf einer ausgezeichneten vierspurigen Strasse von Agra nach Jaipur. Erstmals war auch der Verkehr absolut erträglich und so kam ich gut voran und konnte noch vor Sonnenuntergang ein Hotel suchen und einchecken.

 

Die Stadt wurde am 17. November 1727 von Maharaja Jai Singh II. (1686–1743) als neue Hauptstadt des Fürstenstaates Jaipur gegründet und gehört damit zu Rajasthans jüngeren Städten. Jaipur wird Pink City (die „rosarote Stadt“) genannt. Die Bezeichnung bezieht sich auf die rosarote Farbe der Gebäude im Altstadtviertel. Den Anstrich erhielt sie 1853 in Vorbereitung auf den Besuch von Prinz Albert von England (1819–1861), dem Ehemann der britischen Königin Victoria (1819–1901). Rosarot ist Rajasthans traditionelle Farbe der Gastlichkeit.

 

Jaipur’s Altastadt ist zu grossen Teilen noch intakt und bietet wunderschöne Prunkbauten des jeweils herrschenden Maharjas, unter anderem einen beeindruckenden  Stadtpalast. Aussergewöhnlich und interessant ist ein astronomischer Park. Die mit gelblichem Gips überzogenen Dreiecke, Kreise und Säulen aus Ziegelstein, die das Observatorium „Jantar Mantar“ des Hobbyastronomen Jai Singh II. (der amtierende Maharaja notabene!) bilden, stehen im südlichen Hof des Palastkomplexes. Zwischen 1728 und 1734 wurden insgesamt 18 Instrumente errichtet. Obwohl der Herrscher durch Forschungsarbeiten ausländischer Astronomen und den Rat seiner Lehrer, darunter auch seine Mutter, beeinflusst wurde, hat er etliche dieser Messinstrumente selbst entworfen. Mit ihnen lassen sich die Position und Bewegung von Sternen und Planeten bestimmen, die Zeit ablesen und sogar Voraussagen über die Intensität des Monsuns treffen. Diese populärwissenschaftliche Anlage ist seit 2010 Unesco Welkulturerbe.

Das berühmteste Wahrzeichen von Jaipur ist der sich nach oben verjüngende Hawa Mahal, der „Palast der Winde“, erbaut 1799. Er ist ein Teil des Stadtpalastes.

 

 

Diese auffällige Konstruktion diente den zahlreichen Damen des Hofes, die sich nicht unter das einfache Volk begeben durften, als Beobachtungsposten vor allem bei den beliebten Prozessionen. So sah, hörte und roch man alles von der Straße, konnte aber aufgrund der abdunkelnden Bauweise von außen nicht bemerkt werden. Ihren Namen erhielt die Schaufassade wegen der raffinierten Luftzirkulation, die stets eine frische Brise durch die Räume ziehen ließ.

Für die Öffentlichkeit zugänglich ist der im Jahre 1890 gebaute prächtige Stadtpalast als „Sawai Man Singh Museum“ und steht von hohen Mauern umschlossen zwischen schönen Gärten und stolzen Höfen mitten im Stadtzentrum.

 

Nur 12 km entfernt steht das äusserst beeindruckende Fort Amber, ein festungsartiger, riesiger und fantastisch erhaltener ehemaliger Königspalast, bevor Jaipur zur Residenzstadt wurde. Stundenlang kann man durch Gänge und Räume schlendern und wundert sich über die verwinkelten und versteckten Treppen, Höfe und Zimmer. Man kann sich heute – auch durch liebevolle Renovation – bestens vorstellen, wie der Königshof damals lebte. Als besonders sehenswert gilt im der Spiegelsaal. Das Innere dieses Spiegelsaales ist mit einer Vielzahl von kleinen Spiegeln dekoriert, in denen sich das Licht tausende Male bricht und damit eine märchenhafte Atmosphäre schafft. Die Außenfassade des Palastes ist aus weißem Marmor und rotem Sandstein gestaltet. Sieht super aus…

 

Etwas oberhalb von Amber Fort steht das Jaigarh Fort, das einerseits das ganze Tal herrlich überblickt und anderseits einen tollen Blick auf das Amber Fort von oben gewährt. Erst von hier sieht man das wahre Ausmass von Amber Fort.

