5. Bericht von Thierry Wilhelm aus Pakistan

 

Nun bin also in Pakistan angekommen…

 

Es sieht auf der pakistanschen Seite sogleich anders aus. Sehr sandig, einfache, baufällige und kleine braun/graue Häuser. Und Grenzer in vorzeitlichen Uniformen. Sehen eher wie Partisanen als offizielle Behörde aus. Komme mir eher wie in einem Comic vor, als bei den pakistanischen Autoritäten…

 

Da wir die Letzten waren, die im Iran abgefertigt wurden, bevor die Grenze schloss, erwarteten uns völlig entspannte Zollbeamte. Die Gebäude waren fast menschenleer und alles schien nur auf uns gewartet zu haben. Locker wird etwas geplaudert und nebenbei die Stempel in die Pässe gedrückt. Nachdem wir gleich noch unsere Rials in Rupees umgetauscht hatten, kam nun das Verzollen der Motorräder an die Reihe, was üblicherweise viel mühsamer ist, als die persönliche Einreise. Wir wurden in ein grösseres Haus gelotst, das von einem grösseren, ummauerten Gelände umgeben war. Das Zollabfertigungsgelände. Wir kamen in einen recht grossen und hohen Raum, an dem zwar einige Schreibtische standen, aber nur noch 2 Beamte am arbeiten, bzw. Tee trinken waren. Sie warteten buchstäblich auf uns. Zuerst ein freundliches Gespräch über unsere Reise, dann die Einladung zum Tee und als wir am Formulare ausfüllen waren, kam plötzlich ein Angestellter, der uns je einen Teller Nudeln vorsetzte! Hat man so was schon mal erlebt? Und das am Zoll??? Ich dachte ich spinne! Da quatscht man gemütlich mit einem sehr netten Herrn über die Reise, Erlebnisse usw, trinkt ein Schlückchen Tee, isst einen Happen Spaghetti und der nette Herr füllt so nebenbei noch das Formular für dich aus!

 

Es war mittlerweile bereits 15 Uhr und viel zu spät, die erste Etappe bis in die erste Stadt zu starten. Es wären ca. 300 km zu absolvieren. Zudem werden wir auch, oder vorallem in Pakistan mit Polizeieskorte unterwegs sein. Also laden uns die Behörden ein, doch gleich beim Zollgebäude zu übernachten. Sie würden schon einen Raum haben für uns. Wir fragten, ob wir auf der kleinen Rasenfläche neben dem Gebäude zelten könnten. Das war selbstverständlich kein Problem. Im Gegenteil, sämtliche noch Anwesenden Beamte und sonstigen Angestellten beobachteten uns sehr interessiert, wie wir unsere high-tech Zelte aufschlugen. Und als wir zu kochen begannen, bekamen sie noch viel grössere Augen, als sie unsere Minikocher sahen und zu was die imstande waren. Das war wirklich lustig, ihnen alles zu zeigen und zu erklären.

 

Das war mit Abstand der entspannteste und freundlichste Grenzübergang, den ich je erlebt hatte! Das war wirklich eine perfekte, erste Visitenkarte der pakistanischen Gastfreundschaft gewesen…

 

Doch nun galt es, die 600 km entlang der afghanischen Grenze bis zur Stadt Quetta sicher hinter uns zu bringen. Es war uns irgendwie mulmig zu Mute, denn hier begann für uns ein sehr ungewisser Abschnitt. Wir hatten nicht viel Informationen finden können, da offenbar nur ganz wenige sich zur Zeit trauen, Pakistan zu durchqueren. Aber wir wussten auch, dass die Medien immer übertreiben und es sowieso immer viel schlimmer tönt, als es dann in Realität ist. Also machten wir uns Mut und sprangen rein ins Abenteuer.

 

Das Abenteuer fing damit an, dass uns am nächsten Morgen früh, die Polizei bereits besuchen kam, als wir kaum aufgestanden waren. Ca. 7 Uhr morgens war das. Wir machten ihnen klar, dass wir nicht ohne Morgenessen losfahren würden. Und Benzin würden wir auch noch benötigen. Alles kein Problem. 90 Min. später fuhren wir los, um 1 km weiter vorne bereits wieder anzuhalten. Erst sah ich nicht ein, warum wir hielten. Aber dann sah ich ein paar Fässer und ich schnallte: das muss die Tankstelle sein! So war es auch. Das ging noch die ganzen ersten 600 km so weiter bis nach Quetta, wo wir die erste richtige Tankstelle sahen. Zum Glück hatte Helen, die Irländerin, eine speziellen Filter dabei, der das Wasser im Benzin zurückhält. Das war ein grandioses Ding. Relativ klein und mit einem fixen Filter drin. Das Ganze aus Plastik und deshalb auch noch leicht. Genial! Das muss ich mir für die nächste Reise auch organisieren. Und jedes Mal, wenn wir tankten, schütteten wir Wasser aus dem Behälter! So viel zur Benzinqualität in diesen Fässern…

 