Jaigarh Fort war auch die wichtigste Produktionsstätte von Kanonen. Hier wurde die weltgrösste Kanone auf Räder gegossen – die Jaivan-Kanone - und kann hier bestaunt werden. Ein Riesenmonstrum, dass allerdings zum Glück nie zum Einsatz kam, galt damals als militärisches Wunderwerk. Lediglich ein einziger Probeschuss soll damals abgegeben worden sein. Die Kanone wiegt 50 Tonnen. Für einen einzigen Schuss benötigte man 100 kg Schiesspulver und ein 50 kg schwere Kugel! Ich nehme mal an, dass dies mitunter ein Grund war, weshalb sie nie benutzt wurde.

 

Wenige Kilometer südwärts steht ein weiters Fort – das Nahargarh Fort. Es steht an der Kante des Berges und überblickt spektakulär die Stadt Jaipur. Es ist das älteste Fort der drei beschriebenen Forts und diente in erster Linie dem Schutz Jaipurs. Ein Ausflug zur Sonnenuntergangszeit beschert einem einen fantastischen Sonnenuntergang über der rosaroten Stadt…

 

Nach Jaipur fuhr ich weiter nach Pushkar. Pushkar ist ein kleines Städtchen an einem heiligen See. Es war und ist heute noch immer ein sehr religöser Ort. Viele Tempel stehen um den See, aber auch in der Umgebung. Heute sagt man salopp, ein Hippie- und Aussteigerkaff. Entsprechend sieht man viele schräge Typen mit langen, verfilzten Haaren und dem typischen Kifferblick. Aber man kann sich der meditativen und religiösen Atmosphäre kaum entziehen. Es ist wunderbar entspannt im kleinen Städtchen und man kann dank den vielen Restaurants ausgezeichnet essen. Die Backpackers haben die Müsli-Kultur auch hierher gebracht. Entsprechend geniesse ich wieder mal super gute Müslis zum Frühstück!

 

Pushkar beherbergt einen wichtigen Hindu-Tempel, der unzählige indische Touristen anzieht. Entsprechend bunt und gemischt ist das Treiben auf der Strasse. Die indischen Touristen sind den westlichen haushoch überlegen, was für mich sehr viel spannender und schöner ist. Durch die vielen Besucher haben sich auch entsprechend zahlreiche Souvenirläden und –verkäufer ausgebreitet. Die Hauptgasse ist beinahe ein Aneinanderreihen von Souvenirläden. Da aber Pushkar sehr klein ist, hält sich das Ganze sehr im Rahmen. Mir gefällt’s hier und ich bleibe noch einen Tag länger.

 

Ich streife 2 Tage durch die Gassen und geniesse die Atmosphäre, als ich zwei schöne Begegnungen erlebe. Am Morgen sprechen mich 4 Zigeunerinnen an, die selbstverständlich um Almosen betteln, aber sehr witzig, farbenfroh und exotisch (für mich)-schön sind. Auch sprechen zwei von ihnen ein passables Englisch, so dass wir uns unterhalten können. Ich lade sie alle zu einer Tasse Tee ein und wir setzen uns in eine Strassen-Teestube. Sie erzählen mir von ihrem Leben, ich von meiner Reise. Eine malt mir ein schönes Henna-Tattoo auf die Hand. Wir lachen und geniessen die gegenseitige Faszination...

 

Nachmittags begegne ich einer Musikergruppe, die auf einem Mäuerchen eine Rast macht. 2 ältere Männer und zwei junge Mädchen, 13 und 15 Jahre alt. Der eine Mann ist der Vater der 15-jährigen, die 13-jährige ist eine Cousine und der andere ältere Herr ist ein Freund des Vaters. Selbstverständlich reden sich mich an. Ich denke erst: oh nein, nicht schon wieder Bettler. Aber die vier scheinen sehr lustig und freundlich zu sein. Die 13-jährige redet ein überraschend gutes Englisch, auch die 15-jährige macht sich gut. „Alles von Touristen gelernt“, sagen sie. Zur Schule sind sie noch nie gegangen... Es sind arme Leute, doch betteln sie nicht einfach so, sie spielen traditionelle Musik aus Rajasthan. Die Mädchen singen, die Männer spielen ein traditionelles, äusserst einfach konstruiertes Seiteninstrument und singen ebenfalls. Sie spielen mir ein Lied vor, das mir sogar gut gefällt. Ich gebe ihnen gerne etwas, denn sie sind mir sympathisch. Unaufdringlich, lustig und sehr freundlich. Sie fordern mich auf, mich zu ihnen zu setzen und ein wenig zu plaudern. Ich mache es gerne. Sie zeigen mir eine CD- und eine DVD, die von ihnen sei. Ein Franzose habe es ihnen letztes Jahr ermöglicht. Er habe alles aufgezeichnet und dann zu Hause in Frankreich ein Stapel CD’s und DVD’s gebrannt und ihnen zurückgeschickt. Die verkaufen sie nun, was ihnen einen schönen Zustupf einbringe. Ich kaufe ebenfalls. Die 4 Franken sind gut investiert. Mir gefällt ihre Musik und ihnen hilft das Geld, wieder ein paar Tage Essen kaufen zu können. Ein älterer, hippiehafter Franzose kam vorbei

 

Nachdem ich anderhalb Stunden mit ihnen auf dem Mäuerchen sass, luden sie mich plötzlich zu ihnen nach Hause ein. Sie leben ausserhalb des Dorfes in einer Zeltstadt. Das tönt spannend und ich war gespannt darauf.

Es stellte ich heraus, dass sie in einer grösseren Gemeinschaft armer Leute wohnten. Alle in schäbigen, zerrissenen Zelten, wobei Zelt ein zu grossen Wort ist. Es sind eher Decken oder Plastik, dass sie mit Hilfe von Holzstöcken in Zeltform brachten. Armselig und herzzerreissend. Ganz stolz brachten sie mich, einen Weissen, zu sich in die Mitte. Die Leute starrten mich ungläubig an, waren aber sehr freundlich und lächelten mir zu. Die wenigsten können Englisch. Die Mädchen offerierten mir einen Tee und spielten Dolmetscher. Das Zelt des Vaters war total zerschlissen. Er klagte über die Kälte in der Nacht und deswegen kaum durchschlafen könne. Sie tun mir unendlich leid. Sie sind so freundlich und lieb, haben aber im Leben keine Chance, voranzukommen und etwas aufzubauen. Sie leben buchstäblich von der Hand in den Mund. Trotzdem ist es ein wunderschönes Erlebnis, mit diesen armen Menschen gemeinsam da zu sitzen, Tee zu trinken und zu plaudern. Bevor sie mich zurück ins Dorf begleiten (!), verspreche ich dem Vater, ihm ein neues Zelt, bzw. eine neue Stoffplane zu kaufen. Er sagte, dass eine Plane ca. 3'000 Ruppies kosten würde, was ca. Fr. 60.00 sind. Dies ist eine Summe, für die sie monatelang singen müssen, bis sie das Geld beiseite gelegt haben. Nur zu gerne willige ich ein, diesen wirklich netten Menschen zu helfen. Ich habe sie bereits in mein Herz geschlossen...