Und nun tuckerten wir also hinter der Polizeieskorte hinterher und schliefen dabei fast ein. Voll mühsam! Die Strasse war in überraschend gutem Zustand und schnurrgerade durch Wüstengebiet. Voll langweilig… Nach ca. 20 bis 40 km lösten sich die Eskorten ab. Manchmal hatten wir richtig seriös aussehende Pick-ups mit 5 Männern mit Kalaschnikows. Da fühlte man sich schon eher sicher. Aber dann kam wieder ein altes, klappriges Auto mit zwei älteren Herren, die nicht so aussahen, als könnten sie im Ernstfall was ausrichten. Der Höhepunkt war ein alter, wettergegerbter Mann mit Uraltuniform und altem Holzkarabiner, der uns beschützen sollte! Er fuhr zudem hinten auf einem kleinen Motorrad mit. Er fuhr uns mit ca. 30 km/h voraus! Zum Glück dauerte diese Farce nur etwa 5 km…

 

Nebst dem mühsamen hinterherzuckeln, war auch das auf die nächste Eskorte zu warten, wenn sie noch nicht bereit war, uns an der Grenze des Zuständigkeitsgebietes abzuholen. Trauriger Rekord war ein 3-stündiges Warten! Bei Sonnenuntergang traf sie dann ein… Doch dazu später mehr.

 

Wir wussten, dass in der ersten Stadt – Dalbandin – nur ein einziges Hotel auf uns wartete. Ich weiss nicht, ob es noch mehr Hotels in diese kleinen Stadt gibt, aber wir wussten aus dem Internet, dass die Polizei die Ausländer jeweils in dieses Hotel bringt. Wir wussten aber auch, dass es in diesem Hotel BIER gibt! Treppe hoch in den ersten Stock, gerade aus laufen in den Raum gegenüber der Treppe, rechts steht eine grosse Kühltruhe mit dem Bier drin! Und so war es denn auch! Wir alle hatten seit Wochen kein Bier mehr gesehen, ich persönlich seit der Türkei nicht mehr, also ca. 2 Monaten. Wir waren nebst eine Chinesin, die für mehre Monate dort wohnt und eine chinesische Kupferbergwerk in der Gegend betreut, die einzigen Gäste. Wie gesagt, Pakistan ist zur Zeit nicht besonders hoch im Kurs. Wir aber, genossen es königlich, mit bestem Essen und einem kühlen Bierchen den Tag zu beschliessen. Alles Sorgen und Ängste waren wie weggeblasen…

 

Morgens um 7 stand auch schon wieder die Polizei pünktlich da. Wenn nur die Ablösungen auch so pünktlich wären. Die haben ja Funk und überhaupt, in diesem verlassenen Gebiet eh nicht viel zu tun. An jedem Polizeikontrollpunkt, hingen die Beamten nur so rum, tranken Tee und spielten Karten. Bis auf die, die Wachdienst hatten. Sie hockten in den Sandburgen hinter dem Maschinengewehr und langweilten sich zu Tode. Da kommen so 5 westliche, grosse Motorräder gerade recht, um etwas Abwechslung zu bringen. Entsprechend gab es jedes Mal ein grosses Hallo und immer und immer wieder dieselben Fragen über das Motorrad und die Reise. Ist ja klar, kann ich verstehen. Auch wurden wir immer wieder zu Tee und Kecksen eingeladen. Es war eigentlich alles sehr entspannt und sehr, sehr freundlich. Wir bekamen auch das Gefühl, dass das Ganze doch ein Riesen Affentheater ist und nicht wirklich notwendig. Aber man weiss halt nie. Auch haben wir mit der Zeit erfahren, dass sie nicht Angst vor den Taliban hätten, jedoch von eigenen Rebellen. Diese wollen den Bundesstaat Belutschistan unabhängig machen und greifen immer wieder Polizei und Militär an. Die seien viel gefährlicher als die Taliban. Auch seien schon Touristenentführungen vorgekommen. Deshalb…. Aha, nun verstehen wir schon etwas besser. Zum Glück bleibt alles friedlich. Das sollte sich ändern, wenn wir in Quetta ankommen…

 

Es sind am zweiten Tag ebenfalls gute 300 km zu schaffen. Eigentlich kein grosses Problem. Die Strasse ist gut und wir starten früh. Es läuft auch alles Bestens, bis zum letzten Eskortenwechsel, ca. 60 km vor Quetta. Wir erreichen den Checkpoint etwa nachmittags um 14:00 h. Easy, früh genug für die letzten 60 km um bei Tageslicht anzukommen. Es wurde übrigens jeweils um 17:15 Uhr dunkel. Doch die Eskorte taucht einfach nicht auf. Geschlagene 3 Stunden hängen wir dort rum und warten. Die Polizisten geben sich alle Mühe, uns bei Laune zu behalten. Servieren immer wieder Tee. Doch uns wird’s immer mulmiger, denn ausgerechnet Quetta, die Hauptstadt Belutschistans, wollen wir nicht im Dunkeln erreichen! Endlich trifft die Eskorte ein – kurz vor Sonnenuntergang! Als wir losfahren, herrscht nur noch Dämmerlicht. Na super, das kann ja heiter werde, den letzten und gemäss den Polizisten gefährlichsten Abschnitt bis Quetta in der Nacht zu fahren…

 

Zu unserem Pech (oder Glück) fährt diese Eskorte furchtbar langsam und wir überholen ihn um etwas Tempo zu machen. Nach wenigen Kilometer haben wir ihn bereits abgehängt. Scheisse, Vollgas und so schnell wie möglich vorwärts kommen. Es ist uns mulmig zu Mute, aber alles geht gut. Bei der Stadteinfahrt werden wir wieder von der Polizei in Empfang genommen. Als wir so dastehen und die Passkontrolle über uns ergehen lassen, hören wir in der Ferne Maschinengewehrfeuer und sehen sogar Leuchtmunition durch die Nacht fliegen. Au Backe, hier ist wirklich die Hölle los, denken wir. Als wir mit Blaulicht und Sirene durch Quetta zu einem Hotel eskortiert werden, sehen wir unzählige Militärsperren. Quasi an jeder grösseren Kreuzung. Die Militärsperren sehen richtig seriös aus, mit Sandsäckenburgen und schwerkalibrigen Maschinengewehre…

Das Hotel hat einen grossen Vorplatz, der mit grossen Toren abgeschlossen wird. Wir fühlen uns sicher. Am nächsten Tag beschliessen wir trotzdem einen Tag Pause einzulegen. Am Nachmittag wagen wir uns aus dem Hotel um Essen und Trinken einzukaufen, aber um auch ein wenig was von Quetta zu sehen. Am Tag ist nichts von Agressivität zu spüren, ausser das ausseergewöhnlich viele Polizisten und Soldaten an den Ecken stehen. Aber die Menschen sind entweder freundlich zu uns oder ignorieren uns. Und trotzdem sind wir unruhig und wachsam. Die Stimmung will uns trotzdem nicht so gefallen, denn wir viele Blicke verfolgen und mustern uns. Nach 2 Stunden ist genug und wir kehren ins Hotel zurück wo wir bis zu unserer Abfahrt am kommenden Morgen bleiben…

 

Am nächsten Morgen holt uns die Polizei pünktlich ab und wir fahren um 09:00 los. Nun geht’s südwärts, weg von der afghanischen Grenze. Wir hatten immer gesagt, dass wenn wir Quetta hinter uns gelassen hätten, dass wir dann aus der Gefahrenzone draussen wären und uns besser fühlen würden. Nun, wir fühlten uns besser, aber dass wir die Polizeieskorte immer noch vor uns hatten, nervte uns und wir sahen den Grund nicht so richtig ein. Und so überholten wir auch diese Eskorte und machten uns aus dem Staub. Die nächste Polizeiblockade würde uns ja eh wieder „einfangen“. Doch dadurch konnten wir endlich mal ca. 300 km frei fahren, was wir sehr genossen…

 

Doch dann kamen wir in das Überflutungskatastrophengebiet und die Polizei hatte uns wieder…

 

Was wir da sahen, war sehr schockierend. Die Überflutung ist immer noch zu sehen – mehrere Monate nach der Katastrophe! Teilweise ist die Strasse wie ein Damm, links und rechts alles überschwemmt. Die Strasse selbst ist ebenfalls in erbärmlichem Zustand – der Belag teilweise weggeschwemmt, sandig, löchrig, wellig. Sehr mühsam ist, dass der gesamte Verkehr über diese eine Strasse muss. Entsprechend langsam schleppen wir uns Kilometer für Kilometer südwärts. Ein Chaos…

Links der Strasse sehen wir immer wieder grosse Zeltlager der UNICEF und UNHCR. Und rechts der Strasse grosse, neu angelegte, namelose Friedhöfe. Einfache Erdhügel ohne Stein oder Namen. Manchmal sehe ich auch tote Kühe, die halb im Wasser liegen, am Strassenrand. Sehr bedrückend das alles zu sehen… Gegen Sonnenuntergang erreichen wir Jacobabad. Es ist bereits dunkel, als uns die Polizei mit Sirene und Blaulicht direkt zu einem Hotel, das Beste der Stadt, führt. Ich fühle mich wie im Mittelalter. Viele Menschen auf der Strasse, sehr schmutzig, es stinkt, viele mobile Garküchen am Strassenrand. Es herrscht nur schwache Beleuchtung und dieses Schummerlicht macht die ganze Szenerie noch unheimlicher. Ich komme mir vor wie in einem Film, der z.B. in London des 18. Jahrhunderts spielt. Nur die Autos und Motorräder passen nicht in die Vorstellung, aber ansonsten würde es hinhauen.  Die Leute werden durch die Polizeisirene auf uns aufmerksam. Beim Hotel angekommen, bilden die 5 Polizisten einen Halbkreis um uns – mit dem Maschinengewehr umgehängt! Eine riesige Menschentraube schaut uns beim abpacken zu. Ein komisches Gefühl, dermassen im Mittelpunkt zu stehen. Ich es mir zwar gewohnt, von vielen Menschen beobachtet zu werden, das war in Lateinamerika und den arabischen Ländern nicht anders, aber von der Polizei dermassen „beschützt“ zu werden, ist mir neu. Zum Glück können wir die Motorräder in den Gang zur Küche versorgen und so den neugierigen Blicken entschwinden. Das Hotel selbst soll das Beste der Stadt sein, aber unter uns gesagt, es ist ein „Loch“. Wenigstens ist das Bett einigermassen sauber. Nach einer kalten Dusche nehmen wir unser ausgezeichnetes Nachtessen ein. Überhaupt schmeckt mir die pakistanische Küche sehr gut. Viel Gemüse, Hühnchen und schwere Saucen zusammen mit einem Chapati (ein Fladenbrot) ist so das Standardgericht. Schmeckt super!