 

Wir verabreden uns für den nächsten Morgen, denn ich habe nicht so viel Geld bei mir. Ich wollte sowieso am nächsten Morgen weiterreisen und sie wollten mich verabschieden. So trafen wir uns vor meinem Hotel. Ich gab dem Vater das Geld und den Mädchen die CD und DVD zurück. Ich hatte sie auf meinen Laptop kopiert und somit konnten sie sie ein zweites Mal verkaufen. Sie dankten mir dafür überschwänglich. Nach einer herzlichen Verabschiedung fuhr ich weiter nach Jodphur. Ich verliess Pushkar mit einem guten Gefühl in mir. Das Dorf, der See, die Atmosphäre, aber vorallem der Nachmittag/Abend mit diesen armen Menschen haben mir super gefallen und auch viel gebracht. Was gibt es Schöneres, als jemanden glücklich zu machen und glücklich zu sehen. Nie werde ich die glücklichen Augen des Vaters vergessen, als ich ihm das Geld für ein neues Zelt gab. In ihrem Glauben habe ich mit dieser Handlung viel gutes Karma erhalten und somit viele Bonuspunkte für mein nächstes Leben. Gut so, man kann ja nie wissen...!

 

Die nächste Stadt, die ich besuchte, war Jodhpur – „die blaue Stadt“. Nach der rosaroten nun also die blaue Stadt. Ähnlich wie Jaipur hat auch Jodhpur eine superschöne, mittelalterlich anmutende Altstadt mit vielen verwinkelten Gassen. Über der Stadt thront auf einem Hügel der majestätischer Palast des Maharajas. Auch dieser Palast ist wunderschön und super interessant zum besichtigen. Ein halber Tag geht locker drauf, um all die Räume, Gänge und Plätze zu sehen. Ausserdem hat man einen spektakulären Ausblick über Jopdhpur. Ich wohne in  einem alten „Haveli“, ein historisches Haus eines reichen Kaufmannes aus dem 17 Jahrhundert. Es liegt in der Altstadt undgleich am Fuss des Palasthügels. Ich kann also locker zu Fuss zum Palast hochsteigen und auch in der Altstadt herumstreifen. Es ist in all diesen Altstädten gleich: man fühlt sich unweigerlich ins Spätmittelalter zurückversetzt. Als hätte sich hier jahrhunderte lang nichts verändert: Lehmhäuser, enge, verwinkelte Gassen, Kühe, die sich überall herumtummeln, einfachste Läden, Handwerksstuben, Menschen, die aussehen, als lebten sie noch immer in dieser Zeit in ihren traditionellen Kleider. Eine super Atmosphäre, die einem unsere klischeehafte Vorstellung von Indien bestätigt. Nicht umsonst heisst es, dass der Bundesstaat Rajasthan am ehesten die Klischees von Indien vermitteln. Es ist tatsächlich so, denn die Maharjas haben durch ihre geschickte Diplomatie und ihren Stolz, viele Städte vor Zerstörung bewahrt. Dadurch sind uns wunderbare Zeitzeugen erhalten geblieben.

 

Jodphur und Jaipur sind wichtige Produktions- und Handelszentren für Edelsteine, Schmuck und Textilverarbeitung. Entsprechend sieht man überdurchschnittlich viele Handwerker und Läden. Und tatsächlich: die angebotene Ware ist durchwegs wunderschön. Man könnte ein Vermögen liegen lassen. Ein Augenschmaus und Portemonnaie-Falle. Man muss sich ganz schön zusammenreissen um nicht all diesen verlockenden Angeboten zu erliegen, zumal die Preise für unsereins mehr als erträglich sind. Zum Glück reise ich per Motorrad und habe deshalb keinen Platz um viel einzukaufen. Aber sollte ich einmal ein Haus schön dekorieren wollen, weiss ich wo ich einkaufen werde...!

 

Die Fahrt zu meiner nächsten Destination – Udaipur – erweist sich als den schönsten Abschnitt meiner bisherigen Indienreise. Endlich gibt’s ein paar Kurven und es geht wieder mal bergauf und –ab. Auch wird’s endlich wieder mal grün. Rajasthan liegt nämlich in einer Wüste, bzw. Steppe. Es ist mehrheitlich flach und öd. Obwohl einer der am meisten besuchten Bundestaaten, so liegt sein Reiz ausschliesslich in den interessanten Städten, bzw. Altstädten mit ihren Palästen. In Rajasthan widerspiegelt sich nämlich unser klischeehaftes Bild von Indien am ehesten. Doch nun, im Süden Rajasthan, beginnen sich Berge zu erheben und dichte Wälder zu wachsen. Ich geniesse die Fahrt in reiner Berg- und Waldluft. Endlich kein ständiges Gehupe und kein Gestank mehr! Unterwegs halte ich auf einer Bergstrasse, mitten im Wald, an und mache Pause. Da taucht eine ganze Affensippe auf und erhofft sich von mir Futter. Die Affen sind ja so dreist, dass sie doch glatt mein Motorrad entern und versuchen das Gepäck zu öffnen. Stinkfrech, aber so was von putzig!