 

Am nächsten Morgen wieder das grosse Schauspiel, als wir unsere Bikes aus der Küche schieben. Da es nun Tag ist, sehen noch viel mehr Menschen, dass da was besonderes im Gange ist. Die Menschentraube vergrössert sich im Sekundentakt und schon bald ist die Strasse komplett verstopft. Die Polizei versucht die Menge zurückzuhalten und die Strasse für den Verkehr passierbar zu machen. Eine unglaubliche Szene. Mit Blaulicht und Sirene verlassen wir Jacobabad. Nach ca 50 km lässt die Polizei uns ziehen. Endlich! Nun können wir frei nach Sukkur, der südlichsten Stadt unserer Pakistandurchquerung, fahren. Dort überqueren wir den Indus-Fluss und fahren auf der anderen Seite wieder nordwärts Richtung Multan.

 

Auf der anderen Seite des Flusses sieht alles etwas anders aus. Die Strasse ist nahezu perfekt. 4 Spuren und alles geradeaus. Links und rechts der Strasse sieht man viel Baumwollfelder und bunt gekleidete Frauen am ernten. Der Verkehr ist ausserhalb von Städten moderat und übersichtlich. Doch sobald man in Stadtnähe kommt, verdichtet sich der Verkehr enorm und mühsam muss man sich durch die Stadt wühlen. Die 4-spurige Hauptstrasse ist so angelegt, dass sie jeweils mitten durch Dörfer führt und grössere Städte (meistens) umfährt. Da es die Hauptverkehrsachse ist, bewegt sich alles was fahren oder laufen kann auf der Strasse. Entsprechend ist das Chaos in Ortschaften und man muss höllisch aufpassen. Vorallem die vielen kleinen Motorrädern zischen von überall her auf die Strasse und wuseln sich wie die Verrückten zwischen den Lastwagen, Bussen und Autos durch. Dazu kommen die vielen Menschen, die allerlei Güter rumtragen und oft die Strassenseite wechseln. Folglich stehen immer viele Leute auf dem Mittelstreifen (meistens ein Grünstreifen) und versuchen zwischen dem Verkehr durchzurennen. Ohne Hupe geht das schlecht aus! Seit Pakistan weiss ich den Wert einer Hupe so richtig zu schätzen. Von Indien will ich hier gar noch nicht berichten, doch soll sich dort der Wert einer Hupe noch um ein vielfaches erhöhen! Doch dazu mehr in meinem Bericht über Indien…

 

In zwei Tagen erreichen wir Multan, der mit 1,2 Mio. Einwohner fünftgrössten Stadt Pakistans. Von der Polizei unbehelligt können wir die ganze Stracke von Sukkur bis Multan alleine fahren und geniessen das entsprechend. Wir erreichen Multan gegen Abend. Ich habe einen GPS-Punkt von einem Hotel gespeichert und folge nun meinem GPS durch Multan, Els und Merijn im Schlepptau. Da meine GPS-Karte keine Städtedetails aufweist, geraten wir immer tiefer in das Gässchengewirr der Altstadt. Und was da passiert ist schier unmöglich! Es wird immer enger und alles was sich bewegen kann, versucht sich durch die Gassen zu schieben. Es herrscht ein Heilloses Durcheinander. Vorallem die Fahrrad- und Motor-Rkishaws blockieren alles. Und das Autos und sogar Lieferwagen sich in die engen Gassen zwängen, erschwert alles noch viel mehr. Mehrmals ist der ganze Verkehr hoffnungslos ineinander verkeilt und nichts geht mehr. Es ist bereits Nacht, Strassenschilder gibt’s keine und so quetschen wir uns einfach in Richtung des GPS-Punktes quer durch das Chaos. Da wir aber oft einfach im Verkehr eingeklemmt dastehen, entdecken uns die Leute natürlich und der entsprechende Auflauf hilft auch nicht wirklich, die Knäuel zu entwirren…! Ständig werden wir angeredet, freudig begrüsst oder einfach mit aufgerissenen Augen und offenem Mund angestarrt. Wir nehmen alles mit Humor und glauben unseren Augen einfach nicht. Leider war es bereits Nacht und ich konnte deshalb keine Fotos von diesen Szenen machen, sorry.

 

Verschwitz und ziemlich müde erreichen wir tatsächlich den GPS-Punkt und siehe da, er hat gestimmt! Das Hotel steht vor uns da. Leider ist es ausgebucht… behauptet der Rezeptionist auf jeden Fall. Es hat aber zum Glück in dieser Umgebung noch 4 weitere Hotels. Doch keines der Hotels will Ausländer bei sich einquartieren. Zu gross ist die Angst vor Anschlägen (sagt man uns später). Was nun? Ein freundlicher Riskhaw-Fahrer behauptet, ein gutes Hotel zu kennen, das auch Ausländer aufnimmt. Er führt uns hin und tatsächlich, wir bekommen ein Zimmer. Sogar die Motorräder sind im Innenhof sicher untergebracht. Wir beschliessen einen Tag Pause zu machen und am nächsten Morgen Multan ein bisschen anzuschauen.

 

 

 

 

Merijn hat einen Teil seines Werkzeuges verloren (gestohlen?) und will hier wieder aufrüsten. Mir ist die Abblendbirne kaputt gegangen und die will unbedingt hier ersetzen. Ich fühle mich irgendwie ungeschützt, wenn ich das Licht nicht einschalten kann. Multan ist so organisiert, wie die Städte seit dem Mittelalter eingeteilt sind: Die Schlosser, die Schuhmacher, die Schreiner, die Elektriker usw., haben alle „ihre“ Strasse. Das ist sehr praktisch, denn so hat man Auswahl und Vergleich nahe zusammen und wird meist fündig. Es ist sehr witzig für uns, durch die Strassen und Gässchen zu wandern und das bunte und für uns aussergewöhnliche Gewirr zu bestaunen. Auch wir werden selbstverständlich bestaunt und laufend angeredet. Und wir werden immer wieder zum Tee eingeladen. Die Pakistanis sind ja so was von freundlich. Wir fühlen uns absolut sicher und haben Spass an allem. Auch werden wir bald fündig. Ich finde meine Abblendbirne und Merijn seine Gabelschlüssel. Doch das eine oder andere Teil ist nicht sofort zu finden. In einem Metallwarenladen werden wir vom Besitzer zu einem Getränk (für einmal kein Tee, sondern eine Cola!) eingeladen. Und als vor seinem Geschäft ein fliegender Händler irgendwelches Gebäck feil haltet, kauft er kurzerhand eine Runde ein und offeriert es uns. Merijn sucht eine Velopumpe, da seine verlustig gegangen ist. Der Besitzer schickt seinen Jungen auf die Piste um diese für uns zu suchen, während er sich mit uns weiter unterhalten kann. Er geniesst es sehr und ist sehr stolz, gleich drei Ausländer bei sich zu haben und sich über Gott und die Welt unterhalten zu können. Bald bringt uns der Junge eine Fusspumpe, die jedoch zu gross und zu schwer ist. Er wetzt wieder los, bringt diese zurück und bringt diesmal eine richtige Handvelopumpe mit. Super gemacht! Wir halten weiter Schwätzchen und geniessen Gebäck und Getränk, während der Junge diesmal für mich ein kleines Vorhängeschloss suchen geht. Zwei mal kommt er mit zu grossen Schlössern. Doch beim dritten Mal passt es. Nach über einer Stunde verlassen wir den überaus freundlichen und nun stolzen Ladenbesitzer wieder und schlendern zurück Richtung Hotel. Vorher wollen wir noch in ein Internetshop. Den finden wir auch tatsächlich, doch ist er dermassen langsam, das wir bald wieder aufgeben. Wir verschieben den Internetbesuch auf Lahore, der

Mit über 5 Mio. Einwohner zweitgrössten Stadt Pakistans. In solch einer grossen Stadt wird es wohl einen vernünftigen Internetzugang haben…

 