 

Nach tollen 300 km komme ich in Udaipur an. Auch hier gilt es einen wundeschönen Stadtpalast zu erkunden, der am Wahrzeichen Udaipurs liegt – der Pichola See. Mehrere Paläste und Tempel liegen an diesem See. Ein Palast ist auf einer kleinen Insel gebaut und dient heute als Luxushotel der Topklasse. Das Hotel lassen wir aus... Doch der Palast hat es in sich. Super erhalten und renoviert. Stundenlang streife ich durch die vielen Räume und Gänge. Das eingebettete Museum ist total interessant und gewährt auf eindrückliche Art und Weise, einen Einblick in das Leben der Herrscherfamilie von dazumal. Auch hier wieder in Udaipur, kann man herrlich durch die Altstadt schlendern und sich von den vielen Farben und Düften betören lassen.

 

Doch nun, nach so vielen Palästen, Forts und Altstädte habe ich langsam genug von Sightseeing. Ich beschliesse Jaisalmer, eine weitere viel besuchte Wüstenstadt, auszulassen und erspare mir dadurch einen 800 km Umweg. Ok, wäre sicher lohnenswert gewesen, aber schlussendlich wieder ein Palast und eine schöne Altstadt mit ehemaligen Kaufmannshäuser. Genug gesehen. Es zieht mich nun südlich und zwar nach Bombay (Mumbai) und weiter nach Goa. Ich will unbedingt für Silvester in Goa sein und am Strand abfeiern. Es bleiben mir 10 Woche um Goa zu erreichen und es sind immer noch beinahe 2'000 km bis dorthin. Ausserdem will ich ja noch ein wenig Bombay anschauen...

 

Die Fahrt nach Bombay ist wieder mal langweilig. Langweilig was die Landschaft betrifft, aber nicht was der Verkehr betrifft. Da ich der Küste nach runter fahre, bewege ich mich auf der Hauptstrasse, um vorwärts zu kommen. Aber der Verkehr wird, wie näher ich nach Bombay komme, immer verrückter und dichter. Immer wieder Unfälle und Baustellen, die sofort Verkehrsstaus verursachen. Und da die Inder in Sachen Verkehr überhaupt keine Geduld haben, wird zeitweise einfach auf die Gegenfahrtbahn gewechselt, mit dem Resultat, dass manchmal gleich alle vier Spuren total verstopft und blockiert sind. Denn immer wenn ein Dorf und kleine Stadt zu passieren ist, kommt noch Querverkehr ins Spiel und damit ist das Chaos absolut perfekt. Keine Ampeln regeln den Verkehr, sondern lediglich hoffnungslos überforderte Polizisten. Es ist zum wahnsinning werden. Zudem wird’s immer heisser und ich, in voller Motorradausrüstung eingepackt, schwitze mich halb zu Tode. Immer wieder stehe ich an der prallen Sonne mit lockeren 40 bis 45 Grad im Stau und kann mich kein bisschen mehr bewegen, da alle Lücken von zig Motorradfahrer, PKW- und Lastwagen total verstellt sind. Keine Chance mehr. Als ich die Chance sehe, auf die Gegenfahrbahn zu wechseln und erst noch durch Lastwagenfahrer dazu ermuntert werde, versuche ich mich mal als Geisterfahrer! Es ist mir schon mulmig und erwarte, ständig angehupt und verscheucht zu werden. Ich fahre langsam am Strassenrand und stelle überrascht fest, dass es niemanden nicht im geringsten stört. Völlig normal! Andere Motorradfahrer machen es gleich und bewege mich im Windschatten anderer Bikes. Irgenwann kommt wieder eine Zahlstelle oder ein Dorf und ich muss mich wieder im Gewühl einordnen. Ich brauche 3 Tage um Bombay zu erreichen. Die letzten 250 km vor Bombay sind gelinde gesagt die Hölle. Der Verkehr ist kaum auszuhalten, die Hitze macht mich fertig und der Gestank nimmt immer mehr zu. Ich sehne mir eine nettes Hotel und eine kalte Dusche herbei. Alleine die Fahrt durch Bombay dauert 3 Stunden bis ich endlich an der Südspitze ankomme, wo die touristisch interessanten Gebäude stehen.

 

Zu meinem Entsetzen sind alle Hotels in vernünftiger Preisklasse ausgebucht und ich steigere die Hotelklasse sukzessive. Irgendwann ist es mir nur noch egal, wie viel ich bezahlen muss. Einfach nur ankommen, abpacken und duschen! Es ist schon dunkel, als ich doch noch ein einfaches Zimmerchen für Fr. 40.00 bekomme. Für so ein Zimmer hätte ich anderswo höchstens Fr. 10.00 bezahlen müssen. Ok, ich wusste, dass Bombay ein teueres Pflaster ist und finde mich deshalb damit ab. Völlig abgekämpft und total verschwitzt stehe ich an der Rezeption, als von hinten plötzlich jemand meinen Namen ruft. Ich drehe mich um und traue meinen Augen nicht! Mein Freund Stephan Schwarz und seine Freundin Nadia stehen vor mir und grinsen mich an! Sie sind auch auf langer Reise und kamen eben erst in Indien an. Wir wollten uns eigentlich erst zu Silvester in Goa treffen. Sie sind vor 3 Tagen in Indien, bzw. Bombay gelandet und wollten am nächsten Tag weiter südwärts reisen. Wir wussten nichts voneinander und der Zufall wollte, dass ich im selben Hotel abstieg wie sie. Das ist wirklich ein unglaublicher Zufall, denn es wimmelt in Bombay von Hotels und ich fragte vorher bestimmt in 10 verschiedenen Hotels nach einem Zimmer. Das war natürlich super und wir verbrachten zusammen mit einem indischen Paar, dass sie am Flughafen kennengelernt hatten, einen entsprechend tollen Abend. Sie reisten am nächsten Morgen weiter und ich übernahm ihr schönes Zimmer, damit ich aus dem Loch herauskam....

 

Die nächsten 2 Tage streunte ich in Bombay herum und schaute mir die markantesten Sehenswürdigkeiten wie das „Indien Gate“, das weltberühmte  „Taj Mahal“-Hotel (wo vor 2 Jahren ein Bombenanschlag verübt wurde) oder der Viktoria Terminal, welcher als einer der schönsten Bahnhöfe der Welt gilt und unter Unesco Weltkulturerbe steht. Es gibt noch einige schöne viktorianische Gebäude aus der Engländer-Epoche zu bewundern, doch das meiste ist leider im Laufe der Zeit geschleift worden. Die grosse Bucht ist für mich eher eine Enttäuschung. Eine breite, 6-spurige Strasse für der Bucht entlang und es gibt nicht ein einziges Restaurant oder Strassencafé, das zum verweilen einlädt....

Nach 3 Tagen Bombay habe ich bereits genug von Lärm, Smog und Verkehrschaos. Es zieht mich immer mehr nach Goa und schönen Stränden mit viel Ruhe. Es sind bloss noch 600 km von Bombay nach Arambol, wo mich zwei vermittelte Facebook-Freunde erwarten. Sie mieten ganzjährig ein Haus mit 5 Zimmer und vermieten deren drei. Eines ist schon lange für mich reserviert....

 

In zwei Tagen bewältige ich die Strecke, die immer schöner wurde, wie südlicher ich kam. Endlich wird es wirklich grün und bleibt grün. Immer mehr Palmen zieren die Landschaft. Es wird tropisch. Der Verkehr wird auch erträglicher, wie weiter ich mich von Bombay entferne. Allerdings bleibt er gefährlich, denn die Inder beharren auch hier auf ihren lebensgefährlichen Fahrstil. Also immer schön wachsam bleiben!