Als wir ins Hotel zurückkommen, eröffnet uns der Besitzer, dass er unseren Aufenthalt der Polizei melden musste. Das sei ein Gesetz und er sei deswegen dazu verpflichtet, wenn er nicht in Schwierigkeiten kommen wolle. Entsprechend stand am nächsten Morgen um Acht die Polizei auf der Matte und wollte uns abholen! Scheisse, dachten wir. Fertig lustig mit frei fahren. Wir packten, sattelten die Motorräder und wollten abfahren als Els an ihrem Hinterrad einen Plattfuss entdeckte. Na super! Die Polizei fand es auch nicht sonderlich lustig, aber was sollten wir tun. Also alles wieder ausziehen und ans reparieren machen. Die drei Polizisten standen daneben und beobachteten interessiert, wie wir das machen. 45 Minuten später waren wir endlich unterwegs. Wiederum mit Blaulicht und Sirene eskortierte uns die Polizei aus der Stadt, was sehr hilfreich war. Finde mal den Ausgang aus einer 5 Millionen-Stadt ohne brauchbaren Wegweiser… Dank GPS weiss ich immer die Richtung in die ich muss, das heisst aber noch lange nicht, dass ich auch die richtige Strasse sofort finde. So eine Eskorte hat auch was Praktisches. Von nun hatten wir sogar Spass an den Eskorten, denn all die nächsten Eskorten waren immer schon bereit und fuhren bereits los, als sie uns kommen sahen. Fliegende Wechsel, sozusagen. Und endlich fuhren sie auch mal richtig schnell! Ständig waren wir mit 80 bis 90 unterwegs, was je nach Verkehrsaufkommen sehr schnell ist. Auf jeden Fall kamen wir wunderbar vorwärts. Zur Mittagszeit machten wir den Polizisten das Zeichen, das wir eine Pause und was essen wollten. Bei nächstbester Gelegenheit hielten die Polizisten bei  einem Restaurant entlang der Strasse. Die nahmen ihren Job so richtig ernst! Sie hiessen uns, erst mal bei den Maschinen zu bleiben, währendem sie das Lokal inspizierten und tatsächlich einen Tisch für uns räumten. Ich traute meinen Augen nicht. Die jagten doch tatsächlich 4 essende Männer aus dem Lokal um draussen fertig zu essen. Danach führten sie uns an den Tisch. Zwei hockten sich zu uns, einer Stand daneben, einer setzte sich zu Türe (immer noch im Lokal) und einer nahm draussen vor der Türe Platz. Maschinengewehr auf dem Schoss. Das Lokal war mittlerweile leer und das blieb auch so, bis wir wieder gingen! Die Polizisten waren überaus freundlich zu uns. Sie berieten uns, was wir bestellen sollten und erledigten alles für uns. Sie assen nichts, obwohl wir sie dazu einladen wollten. Also schauten sie uns zu und wir versuchten etwas Kommunikation zu machen, doch ihr Englisch war eher schlecht als recht. Als ich auf die Toilette wollte, kam doch tatsächlich einer mit. Er hiess mich vor der Toilette zu warten, während dem er jedes Abteil inspizierte. Und während ich mein Geschäft verrichtete, stand er mit dem Maschinengewehr im Anschlag davor und liess niemanden rein. Unglaublich so was! Ich kam mir total komisch vor. Das Ganze schien mir total übertrieben. Keine Spur von Aggressivität oder Bedrohung. Im Gegenteil, die Leute wollten lediglich unsere Motorräder bestaunen und ein paar Worte wechseln. Das ging nur auf ein paar Meter Distanz, denn die Polizisten liessen sie nicht nahe ran. Als wir zahlen wollten intervenierte der Chef der Polizisten und übernahm sämtliche Kosten! Wow, das war nun eine wirklich eine Überraschung! Wir seien ihre Gäste und wir seien selbstverständlich eingeladen… So viel zur pakistanischen Gastfreundschaft. Das war wirklich der Hammer!

 

Nach weiteren ca. 50 km entliess uns die Polizei und wir konnten wieder frei fahren. Bei der Einfahrt in Lahore wiederholte sich das gleiche Spiel wie in Multan. Wir hatten einen GPS-Punkt eines Hotels und wühlten uns auf möglichst kürzestem Weg durch die Stadt. Und wieder gerieten wir in die engen Altstadtgässchen mit all seinem Chaos. Das machte überaus nichts, denn so konnten wir gleichzeitig einen Teil der Stadt sehen. Wir fandens lustig, um so mehr als noch Tag war und wir was sehen konnten. Das Hotel heisst „Regal Internet Inn“ und das klingt doch verheissungvoll! Und tatsächlich, seit langem hatten wir wieder mal eine wireless-Internetverbindung im Hotel. Und sie war nicht mal so langsam, was uns sehr glücklich machte. Wie man doch vom Internet abhängig wird, unglaublich. Was haben wir denn früher gemacht, als es noch kein Internet gab??? Postkarten geschrieben….!

 

Wir beschliessen, da es unsere letzte gemeinsame Station ist, noch ein paar Tage hier zu bleiben und Lahore gemeinsam auszukundschaften – was sich noch als sehr guten Entscheid herausstellen sollte!

 

Schon 2 Tage später, werden wir durch den Sohn des Hotelbesitzers zu einer Hochzeit eingeladen, an dem ein weltberühmter Sufi-Trommler auftreten soll. Sufismus ist eine islamische Glaubensrichtung, die u.a. auch für Gewaltfreiheit einsteht. Sufismus ist der zwölfhundert Jahre alte mystische Bruder des konventionellen Islam. Ein spezielles Ritual ist das „in Trance trommeln“. Dabei trommelt sich ein Sufi mit einer umgehängten Trommel um seine eigene Achse drehend in Trance. Eine Art von Gebet. An Hochzeiten eher eine Show. Wir hörten, dass an vielen Hochzeiten in Pakistan ein Sufi-Trommler nicht fehlen darf, sonst ist die Hochzeit nicht komplett. Der Sufismus erfreut sich speziell in Pakistan einer sehr grossen Beliebtheit. Etwa 50 Millionen, also etwa einen Drittel der Gesamtbevölkerung, sind gläubige Anhänger des Sufismus (gemäss Wikipedia). Sobald ich die Videos hochgeladen habe, könnt ihr eine Kostprobe von diesem Event hören.