Am 26. Dezember treffe ich in Arambol ein. Arambol liegt an der Nordgrenze von Goa und ist eines der letzten Hippiebastionen von Goa. Ich lerne Ingo und Wolf aus Villachern (Kärnten), Österreich, endlich persönlich kennen, nachdem wir monatelang im Facebook kommuniziert hatten. Beide sind supersympathisch und wir verstehen uns auf Anhieb bestens. Mein Zimmer ist bereit und wunderschön eingerichtet. - ich bin angekommen und spüre, dass ich mich hier wohl fühlen werde. Es sollten lockere 2 Monate werden, die ich hier verbringe...

 

Am 29. Dezember treffen auch Stephan und Nadia hier ein – unser von langer Hand geplantes Treffen klappt und wir verbringen eine tolle Woche miteinander. Silvester feiern wir am Strand mit hunderten Anderen ab und geht ganz goa-like feuchtfröhlich und zu und her. Silvester in Goa, einmal was anderes und es ist ein gute Party, die noch 2 weitere Tage nachwirken sollte...

 

Stephan, Nadia und ich wollten unabhängig voneinander das religiöse und ebenfalls hippiehafte Hampi sehen. Also beschossen wir, uns noch ein drittes Mal zu treffen. Hampi liegt 400 km östlich von Goa im landesinneren und ist wahrlich ein besuchenswerter Ort. Schon beim Einfahren in das Dorf erfasst einem eine ganz spezielle, relaxte und friedliche Atmosphäre. Das hat auch damit zu tun, dass Autos in Hampi nicht erlaubt sind, nur Motortaxis (wie Tuc-Tucs) und Motorräder/Fahrräder. Man biegt auf die Hauptstrasse und traut seinen Augen nicht: Ein riesiger Tempelturm steht am Ende der Hauptstrasse und dominiert alles. Er ist wunderschön anzuschauen, übersäht mit Figuren aus der Hindu-Mythologie. Überhaupt wimmelt es in Hampi von Tempeln und alten Ruinen. Das Dorf liegt an einem wunderschönen Fluss, die ganze Gegend ist sehr schön und wird dominiert durch bizarre Felsformationen. Hampi ist eine historische indische Stätte, die ab etwa 1343 Hauptstadt des hinduistischen Königreichs Vijayanagar war und zur Blütezeit rund 200.000, nach anderen Schätzungen sogar 500.000 Einwohner hatte. Sie gehört seit 1986 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Heute ist Hampi nur noch ein Dorf mit ca. 2000 Einwohnern. Heute leben einige Sardus oder Babas, die in Höhlen leben und durch totale Enthaltsamkeit den Weg ins Nirvana suchen. Wir besuchten zwei und unterhielten uns in bestem Englisch – einer war Italiener, der seit 25 Jahren in dieser Höhle lebt und der andere Engländer, der seit 7 Jahren durch die Lande zieht und nun seit 4 Monaten mit dem Italiener zusammenlebt. Wir kamen gerade zur Höhle, als eine kleine Zeremonie zu Ehren von Shiva anstand und wir konnten mit dabei sein. Erst wurde mit Glöckchen, Kerzen und Räucherstäbchen eine Ouvertüre zelebriert und danach wurde gesungen und musiziert. Total interessant...

 

In Hampi gibt es auch einen Tempel, der hoch oben auf einem Hügel steht und der Geburtsort von Hanuman, dem Affengott, sein soll. Ca. 600 Stufen sind bis oben zu erklimmen. Oben werden wir von den Tempelpriester herzlich empfangen und ins Innere des heiligen Tempels geführt. Nachdem uns ein Priester einen roten Punkt auf die Stirn gemalt hatte, wurde selbstverständlich um eine milde Gabe für den Tempel gebeten, die wir ebenfalls selbstverständlich nachkamen. Vom Hügel herab hat man eine atemberaubende Aussicht in die Umgebung. Herrlich!