 

Es war äusserst interessant, einer pakistanischen Hochzeit bewohnen zu dürfen. Wir, die Ausländer aus dem Hotel, waren die Ehrengäste, denn es soll dem Hochzeitspaar Glück bringen, wenn man möglichst von weit weg her kommende Gäste an der Hochzeit beherbergen kann…! Soll uns recht sein, denn wir kommen auf diese Weise zu einem ungewöhnlichen Erlebnis, das man nicht einfach so zu sehen bekommt. Es ist wunderbar farbenfroh. Speziell die Frauen sehen in ihren bunten Saris, ihrem Schmuck und Hennamalereien wunderbar aus. Es ist eine reiche Familie, denn sie haben gleich ein Zirkuszeltgrosses Zelt aufgebaut und fahren unerschöpflich Essen und Trinken auf. Wir werden an den grossen, runden Tisch zusammen mit den Sufi-Trommlern und ihrer Entourage gesetzt. So lernen wir den grossen Meister besser kennen. Wir erfahren von seiner rechten Hand, dass er taub ist! Das ist wahrlich unglaublich, nachdem wir ihn hervorragend trommeln hörten. Er sei es von Kind her gewesen. Sein Vater habe ihm Rhythmus mittels trommeln mit den Fingern auf seinem Rücken beigebracht….

 

Die Hochzeit dauert 3 Tage, wir verbringen aber nur den ersten Abend mit der Gesellschaft. Das reicht ehrlich gesagt auch. Es ist ziemlich intensiv. Viele Leute wollen mit uns reden, aber da ihr Englisch meist sehr bescheiden ist, ist das mit der Zeit sehr anstrengend und wir sind froh, als wir Stunden später zusammen mit dem Sufi-Trommler abziehen können. Wir werden vom der Sufi-Entourage eingeladen, zur nächsten Hochzeit mitzukommen, wo sie ihren nächsten Auftritt haben. Wir gehen mit und erleben das nächste grosse Hallo, als die Leute uns Ausländer sehen. Sofort werden wir überschüttet mit Fragen, Essen und Trinken. Sie sind ja soooo herzlich die Pakistanis. Es ist wirklich sehr schön, eine solch ehrliche Freude in ihren Augen  zu sehen. Als ich einmal auf die Toilette gehe, sehe ich ins Hinterzimmer, das voller Mädchen und Frauen ist. Als ich dort so rumstehe und warte, bis die Toilette frei ist, getraut sich ein 14-jähriges Mädchen, mich anzusprechen. Als die anderen sehen, dass wir uns unterhalten, verlieren sie ihre Scheu und kommen auch und bald bin ich umzingelt von einer Horde junger und älterer Mädchen und Frauen. Viele Fragen und viel lachen, kichern und staunen. Ich bewundere speziell hübsch verzierte Hände eines Mädchens und lobe sie für das Werk. Darauf fragt sie mich, ob ich das auch haben möchte. Ich sage: „Klar, warum nicht?“ Und schwubs, ziehen sie mich ins Hinterzimmer und eine holt ihre Hennatüte raus und beginnt meine rechte Hand zu verzieren – zur Belustigung der anderen Mädchen, denn normalerweise machen das meistens nur die Mädchen. Aber nicht nur, ich habe auch Männer gesehen, die ihre Hände verziert haben. Ich habe ein Foto mitgeschickt, damit ihr das Werk bestaunen könnt. Ist sehr schön geworden… Nachts um 2 fahren wir todmüde zurück ins Hotel. Es war ein wunderbarer Abend.

 

Als wir noch im Iran in der Motorradfahrer Webseite „horizonsunlimited“ nach Antworten für unsere Pakistan-Fragen suchten, tauchte immer wieder ein gewisser Omi auf, der immer auf unsere Fragen antwortete. Er wohnt in Lahore und wir beschlossen, ihn zu besuchen. Wir machten einen Termin für den nächsten Tag mit ihm aus, nahmen ein Taxi und fuhren zu ihm. Wir staunten nicht schlecht, als wir in ein super schönes Quartier fuhren mit Villen und teuren Autos auf der Strasse. Wow, das sieht aber gar nicht wie Pakistan aus, sagten wir uns. Es ist aber so, es gib auch eine reiche Schicht (wie in allen Ländern) und die fahren Ferrari, Aston Martin und Lamborghini. Ich traute meinen Augen nicht, als ich eben diese Fahrzeuge auf der Strasse sah! Nie und nimmer würde ich solch ein teures Fahrzeug in diesem wilden Verkehr und diesen schlechten Strassen fahren. Es stellte sich heraus, dass der Omi ein pensionierter Chirurg, ein Nierenspezialist ist. Er wohnt in einer recht schicken Villa in sehr gepflegter Umgebung. Wow, dies ist nun eine ganz neue und andere Seite Lahores und Pakistans. Sehr interessant! Es stellte sich heraus, dass Omi, ebenfalls perfekter Gastgeber, Mitglied eines Motorradclubs ist und seinen Kumpels unser Kommen mitgeteilt hatte. Im Laufe des Abends liefen immer mehr Leute ein, so dass wir am Ende etwa 15 Leute waren. Es war ein lustiger Abend, denn alle waren aus reicheren Familien und gut ausgebildet. Kommunikation war deshalb überhaupt kein Problem. Wir beschlossen uns am nächsten Morgen um 8 wieder zu treffen. Sie wollten uns die Sehenswürdigkeiten von Lahore zeigen. Super!