 

Da die Affen in der Hindu Religion heilig sind, führen die Affen in Indien ein Herrenleben. Keine Gefahr droht ihnen, dementsprechend sind sie dreist. Auch hier oben sind Horden von Affen und keineswegs menschenscheu. Total drollig und herrlich zum beobachten. Auch in Hampi sind viele Affen auf den Häuserdächern unterwegs und veranstalten immer wieder mal ein riesen Gezeter. Man muss immer auf der Hut sein, dass sie einem nichts klauen, denn sie sind ja so was von flink....

 

Nach 2 Tagen verabschieden sich Stephan und Nadia um ihre Reise Richtung Delhi und Agra fortzusetzen. Ich bleibe noch einen weiteren Tag um diese total angenehme Atmosphäre etwas weiter zu geniessen. Auf der Fahrt zurück nach Arambol, ereilt mich einen weiteren Plattfuss – den Sechsten auf der Reise. Mit zweimal aufpumpen rette ich mich in ein Dorf, wo ich den Schlauch reparieren lassen kann.

 

Zurück in Arambol geniesse ich nun die Ruhe und die Zeit, die ich habe, um meine Webseite aufzudatieren, Emails zu schreiben und mit Ingo und Wolf gute Gespräche zu führen. Oder einfach nichts tun, am Strand ein Buch lesen, dösen oder fotografieren. Goa ist ein kleiner Bundesstaat, hügelig und gesegnet mit total schönen Stränden. Es ist wunderschön, zwischendurch das Motorrad hervorzuholen und Ausflüge zu machen in die Berge, der Küste entlang oder die Hauptstadt Panji zu besuchen. Goa war ca. 450 Jahre portugiesisch und entsprechend gibt es viele Monumente, Kirchen und Häuser zu entdecken. Z.B. stehen in Old-Goa, die ehemalige Hautpstadt, einige tolle Kirchen, die alle unter Unesco-Weltkulturerbe stehen. Unter anderem steht da die im 17. Jahrhundert grösste Kirche ganz Asiens. Beeindruckend! Enstprechend ist Goa der einzige Bundesstaat Indiens, der christlich dominiert ist.

 

Was ich nun, nach 2 Monaten in Goa herumfahrend, sagen kann, ist, dass Goa nichts mehr mit dem Hippie-Goa von früher zu tun hat. Klar hat es immer noch komische, schräge und schrille Gestalten, doch sind sie eher eine Kuriosität unter all den „Normalos“. Der Süden bis in die Mitte des Staates wird mittlerweile von der Mittel- bis Luxusklasse dominiert. Nur der Norden bietet noch ein wenig das Hippie-Flair, das Goa früher ausmachte. Zudem kommt es mir leider vor, als sei hier  heutzutage eine russische Enklave entstanden. Am Strand und in den Läden hört man beinahe mehr Russisch als Englisch... Die Russen sind nicht die beliebtesten Touristen der Inder. Viele – aber nicht alle! -  sind laut, arrogant und unhöflich. Ich habe es selber beobachtet, wie grob Russen mit den feinen und eher leisen Inder umgegangen sind und mich dabei geschämt, selber ein Tourist zu sein. Leise bezieht sich übrigens nicht auf den Verkehr...!

 

Meine Zeit neigt sich in Goa langsam aber sicher dem Ende zu. Ich werde nächste Woche mein Motorrad wieder satteln und mich weiter Richtung Süden aufmachen. Der nächste Staat, den ich genauer anschauen möchte ist Kerala. Kerala soll ebenfalls wunderschön sein und noch die viel schöneren Strände bieten. Auch sei es noch lange nicht so überlaufen wie Goa und deshalb viel entspannter. Ich bin gespannt und freue mich, bald wieder „on the road“ zu sein...

 

Davon mehr in meinem nächsten Bericht.

 

Alles Gute und liebe Grüsse aus Arambol, Goa

 

Euer Thierry

 

25. Februar 2011

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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