 

Am nächsten Morgen um Acht stand tatsächlich bereits die Hälfte vor der Tür unseres Hotels. Die andere Hälfte kam ca. 15 Minuten später, was nach pakistanischem Ermessen äusserst pünktlich ist! Wir fuhren im Konvoi erst mal zu einem kleinen Lokal um ein typisch pakistanisches Morgenessen einzunehmen. Es sah scheusslich aus, schmeckte aber äusserst lecker. Es sah aus wie ein brauner, klebriger Brei. Es ist aus Gemüse gemacht und wird einfach mit einem Chapati (Fladenbrot) gegessen. Danach besuchten wir die Stadtsehenswürdigkeiten wie ein grosses Fort, eine speziell schöne Moschee und ein Teil der Altstadt. Den ganzen Tag durfte keiner von uns irgendetwas bezahlen. Sie teilten sich alles auf und bezahlten ihren Anteil für uns. Es war uns nirgends recht, aber es war nichts zu machen. Sie wären höchstens beleidigt gewesen, wenn wir insistiert hätten. Und so bereiteten uns der örtliche Motorradclub www.pakistanbikersclub.com einen wundervollen, unvergesslichen Tag. Es war wunderschön und äusserst freundschaftlich… Über Facebook habe ich nun weiterhin mit den Meisten einen weitergehenden Kontakt. Möglicherweise, ich denke im Moment darüber nach, werde ich kommenden Sommer nochmals nach Lahore zurückgehen und mit einigen Mitgliedern einen gemeinsamen Trip den Karakorum Highway hoch an die chinesische Grenze machen. Es soll wunderschön sein, aber auch sehr hart, da die Strasse mehr oder weniger zerstört ist (die Chinesen bauen zurzeit eine neue Strasse). Ausserdem hat vorletztes Jahr ein gewaltiger Bergrutsch das Tal versperrt und es hat sich einen 22km langen und 100 Meter tiefen See gebildet. Dieser soll nun erhalten bleiben und wird mit einem Fährbetrieb bedient, bis die neue Strasse gebaut ist. Ich bräuchte aber ein neues Visa für Pakistan und muss schauen, wie es in meine Pläne passt. Alles noch offen, aber ein sehr reizvoller Gedanke…

 

Nach 5 Tagen in Lahore kam die Zeit mich von Els und Merijn zu verabschieden. Wir sind doch immerhin 6 Wochen zusammen gereist und haben so viel zusammen erlebt. Da fällt das Verabschieden nicht so leicht, hat man sich doch aneinander gewöhnt. In der Zwischenzeit trafen auch noch das irische Päärchen und ein Österreicher ein, die wir alle vorher mal im Iran getroffen hatten. Els, Merijn und Tom, der Österreicher, beschlossen, so weit wie möglich nordwärts Richtung Karakorum Highway zu fahren. Für mich war das keine Option, denn es ist die falsche Jahreszeit dafür. Zu kalt und zu schlechte Strassenbedingungen. Ausserdem wollte ich nun endlich nach Indien – ein grosses Ziel und Traum seit vielen Jahren. Ich war nur noch 30 km davon entfernt…

 

 

Am nächsten Morgen zogen die drei Richtung Norden los, die irländische Päärchen wollten sich noch etwas in Lahore erholen und ich machte mich bereit, Indien zu erobern. Die letzten 30 km unter die Räder nehmen und eintauchen in eine faszinierende, unbekannte, neue Welt. Soooo viel hatte ich schon gehört und gelesen. Ich konnte es kaum erwarten…

 

Dank den ausserordentlich freundlichen und spannenden Erlebnissen und Begegnungen in Multan und vorallem in Lahore kann ich das Abenteuer „Pakistan“ als sehr gelungen bezeichnen. Ausser in Quetta, der „wildost“ Stadt in Beluchistan, habe ich mich immer sicher gefühlt. Eigentlich auch in Quetta, doch war uns dort am meisten mulmig - vorallem weil wir Schüsse gehört haben und die Polizei und das Militär dermassen präsent sind. Aber eigentlich war es unter dem Strich harmlos, aber man weiss halt nie und manchmal geht die Fantasie mit einem durch. Auf jeden Fall verliess ich Pakistan mit einem sehr guten Gefühl und es kam mir nicht so vor, als hätte ich lediglich 14 Tage im Lande verbracht – zu intensiv war alles, was wir erlebt hatten. Ich weiss nun, dass die „normalen“ Pakistaner - also die meisten - ein äusserst (gast)freundliches, interessiertes und neugieriges Volk sind. Ich kann nur Gutes berichten…

 

Meine ersten Erfahrungen über Indien werde ich in meinem nächsten Bericht kundtun. Bis dahin wünsche ich euch allen ein tolles, gutes, gesundes und erfolgreiches neues Jahr!

 

Herzliche Grüsse aus Goa, Indien

 

Euer Thierry

 

 
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